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Geschichten aus der Elbaue

Die Geschichte vom Martin und der bösen Pegida-Schlange

Ein Kommentar

Diese Woche wollte der Martin, was der sächsische SPD-Landeschef und zugleich Sachsens Vizeministerpräsident ist, bei seinen Wählern im Wahlkreis Meißen zusammen mit der Daniela von der CDU aus dem gleichen Landtags-Wahlkreis und dem braven Ritter Patzelt vom Unistein ein Gespräch mit seinen Wählern über die böse Pegidaschlange führen. Die treibt schon länger ihr Unwesen in Sachsen. Verdirbt das Volk, führt böse Reden, sorgt für Unruhe weit über die Landesgrenzen h15399155-lustige-karikatur-schlange-vektor-illustrationinaus. Zur Sicherheit sollte die Audienz auf geweihter Erde in der Evangelischen Akademie zu Meißen stattfinden. Alles war arrangiert: Das Volk geladen, die Stühle gerückt, die Herolde stießen ins Horn. Da vermeldeten Späher aus dem Meißner Land, dass sie die blonde Pegidaschlange gesehen hätten. Sie wäre mit Gefolge auf dem Weg in die Stadt. Wolle sich unters Volk mischen, vielleicht sogar mitreden. Jetzt war guter Rat teuer. Knappe Martin hatte nämlich ein Gelübde abgelegt. Er wolle mit den Menschen reden, denen die böse Pegidaschlange ihre Lügen ins Ohr geträufelt hatte. Um sie zu heilen und Pegidas Zauber zu brechen. Aber gleichzeitig hatte er gelobt, nicht mit Pegida selbst zu sprechen. Ob aus Angst vor ihrem Zauber oder weil Königin Mutti aus Berlin in ihrer Silvesterbulle schon den Bann über das Schlangentier gesprochen hatte. Und dann waren erst letzte Woche die Prinzessinnen Manuela und Yasmin zu einer Regionalkonferenz da. Mit denen hatte sich der Martin stolz zusammen auf einer Bühne gezeigt und dabei eine fabelhafte Figur gemacht. Doch danach haben ihm die Beiden bestimmt gesagt: Dass Du ja nicht mit der blonden Pegidaschlange spielst. Oder gar sprichst. So anmutig sie auch ist. Dann haben wir dich nicht mehr lieb und mit Berlin in vielleicht ein paar Jahren ist es Essig. Ja, aber der Siggi?, wandte der Martin ein und meinte damit den so rundlichen wie impulsiven Adoptivsohn von Königin Angela. Der war aus Berlin ausgebüxt und hatte sich unter die Jungs in Pegidas Heerzug gemischt. Mit ihnen gescherzt, gelacht und um Bier gewettet. Kurz, sich prächtig amüsiert. So hatte es dann im Sachsenspiegel gestanden, was im ganzen Königreich für Aufruhr sorgte. „Um den kümmert sich die Mutti“, hatten die beiden Prinzessinnen gesagt und die Lippen ihrer hübschen Münder tadelnd zusammengepresst. Und sie gaben ihm einen lateinischen Satz mit, den er sich vom Ritter Patzelt übersetzen ließ: Quod licet Siggi, non licet Marti.
Als nun das blonde Haar der Pegidaschlange am Horizont aufleuchtete, ließ Martin das schnellste Pferd satteln und gab Fersengeld in Richtung Dresden. Hinter den meterdicken Mauern des Wirtschaftsministeriums ist er vorerst sicher.

232921Hier hatte sich schon sein Vorgänger von der FDP verbarrikadiert, als ihn das Volk nicht mehr mochte. Bei seiner Flucht warfen im Landeskinder am Wegesrand verbale Falläpfel hinterher. In seinem Wahlkampf hätte er jeden an seinem Tisch sitzen lassen und versprochen, sich tapfer für sie einzusetzen. Jetzt kneife er vor dem ersten Untier, das vor der Stadtmauer erscheint. Als die böse Pegidaschlange hörte, dass der Martin Reißaus genommen hat, ringelte sie sich auf dem Grund der Elbe vor der Meißner Burg ein. Ab und an streckt sie mal den Kopf heraus und erzählt den Passanten auf der Burgbrücke etwas von direkter Demokratie, für die sie jetzt durchs Land ziehen werde. Aber so viele wollen das gar nicht hören.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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