castor fiber albicus

Geschichten aus der Elbaue

Lutz – der neue Luther?

Hinterlasse einen Kommentar

image

Lutz Bachmann mit dem Thesenpapier der Pegida vor der Dresdner Kreuzkirche. Quelle: Screenshot/ Pegida.de

Was sich gestern wieder in Sachsens Landeshauptstadt zutrug, stellt das tolerante Dresden auf eine schwere Probe. Niemand anders als Deutschlands derzeit größtes Enfant terrible und Pegida-Kreateur Lutz Bachmann machte sich an der Pforte der Dresdner Kreuzkirche zu schaffen. Er präsentierte das seinen Anhängern in einem Video. Darin ist er zu sehen, wie er zehn Thesen an die Kirchentür klebt. Lutz Bachmann – der neue Luther aus Sachsen? Nun, es ist nicht die Wittenberger Schloßkirche, aber immerhin die Dresdner Kreuzkirche, wo erst neulich noch ein Friedensgebet stattfand, während Pegida draußen lief. Es waren auch keine 95 Thesen, wie vor knapp 500 Jahren in Wittenberg. Die Menschen heute haben weniger Zeit zum Lesen und es gilt, Probleme zu fokussieren, wie es in Managementseminaren oft heißt.
Das zehn Punkte umfassende Thesenpapier ist eine eingedampfte Variante der bisherigen 19 Thesen von Pegida. Entstanden bei einem Treffen mit anderen Pegidaablegern in Deutschland, so Bachmann in dem Video. Die Zielsetzung ist bekannt. Es geht um geregelte Einwanderung, direkte Demokratie, mehr Mittel und Stellen für die Polizei und immer auch noch um die Islamisierung. Dieses Thema habe sich erledigt, wurde dem Fernsehvolk in den letzten Wochen mit wissenschaftlicher Unterstützung nahegebracht. Nicht zuletzt die Spaltung gerade des Dresdner Pegida-Teams hatte deutlich gemacht, dass die Organisatoren wohl selbst nicht mehr an diese Gefahr glauben, vor der sie gewarnt hatten.
Doch es ist das Wochenende, an dem in Kopenhagen ein Islamist an einer Diskussion über Satire und Meinungsfreiheit teilnahm, indem er mit einem Schnellfeuergewehr ins Auditorium schoss. Es ist der Tag, an dem ein Wachmann vor einer Synagoge in Kopenhagen erschossen wird. Und es ist der Tag, an dem der zumindest in Norddeutschland überregional bedeutsame Braunschweiger Karnevalszug in letzter Minute abgesagt wurde. Und nicht, weil es nur eine vage Bombendrohung gegeben habe, wie es schon mal vorkomme, so ein Polizeisprecher, sondern, weil wohl ein ernstzunehmender Informant über ein geplantes Attentat vor laufenden Liveübertragungskameras warnte.
Eingedenk dieser Geschehnisse nur eines Wochenendes betrachten wir noch einmal die letzte Einschätzung der Zukunftsaussichten von Pegida. Hier riesele noch etwas Asche herunter, aber der große Ausbruch sei vorbei, hatte Politikwissenschaftler Werner Patzelt vorhergesagt. Ein schönes Bild. Aber es stimmt nicht zuversichtlicher. Denn Historiker wissen: Pompeij wurde nicht durch Lava vernichtet, sondern unter einer meterdicken Schicht heißer Asche begraben.

Advertisements

Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s