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Geschichten aus der Elbaue

Plötzlich berühmt

Ein Kommentar

Interview mit Edwin Utrecht, dem „mutigen Holländer“, über sein Engagement bei PEGIDA:

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Edwin Utrecht wurde auf youtube bekannt als der „Mutige Holländer“. Jetzt ist er ein Gesicht der PEGIDA in Dresden. Foto: leo

Wie die offiziellen Medien ihre Stars und Prominenten haben, so beginnt auch das Internet, seine Helden hervorzubringen. Einer von ihnen ist seit wenigen Wochen Edwin Utrecht. Er wurde bekannt am Rande der Hogesa-Veranstaltung in Hannover als er, noch aufgewühlt von dem Geschehen dort, einigen Kamerateams vors Objektiv lief. Eine Sequenz davon verbreitete sich im Internet und wurde tausendfach geteilt. Darin spricht Edwin Utrecht darüber, warum er dabei sei. Dort bekam er auch sein Etikett: Der mutige Holländer. Auf der vorletzten PEGIDA-Veranstaltung in Dresden sprach er dann schon als einer der Hauptredner von der kleinen Bühne. Castorfiberalbicus sprach mit ihm über sein Engagement.

Cfa: Edwin, oder Ed Utrecht, ist das Ihr richtiger Name?

Utrecht: Der Vorname stimmt. Meinen Nachnamen möchte ich aber lieber nicht sagen. Ich nenne mich Utrecht, weil ich dort geboren bin.

Cfa: Wo wohnen Sie?

Utrecht: Meine Frau ist eine Deutsche. Wir wohnen in der Nähe des Ruhrgebietes. Aus Rücksicht auf meine Frau, der ich versprochen habe, mich nicht so zu exponieren, möchte ich auch dazu nicht mehr sagen. Außerdem habe ich drei Kinder.

Cfa: Was machen Sie beruflich?

Utrecht: Gelernt habe ich Restaurantfachmann. Ich habe lange in einem Hotel der Familie Fagel gearbeitet. Das ist eine bekannte Familie in den Niederlanden, deren Mitglieder alle ein oder zwei Hotels haben. Später habe ich dann bei einer Tochterfirma von Kabel-Deutschland im Mobilfunkbereich gearbeitet. Da hatte ich unter anderem Zugang zu sämtlichen süddeutschen US-Standorten. Das war in der Zeit des Irak-Krieges. Weil Deutschland da nicht mitmachte, waren die Amis sauer auf die Deutschen. Für mich als Holländer war es kein Problem, einen Ausweis für die Stützpunkte zu bekommen. Derzeit verdiene ich mein Geld mit einem Internetversand für Sportartikel.

Cfa: In der Wochenzeitung „Der Freitag“ wurden sie als „Demonstrationstourist“ bezeichnet, der überall auftaucht, wo Islamkritik geäußert wird. Stimmt das?

Utrecht: Ach so, haben die das. Naja, was in meiner Nähe liegt, da fahre ich hin. Ich gebe zu, dass dieses Thema mich umtreibt.

Cfa: Warum?

Utrecht: Der Hauptgrund sind die Zustände in meiner Heimat. Ich bin in Den Haag aufgewachsen. Ich habe es auf der letzten Demo gesagt, was dort inzwischen in einigen Stadtteilen für Verhältnisse herrschen. Unsere ganze Lebensart wird dort von radikalen Vertretern des Islams in Frage gestellt. Jeder, der Augen hat, sieht doch, was los ist. Wenn hier ständig die Rede davon ist, dass es keine Islamisierung gäbe, dann sollen die, die das sagen, mal dorthin fahren. Und genauso sieht es in Amsterdam, Rotterdam und in allen größeren Städten aus.

Cfa: Was lief Ihrer Meinung nach schief?

Utrecht: Das ging schon in den Siebzigern los. Als ich in der Schule war, bekamen wir in unsere Klasse von dreißig Kindern drei Marokkaner. Die sprachen natürlich kein Wort holländisch. Also mussten 27 Kinder warten, bis die soweit waren. Das war vor 30, 40 Jahren. Ich bin jetzt 46. Heute dominieren die verschleierten Frauen das Straßenbild und alles redet nur noch vom Islam. Die Holländer wollen das nicht mehr. Zu einem großen Umdenken hat die Ermordung von Pim Fortuyn 2002 geführt. Inzwischen wählt jeder Vierte die Partei von Geert Wilders.

Cfa: Die Kritiker der Demonstrationen in Dresden führen ins Feld, dass es in Sachsen so wenig Ausländer und noch weniger Muslime überhaupt gibt. Man demonstriere eigentlich gegen ein Phantom und es sei purer Fremdenhass. Was sagen Sie denen?

Utrecht: Auch in Holland, besonders im Norden, gibt es Landstriche, wo man das Problem mit dem Islam aus eigenem Erleben gar nicht kennt. Die lassen nachts ihre Hintertüren auf, da passiert nichts. Doch so wie es jetzt in Dresden und Sachsen aussieht, war es in den Städten in Holland auch mal. Da war auch immer die Rede davon, dass das alles kleine Probleme wären. Jetzt sind es große und die Politik weiß nicht mehr, wie man sie in den Griff bekommen soll. Ich bin hier, weil ich es richtig finde, dass die Menschen jetzt auf die Straße gehen, wo die Zustände eben noch nicht so schlimm sind wie in anderen Städten. Man schaue sich doch nur mal um in Frankfurt, Berlin oder Hamburg. Wenn gesagt wird, es gebe keine Islamisierung ist das doch eine glatte Lüge. Warum werden dann überall Moscheen gebaut?

Cfa: Werden Sie jetzt so etwas wie das internationale Gesicht der PEGIDA?

Utrecht: Mir ist das selber etwas unheimlich. Ich habe da in Hannover aus einer Aufwallung heraus etwas in die Kameras gesagt. Dass das solche Kreise zieht, hätte ich nicht gedacht. Ich weiß es selbst nicht. Neulich bat man mich, ein paar Worte zu sagen. Das habe ich gern getan. Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe. Ich bin kein Nazi oder Rechtsradikaler. Ich bin auch kein Moslemhasser, wie unterstellt wird. Und wer wirklich Asyl braucht, soll das auch bekommen. Aber ich bin gegen die schleichende Abschaffung unserer Kultur. Und da meine ich die in Holland und Deutschland. Ich selbst habe nicht den Drang, in die Politik zu gehen. Ich muss auch an meine Familie denken. Leider darf man ja bestimmte Wahrheiten nicht so laut sagen, ohne Angst vor Nachstellungen haben zu müssen.

Cfa: Vor wem haben Sie Angst?

Utrecht: Na, schauen Sie sich doch nur an, wer auf der anderen Seite steht bei den PEGIDA-Demonstrationen. Und was da gerufen wird. Ich bin doch eigentlich jemand, der nur in Ruhe leben will. Aber wir haben inzwischen Zustände im Land, dass man eben auch als Normalbürger mal seinen Mund aufmachen muss. Man muss sich ja inzwischen überlegen, was man bei bestimmten Dingen wie der Zuwanderung sagt. Viele Ostdeutsche erzählen mir, dass sie das noch kennen von früher. Es geht neben der Islamkritik auch um die Meinungsfreiheit und um das Recht der Menschen, zu bestimmen, wie es in ihrem Land weitergeht. Und das muss man ohne Angst können, ohne als „Nazi“ oder sonstwas beschimpft zu werden.

Cfa: Glauben Sie, dass PEGIDA der richtige Weg ist? Immerhin ist der Hauptorganisator vorbestraft?

Utrecht: Darauf habe ich bloß gewartet. Das stimmt. Es wäre besser, wenn Lutz Bachmann nicht dieses Strafregister hätte, weil es neben dem Nazivorwurf natürlich ein gefundenes Fressen ist. Die Leute laufen einem Kriminellen hinterher, wird gesagt. Aber er hat seine Strafe verbüßt. Ich finde, er ist ein feiner Kerl. Er steht zu seiner Vorgeschichte, hat es nicht verheimlicht. Und dann schauen Sie sich doch mal die Gegenseite an. Herrn Özdemir, zum Beispiel, der die Leute hier als Mischpoke bezeichnet hat. Redet noch jemand über dessen Betrügereien mit seinen Bonusmeilen? Oder der Herr Edathy von der SPD, der gerade in Berlin erklärt, dass das mit seinen Kinderpornos alles gar nicht so schlimm war. Und da könnte ich noch andere Beispiele bringen. Die PEGIDA-Leute haben einen Nerv getroffen. Die sind selbst überrascht von der Resonanz. Und dass sie nicht so ganz falsch liegen können, zeigen die vielen Nachahmer in Deutschland, der Schweiz, Belgien, Frankreich und bald auch in Holland.

Cfa: Wie wird PEGIDA in Ihrer Heimat wahrgenommen?

Utrecht: Die Medien verschweigen das noch. Aber ich kommuniziere viel mit Freunden und über das Internet sind die Vorgänge in Dresden auch bis nach Holland gedrungen. Aber es ist richtig, die Masse der Leute hat es dort noch nicht mitbekommen. Aber das wird noch.

Cfa: Wird man Sie jetzt öfter in Dresden sehen?

Utrecht: Nächste Woche zum großen Weihnachtsliedersingen auf jeden Fall. Wie es dann im neuen Jahr weitergeht, weiß ich auch noch nicht. Es ist doch ein ziemlicher Weg.

Cfa: Glauben Sie, dass PEGIDA irgendwann einschläft?

Utrecht: Nein, ganz und gar nicht. Ich spüre bei den Menschen viel Trotz in dieser Beziehung. Und wir kommen alle auf eigene Kosten hierher. Wir lassen uns nicht bezahlen wie die Gegenseite.

Cfa: Bisher verweigert sich PEGIDA einem Dialog mit den Medien. Ist das richtig?

Utrecht: Ich weiß es nicht. Verstehen kann man es, wenn man sieht, was immer daraus gemacht wird. Ich bin das beste Beispiel. In Hannover stand auch ein Kamerateam des ZDF dabei und hat mich gefilmt. Aber gesendet haben sie es nicht. Ich bin schon dafür, miteinander zu reden. Das ist immer besser. Aber man muss sich die Bedingungen anschauen, und, was das Wichtigste ist, man muss wenigstens ein kleines bisschen Vertrauen haben.

Cfa: Vielen Dank für das Gespräch

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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