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Geschichten aus der Elbaue

Leise – aber immer hörbarer

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Besonders, wenn es das eigene ist, das man sich macht. So wie gestern von der Demonstration in Dresden am Postplatz. Neugierig darauf machte eine Veröffentlichung in der SZ von vergangener Woche. Aufgerufen hatte eine Organisation, die sich „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ – PEGIDA nennt. Zur angekündigten Zeit füllte sich der Postplatz allmählich mit Menschen. Fotografen waren vor Ort und der MDR hatte einen kleinen Übertragungswagen in Stellung gebracht. Vor der Veranstaltung war zu hören gewesen, dass es sich hierbei um eine irgendwie rechte Veranstaltung handeln würde. Außer den extrem kurzen Haarschnitten einiger jugendlicher Teilnehmer, deutete jedoch nichts auf eine verkappte NPD-Veranstaltung hin. Im Gegenteil. Auf dem großen Spruchbanner, das die erste Reihe der Demonstranten trug war deutlich zu sehen, dass neben dem Antifa-, dem Gender- und dem IS-Symbol auch das Hakenkreuz in den Mülleimer gehört. Veranstaltungsleiter Lutz Bachmann wies vor dem Umzug daraufhin, dass keine Glasflaschen mitzuführen sind, und, dass es selbstverstänldich sein sollte, keinen Alkohol zu trinken. Man wolle sich um keinen Preis provozieren lassen oder den Medien unschöne Szenen liefern. Anstößig genug scheinen die inhaltlichen Forderungen der Organisationen nämlich schon zu sein. Sie fordern die Bewahrung und den Schutz der deutschen Identität und „unserer christlich-jüdischen Abendlandkultur“. Eine faire Zuwanderung nach kanadischem Modell. Im übrigen eine AfD-Forderung. Eine konsequente Anwendung der bestehenden Gesetze beim Thema Zuwanderung und Abschiebung – eine Forderung wie sie in CSU-Kreisen längst Common sense ist. Weiterhin die sofortige Abschiebung straffällig gewordener Zuwanderer, sowie die Kontrolle der Grenzen.
Sätze, bei denen die Mehrheit der Demonstranten Beifall klatschte oder zumindest zustimmend nickte. Der anschließende Schweigemarsch an der Altmarkt-Galerie und dem Rathaus vorbei zum Lutherdenkmal am Neumarkt erwies sich als geniale Idee. Denn die schweigende Menge, Schätzungen schwanken zwischen 1000 bis 3000 Menschen, erregte so viel mehr die Aufmerksamkeit der Passanten als es eine „Krawalldemo“ je vermocht hätte. Am Straßenrand waren viele nachdenkliche Gesichter zu sehen, die die Vorbeimarschierenden musterten. Im Zug selbst waren viele ältere Menschen, die man einfach nur mit dem Wort „normal“ bezeichnen kann. Beim Marschieren selbst ergab sich das eine oder andere Gespräch zwischen bis dato völlig unbekannten Menschen. Viele gaben sich zu erkennen, als solche, die schon 1989 durch Dresden gelaufen waren. Eine Frau erzählte ihrer Nachbarin, dass sie aus dem Westen sei und die gesamte Zuwanderungsproblematik vor Jahrzehnten nicht so richtig mitbekommen habe. Erst heute sei ihr klar geworden, welche Probleme damit einhergehen. Deshalb sei es richtig, dass die Menschen hier jetzt schon auf die Straße gingen. An der Biegung zur Weißen Gasse waren dann lautstarke Rufe der Antifa-Parole „Nie wieder Deutschland zu hören“. Deplatzierter hätten die Rufe nicht sein können. Und die leise Masse spielte hier zum ersten Mal ihren Trumpf aus. Man klatschte einfach in die Hände. Dieses sanfte Geräusch der vielen Menschen brachte die Rufer eindrucksvoll zum Schweigen.
Bei der Abschlusskundgebung am Neumarkt war es dann tatsächlich ein Hauch von 89. Während am Nobelhotel Taschenbergpalais fast alle Fenster mit Schaulustigen besetzt waren, erschallte der alte Ruf: „Wir sind das Volk“. Danach zerstreute sich die Menge genauso friedlich wie sie sich gefunden hatte und marschiert war.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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