castor fiber albicus

Geschichten aus der Elbaue

Pegida gibt es jetzt auch light

Hinterlasse einen Kommentar

Wie alle Sachen, die aufputschen und dick machen (zumindest den Hals mancher Konsumenten) gibt es jetzt auch von Pegida die Light-Version. Ohne schädlichen Zucker, will heißen Bachmann-Hitler und Co. Dafür jetzt mit Aspartam, also CDU. Dass das Ganze in dieser Groteske endet, hätte wohl kaum jemand noch Anfang Januar geglaubt. Wenn es stimmt, dass die Entscheidung tragender Pegidaakteure, das Orga-Team zu verlassen, tatsächlich nach dem Gespräch mit Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) gefallen ist, dann hat dieser sein politisches Meisterstück abgeliefert. Das müssen alle anderen Akteure an der Pegida-Front neidvoll anerkennen. Dem eher als blasser Bürokrat wahrgenommenem Minister ist es tatsächlich gelungen, das Ungeheuer Pegida zu fangen. Und zu domestizieren. Denn anders kann man es nicht nennen, wenn Pegida-Spitzenfrau Kathrin Oertel jetzt erklärt, dass sie einen eigenen Verein aufmachen will, der sich vorrangig mit direkter Demokratie beschäftigen will. Das Ganze eng angelehnt an die CDU. Keiner weiß, wie es der Minister angestellt hat. Aber offensichtlich hat er die richtigen Worte gefunden. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass jetzt wieder Ruhe in Sachsens Landeshauptstadt einkehrt. Denn wenn Lutz Bachmann jetzt doch wieder den anderen Pegida-Ableger anführen will, dürften sich nur wenige davon angezogen fühlen. Dazu waren seine bekannt gewordenen Facebook-Postings zu anstößig. Außerdem wird dieser Ableger jetzt medial als deutlich rechtslastiger eingestuft, was zusätzlich abstoßen dürfte. Es war ja gerade der Umstand, dass die Pegida-Akteure keinen NPD oder sonst irgendwie rechtsradikalen Hintergrund hatten, der viele mitlaufen ließ. Bachmanns kriminelle Vergangenheit wurde verziehen, da es genug Beispiele aus der Politik gäbe, wo ebenfalls gegen die Regeln verstoßen wurde. So die oft gehörte Redensart bei den Pegida-Spaziergängen.
Man braucht allerdings auch nicht groß im Kaffeesatz zu lesen, wenn man die Zukunftsaussichten des nun als gemäßigt geltenden Flügels der Pegida vorhersagen will. Wenn die Leute mehr CDU hätten haben wollen, dann wären sie nicht zu Pegida gegangen. Ganz einfach. Dann hätten sie schon im Dezember einfach die Postenkette der Polizei passieren und sich vor die Bühne stellen können, auf der Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sprach. Und wie viele Leute das Thema „Direkte Demokratie“ hinterm Ofen vorlockt, konnte man vergangenen Donnerstag in der Dresdner Dreikönigskirche sehen. Dort sprach Professor Peter Neumann vom „Deutschen Institut für Sachunmittelbare Demokratie an der Technischen Universität Dresden“ über eben jenes Thema. Vor einem halb gefüllten Saal. Das Publikum mehrheitlich grau behaart. Vordergründige Erkenntnis: Dresden hat also auch hier neben Patzelt und Donsbach genug Sachverstand in den eigenen Mauern. Der Professor sprach eine gute Stunde über Personalplebiszite, Sachplebiszite, deren Unterscheidung in verbindliche und unverbindliche. Weiter über die Unterschiede zwischen Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksabstimmungen. Deutschland habe hohe Hürden für Plebiszite und setze fast ausschließlich auf die repräsentative Demokratie, also die Wahl von Volksvertretern, die dann für das Volk entscheiden. Dass das offenbar nicht immer so wie gedacht funktioniere, dafür sei Pegida ein Symptom. Dennoch dürfe die Straße nicht die Themen setzen und das System aushebeln.
Aber man hätte es insgesamt auch kürzer machen können, wie sich in der Fragerunde zeigte. Man diskutiere das Thema seit 60 Jahren, so Professor Neumann. Will heißen: Wäre das Thema ein Mensch, hätte er seine besten Jahre hinter sich und denke über die Rente mit 63 nach. Der gemäßigte Pegida-Flügel kann da nur noch als Altenpfleger tätig werden. Bei allem, was man so hört aus der Branche eine eher wenig attraktive Aussicht.

Advertisements

Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s