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Geschichten aus der Elbaue

Tillich soll sich dem Volk stellen

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IMG_6343 Ohne Worte. Fotos: leo

Wer geglaubt hatte, das Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel habe der Pegida-Bewegung einen Dämpfer versetzt, sah sich getäuscht. Im Gegenteil. Nach ersten Schätzungen von Polizei und Veranstalter waren es rund 20 000 Menschen, die zur ersten Pegida-Demonstration im neuen Jahr den Weg nach Dresden gefunden haben. Was dabei auffiel: Es waren sehr viele Auswärtige dabei. Vor allem kenntlich an den mitgeführten Fahnen. Zeitweise entwickelte sich eine Art Sport, vor Beginn der Abendspaziergangs die Fahnen zu entschlüsseln. Was bei Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Greifswald und Hamburg noch vergleichsweise leicht war, gelang bei der Fahne Perus nur durch Nachfragen beim Träger.
Hörte man sich in der Menge um, wurde deutlich dass es gerade die Neujahrsrede von Angela Merkel war, die das Bedürfnis vieler Menschen auslöste, sich diese Sache mal selbst und aus der Nähe anzusehen.
„Ich mache mir grundsätzlich mein eigenes Bild“, sagte beispielsweise ein älterer Herr aus dem erzgebirgischen Eibenstock. „Den Medien glaube ich schon lange nicht mehr.“ Aus Königs-Wusterhausen bei Berlin war eine Truppe von fünf Brandenburgern angereist, die gleichfalls das erste Mal in Dresden waren. „Wir müssen morgen früh um fünf wieder raus“, sagte ein 48-Jähriger, der bei einem großen Energieversorger in Brandenburg arbeitet. Passend dazu das Plakat eines Demonstranten mit der Losung: „Keine Zeit für Dschihad – Wir müssen arbeiten“. Auch von vollen Bussen mit Pegida-Fahrern aus Nürnberg und München war zu hören. Als der Demonstrationszug das Dynamostadion passierte, spiegelte sich der Zug in der gewölbten Glass-Fassade. „Guck mal, sieht aus wie der Fürstenzug“, sagte ein Einheimischer. Auffällig war die Vielzahl der mitgeführten Transparente und Losungen. In der Bauart von einem Stück beschrifteter Pappe bis zum professionell gestalteten Transparent.
Der umstrittene Pegida-Chef Lutz Bachmann war diesmal nicht zu sehen. Dafür sprach Kathrin Oertel aus dem Zwölfer-Team, das diese Umzüge organisiert. Sie wandte sich direkt an Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU). Da man in der Regierung nicht mit den Organisatoren reden wolle, dafür aber mit dem Volk, das offensichtlich Sorgen habe, könne Herr Tillich hier vor diesem Volk in freier Rede sprechen, so Oertel unter dem Beifall der Menge. Man werde mit der Staatskanzlei zeitnah einen Termin vereinbaren, sagte sie weiter. Neben dem als „der kleine Franzose“ aus Leipzig bekannten weiteren Redner, trat erstmals hier auch der ehemalige FAZ-Journalist Udo Ulfkotte auf. Er wurde im letzten Jahr bekannt durch sein Buch „Gekaufte Journalisten“. „Wir sind Patrioten und keine Idioten“, rief er den Versammelten zu, was mit großem Beifall quittiert wurde. Die Route des Spaziergangs verlief diesmal am Dynamostadion vorbei, passierte das Deutsche Hygiene-Museum, um dann wieder an der Cockerwiese zu enden. Kritisiert wurde, dass diese Route weitestgehend durch dunkle, abgelegene Straßen führte. Man habe das erkannt, hieß es abschließend von den Organisatoren. Beim nächsten Mal gehe es wieder in die Innenstadt. Doch man habe sich in Abstimmung mit der Polizei diesmal so entschieden, um nicht in die Nähe der Gegendemonstranten zu kommen und so unnötige Konflikte zu schüren. In Dresden sind die Kräfteverhältnisse umgekehrt zu den anderen Demonstrationsorten im Bundesgebiet. Hier hat Pegida das zahlenmäßig größte Potential. „Wir wollen keinen Anlass liefern, dass diese Veranstaltung verboten wird“, hieß es von den Organisatoren. Die vorsichtige Zurückhaltung erhält Nahrung durch einen Vorgang vom 22. Dezember. Bei der letzten großen Demonstration im alten Jahr wurde ein 22-jähriger Pegida-Demonstrant auf dem Weg zum Hauptbahnhof durch einen Messerstich eines Gegners am Bein verletzt. Tage nach diesem Vorfall habe sich eine Gruppe Migranten bei der Polizei gemeldet und wollte Anzeige erstatten. Über einhundert vermummte Pegida-Anhänger hätten diese Gruppe von Migranten in das Kaufhaus Centrum-Galerie gejagt und dort auch das Haus verwüstet. Die Polizei widerspricht dieser Darstellung in allen offiziellen Stellungnahmen in den regionalen Presse. Die Verletzung, die Rede war von einem blauen Fleck, den eine Anzeigeerstatterin bei der Polizei vorwies, hätte sie sich auch selbst beibringen können, wird über die Reaktion der Polizei berichtet. Auch der Sicherheitsdienst des Kaufhauses kann die behaupteten Vorgänge nicht bestätigen, heißt es in der örtlichen Presse. Es habe keine Schäden im Innenbereich gegeben, lediglich vor dem Haus sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen. Diese Darstellung deckt sich mit den Polizeiangaben.
Am Mittwoch ist das Pegida-Organisationsteam zu Gast bei der Landtagsfraktion der Alternative für Deutschland in Sachsen. Hier wird es von Fraktionschefin Dr. Frauke Petry, dem AfD-Generalsekretär für Sachsen, Uwe Wurlitzer, und den weiteren 12 Abgeordneten der neuen Partei empfangen.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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