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Geschichten aus der Elbaue

AfD floppt in Lucky-Lucke-Town

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Vorläufiges Ergebnis der Hamburgwahl. Quelle: ARD

Mit Spannung wurde nach den Landtagswahlen des vergangenen Herbstes die Hamburgwahl erwartet. Die Wahlbeteiligung spricht schon Bände. Gut der Hälfte geht es am Mors vorbei, was an der Waterkant politisch gespielt wird. Der Blick auf das, was gewählt wurde, zeigt Folgendes: Die Hamburger wollen es genauso haben wie es ist. Denn anders sind 60 Prozent für SPD und Grüne zusammen nicht zu interpretieren. Rechnet man die acht Prozent für die Linken hinzu, ist Hamburg rot wie weiland unter Teddy Thälmann. Natürlich hat alles auf die AfD geschaut. Besonders nach dem Parteitag, an dem Lucky Lucke die Partei hinter sich scharte. Hier, in der Heimat eines der größten Zugpferde der AfD, Hans Olaf Henkel. Aber hier schafft es die Alternative nur hauchknapp in die Bürgerschaft. Die Hamburger beleben lieber die scheintote FDP wieder, womit sich aus Sicht der AfD wenigstens die Diskussion erledigt hat, sie sei eine Art FDP 2.0. Jetzt steht fest: Sie ist nicht mal das. Das bedeutet aber auch, dass es die AfD in Luckes ureigenstem Kerngebiet nicht ansatzweise schafft, eine Kraft zu werden oder gar die bestehenden Verhältnisse zu ändern. Gut, sie vermiest der SPD die absolute Mehrheit. Aber kann das alles sein? Das Debakel kann nicht nur an dem Plakatesturm linker „Putztruppen“ liegen. Nur rund zwei Prozent der Wähler lassen sich von Wahlplakaten beeinflussen, verweist der NDR auf eine entsprechende Studie. Lag es am Osten, der immer noch als eine Art „Schmuddelecke“ gesehen wird, wo neue Parteien schnell nach oben schießen können, weil es keine festen Wählermilieus gibt? Dass das noch immer hanseatisch-hochmütig so gesehen wird, deutete sich an, als ein Afd-Sprecher in der Runde nach der Wahl nur vom Abschneiden der AfD „in den Ostländern“ sprach. Könnten also die Wahlerfolge der ostdeutschen AfD-Verbände in Hamburg eher einen Abwehrreflex ausgelöst haben? Oder war der Spitzenkandidat zu lasch? Optisch erinnert er eher an einen langgedienten Bürovorsteher der Unteren Baubehörde. Im Osten tritt die AfD mit charismatischen Typen wie Gauland, Petry und Höcke auf und sorgt auf jeden Fall für Gesprächsstoff. Kruse ist das ganze Gegenteil. Sein Profil gleicht einem von der Strömung rundgelutschten Flusskiesel am Grund der Elbvertiefung. „Wir wollen zeigen, dass wir eine seriöse Partei sind“, sagte er in der Elefantenrunde beim NDR. Na, das nennt man wohl ambitioniert. Wenn er einer Wählervereinigung mit dem Namen „Friends of Beate Uhse“ vorstehen würde, könnte man es noch verstehen. Aber der „Alternative für Deutschland“? Wenn das alles ist und man so etwas auch noch ernsthaft betonen muss, kann man eigentlich gleich aufhören. Was hat denn die Aussicht auf eine weitere „seriöse“ Partei beim Wähler gebracht? Gerade mal Fünfkommanochwas überm Durst. Andere Parteien hätten ihnen dieses Attribut abgesprochen, greinte Kruse beim NDR. Na und! Seit wann ist es für eine Partei wichtig, was andere sagen? Da sollen sie mal die Linken fragen. Von denen kann man nicht nur die tollsten Sachen behaupten, man kann es sogar belegen. Und braucht dazu gar nicht lange im Archiv zu wühlen. Und? Stört die das? Die machen ein eigenes Profil daraus. Motto: Stasi? Halb so wild. DDR – ein Unrechtsstaat? Niemals. Und wenn wir wiederkommen, wird’s nochmal so schön.
Themen setzen, Probleme ansprechen, Klartext reden – damit gewinnt man Wahlen. Vielleicht sollten die Nordlichter da mal im Osten ein Praktikum machen. Vielleicht sogar bei den Linken, wenn ihnen ihre eigenen Leute zu suspekt sind.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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