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Geschichten aus der Elbaue

Und noch ne´ Studie

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Eine Studentin aus dem Befragungsteam von Professor Patzelt bei der Veranstaltung am 25. Januar. Foto: leo

Der typische Pegida-Gänger ist männlich, 46 Jahre alt, vergleichsweise solide gebildet und verfügt über ein auskömmliches Einkommen. Viele kämen aus dem Dresdner Umland. 40 Prozent der Befragten waren schon „89 dabei“. Gut zwei Drittel der Befragten wären „empörte Gutwillige“ beziehungsweise „besorgte Gutwillige“. Ein Drittel der Befragten neige zu „rechtsnationaler Xenophobie“. Bei den Pegidagängern gäbe es zudem eine große Präferenz für die AfD. Das haben Dresdner Politikstudenten um ihren Professor Werner Patzelt zum Thema Pegida herausgefunden. Damit schließe man sich inhaltlich an die Studien von Vorländer, Rucht und Walter zum gleichen Komplex an. Um diese Ergebnisse herauszuarbeiten, hatten sich die Studenten bei zahlreichen Veranstaltungen unters Volk gemischt und arbeiteten hier mit einem Fragebogen. Methodisch habe man sich bei diesem Vorgehen „an die Decke strecken müssen“, sagte Patzelt. Dennoch sei er sicher, dass die Ergebnisse denen mit einer standardisierten Stichprobe sehr nahe kommen würden. Bei der Vorstellung dieser eher nicht (mehr) überraschenden Ergebnisse wurde aber deutlich, dass sich gerade an der Person Patzelt vieles festmacht. So nahm den größeren Teil der Fragerunde Patzelts Rolle selbst bei dem Phänomen Pegida ein. Kritiker aus der Studentenschaft, dem eigenen Kollegium und aus den Reihen der zahlreichen Gegendemonstranten werfen Patzelt vor, aus seiner Rolle als beobachtender Wissenschaftler herausgetreten und zum Akteur geworden zu sein. Landläufig wurde er als der prominenteste Pegidaversteher wahrgenommen.

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Politikwissenschaftler Werner Patzelt als Beobachter am Rande einer Veranstaltung von Pegida. Dabei ließ er sich auch unverkrampft ansprechen. Foto: leo

Patzelt wies diesen Vorwurf, der in unterschiedlichen Formulierungen geäußert wurde, zurück. Er sehe sich als den „öffentlichen Intellektuellen“ in dieser Sache. Er habe bei vier Pegidaveranstaltungen als Beobachter teilgenommen. Politikwissenschaft wie er sie verstehe, sei nichts für den Elfenbeinturm. Bei diesen Veranstaltungen sei er natürlich von vielen Leuten angesprochen worden. Diese hätten ihn im Fernsehen gesehen und seine Sicht der Dinge positiv wahrgenommen. Gerade die Politikwissenschaft betrachte die Dinge nicht nach Art der „res gestae“, also der gewesenen Dinge, sondern als „res gerandi“, der zu tuenden Dinge. Und darin lasse er sich auch nicht beirren. Folgerichtig formulieren die Autoren der Studie dann auch Handlungsvorschläge für die Politik. Vor allem gelte es jetzt verbal, emotional und symbolisch abzurüsten. Denn der Protest habe sich zu einem nicht unwesentlichen Teil auch deshalb hochgeschaukelt, weil viele Menschen mit dem Umgang von Politik und Medien mit dem Phänomen Pegida nicht einverstanden waren. Der zweite Vorschlag lautet, Pegida zur Formulierung politischer Ziele zu veranlassen, um zwischen Moderaten und Radikalen zu spalten. Das sei schon erfolgt. Jetzt gehe es darum, in eine sachliche und redliche Diskussion mit den gutwilligen Pegida-Demonstranten einzutreten. Dabei gehe es darum, die Hauptkritikpunkte an der Einwanderungs- und Integrationspolitik „korrekt zu erkennen und nachhaltig zu lösen“. Und einen Konsens für den Wandel zu einer Einwanderungsgesellschaft zu schaffen. Als Letztes gaben die Autoren der Studie allen Beteiligten mit auf den Weg, Zivilcourage gegen jede Form der Aggressivität, Einschüchterung und Ausgrenzung zu zeigen – außer von Extremisten aller Art.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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