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Geschichten aus der Elbaue

Irrenhaus Sachsen

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Der Hitler-Ulk war das Aus für Bachmann an der Spitze von Pegida. Foto: Bild/Screenshot

Versetzen wir uns mal gedanklich ein Jahr zurück. Was war an diesem 24. Januar 2014? Ich weiß es nicht mehr. Sie? Das ist 2015 ganz anders. In Sachsen würde sich inzwischen wieder ein 12-Uhr-Blatt oder eine Abendausgabe der Zeitung lohnen, wenn es das Internet nicht gäbe. Frank Richter von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung brauchte dieser Tage alleine fast eine halbe Stunde, nur um die Ereignisse der letzten sieben Tage zusammenzufassen. Im Irrenhaus hört der Irrwitz niemals auf, sagte mal ein Komiker. So geht es derzeit im Freistaat zu. Dabei ist vieles eigentlich nicht zum Lachen.
Während die Messestadt Leipzig am Mittwoch des Ansturms von medial angekündigten 100 000 Protestanten jeglicher Glaubensrichtung harrte, der Polizeipräsident der Messestadt die Zugbrücken zum Stadtzentrum hochzog und alle Zinnen besetzte, titelte das Boulevard mit einem Hitlerkonterfei von Lutz Bachmann. Der Facebook-Ulk vom September 2014 zu dem Buch „Er ist wieder da“ hatte auf noch ungeklärten Wegen zur Boulevardpresse gefunden. Die wäre nicht sie selbst, wenn sie so etwas nicht auf den Titel heben würde. Dann trat das Foto seinen Weg ins Ausland an. Deutschland hat einen neuen Führer. Hape Kerkeling lässt grüßen. Wenn man darüber noch lachen konnte, waren Bachmanns gleichfalls offenbar gewordene Verbalinjurien gegen Ausländer nur mit seinem Rücktritt vom Pegida-Vorstand zu mildern. Doch noch während im virtuellen Pegidalager darüber gesonnen wurde, ob diese Geschichte der Sache schadet, entfalteten zwei andere Facebookpostings ihre verzögerte Sprengkraft. Der eine beschäftigte sich mit den Erfahrungen einer Bürgermeisterin im kleinen sächsischen Örtchen Radeburg. Heinrich Zille ist hier geboren. Bekannt wurde er durch seine Zeichnungen aus dem „Milljöh“ der Reichshauptstadt, in die es ihn gezogen hatte. In dem Bericht ging es um Libyer, die man getreu der neuen Unterbringungsdoktrin dezentral mitten in einen biederen Provinzplattenbau gesteckt hatte. Das Sozialexperiment endete mit eingeschlagenen Scheiben, Wasserschaden in der Wohnung darunter und aus der Verankerung gerissenen Heizkörpern. Die Bundespolizei regelte den Rest.
Der andere Post war schwerwiegender. Darin ging es um den jungen Mann aus Eritrea, der tot in Dresden vor einem Neubaublock gefunden wurde. Es hieß, die Polizei habe einen Tatverdächtigen aus dem Umfeld des Getöteten festgenommen, soll aber auf Geheiß von oben die Sache aussitzen, weil man die Anti-Pegida-Stimmung noch etwas ausnützen wolle. Die Polizei dementierte umgehend.

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Plakat zu der Demo für den getöteten Asylbewerber.

Doch die Hunde waren geweckt. Jetzt ließ die Boulevardpresse nicht mehr locker, was dazu führte, dass in den Nachmittag des 22. Januar die Meldung über die Sender platzte, dass ein Mitbewohner des Getöteten die Tat gestanden habe. Es war wie ein unhörbarer Aufschrei, der durch die Öffentlichkeit ging. Auf Facebook war nur Minuten später die Hölle los. Und die Boulevardpresse legte noch nach. Nicht nur, dass es bereits eine Demonstration „gegen Rechts“ gegeben hatte und in Leipzig Schmierereien zu lesen waren, mit denen Rache für Kahled, so der Vorname des Opfers, angekündigt wurde. Auch Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz war gemeinsam mit Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping ohne die Ermittlungen abzuwarten in die Wohnung des Afrikaners geeilt, um den Mitbewohnern ihre Solidarität zu zeigen. Dabei hatte sie wahrscheinlich auch dem Mörder die Hand geschüttelt. Der soll laut Morgenpost sogar ein Bild seines Opfers zu der Demonstration für den Ermordeten getragen haben. Der Tagesschau und anderen sagte er in die Kamera: „Wir haben Angst.“ So schreibt es die Morgenpost. Aus der linken Szene hieß es dazu, man habe lieber mal falsch gegen rechts demonstriert, als nachher gar nichts gemacht zu haben.
Was erwidern erfahrene Ärzte auf das alles? Sachsen hat immerhin zwei große psychiatrische Landeskrankenhäuser. Aber Hilfe ist selbst hier nur bedingt zu erwarten. Denn in einem praktizierte mal ein gewisser Oberarzt Dr. Dr. Bartholdy. Zumindest solange, bis eine Schwester den ehemaligen Postboten Gerd Postel erkannte. Er würde gut ins Team passen.
Um den Zirkus maximus in Dresden jetzt komplett zu machen, haben sich für den kommenden Montag Musikgrößen wie BAP und Herbert Grönemeyer zu einer „spontanen“ Gegendemo gegen Pegida angekündigt. Passend wäre: Es würden sich alle im Zirkus Sarrasani treffen. Bachmann in Hitleraufmachung, Grönemeyer in Marinemontur aus dem Film „Das Boot“, wo er einen Kriegsberichter spielte, und Integrationsministerin Köpping als Pippi Langstrumpf, die ihren Vater verleugnet, weil man nicht mehr Neger sagen darf. Und dann würden alle schweigen. Das wäre zu schön. Aber leider unrealistisch.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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