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Geschichten aus der Elbaue

Dresden steht ein Kulturfrühling bevor

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Wunschplakat auf einer der letzten Pegida-Demonstrationen. Foto: privat

Nachdem Pegida-Frontmann Lutz Bachmann ankündigte, dass das Bündnis bei der Dresdner Oberbürgermeisterwahl mit einem eigenen Kandidaten antritt, dürfen sich die Dresdner auf jeden Fall auf einen Kulturfrühling freuen, der so sicherlich nicht geplant war. Denn damit wird es wohl weitere Konzerte mit namhaften Künstlern geben, die in der Stadt auftreten. Man könnte es auch „Rock für den inneren Frieden“ nennen. Den Anfang hatte Roland Kaiser im Januar gemacht, der aber wie oft von der Gegenseite fälschlich behauptet, nicht sang, sondern nur sprach. Danach kamen dann Herbert Grönemeyer und Wolfgang Niedecken. Jetzt ist die Rede davon, dass wohl Udo Lindenberg auf dem Theaterplatz spielen soll. Und das alles für lau. Felix Saxonia. Auf Facebook kursieren schon diverse Wunschlisten, welche Künstler sich die Dresdner noch so wünschen. Von den Rolling Stones, AC/DC und Metallica ist da die Rede. Helene Fischer steht wohl auch hoch im Kurs.
Sehnsucht nach einem Gegenkonzert mit Künstlern, die ihr Handwerk verstehen, kam auf jeden Fall beim letzten Pegidatreffen am Montag auf. Dort sang zum Abschluss der Liedermacher Friedrich Baunack und es war eine eher schräge Darbietung, um es höflich auszudrücken. Zuvor hatte er eine Rede gehalten, die man böswillig als schwülstige Deutschtümelei und bei wohlwollender Betrachtung als gefühlige Ode an das deutsche Wesen bezeichnen könnte. Der Kern liegt wohl irgendwo in der Mitte.
Obwohl der Abschluss eher zum Schmunzeln anregte, darf nicht übersehen werden, dass Pegida mitnichten am Ende ist, wie es von vielen bereits herbeigedeutet wird. Am Montag kamen deutlich mehr als in der Woche zuvor. Und das war die Woche, als Lutz Bachmann erstmals nach seinem Rücktritt im Januar wieder zum Mikrofon gegriffen hatte. Diesen Montag waren nach Angaben des Veranstalters rund 10 000 Menschen auf dem Neumarkt erschienen. Im Internet kursierte sogar die Zahl von 17 000. Mit den zehn Dresdner Thesen, die alle Pegidaableger erarbeitet haben und die in der Tradition Martin Luthers öffentlichkeitswirksam an verschiedene Kirchentüren in Deutschland angeschlagen wurden, hat das Bündnis auch inhaltlich wieder Fahrt aufgenommen. Für Dresden speziell dürfte die Ankündigung, bei der OB-Wahl mitzumischen, für Bewegung und Motivation bei der Anhängerschaft sorgen. Einziger Verlierer in dem Spiel könnte Sachsens derzeitiger Innenminister und OB-Kandidat Markus Ulbig sein. Zwar liegt für ihn der Ball günstig auf dem Elf-Meter-Punkt, weil er das Rathaus von der beliebten Helma Orosz aus der gleichen Partei übernimmt, aber mit der Kandidatur von Eva-Maria Stange (SPD) schmälern sich Ulbigs Aussichten merklich. Die frühere GEW-Gewerkschafterin Stange und jetzige Wissenschaftsministerin kann auf das starke rot-grüne Lager in der Stadt zählen, das auch schon den Stadtrat dominiert. Mit dem Antreten von Pegida dürften eher noch Stimmen aus dem bürgerlichen Lager abwandern und Protestwähler animiert werden. Diese würden der CDU am Ende fehlen. Von den Unterschieden der Persönlichkeiten Ulbig und Stange ganz zu schweigen. Am Ende könnte hier Pegida sogar dafür sorgen, dass Dresden mit ziemlicher Sicherheit an die SPD fällt. Damit wären dann alle drei ehemaligen Bezirksstädte in Sachsen SPD-regiert. Dann sitzt zwar Stanislaw Tillich immer noch in dem klotzigen Gebäude am rechten Elbufer mit der goldenen Krone auf dem Dach. Aber sein Blick fiele auf Ländereien, die für seine Partei verloren sind. Für die CDU eine schmerzliche Aussicht. Nicht zuletzt deshalb werden die Dresdner bis zum Juni noch viele Umarmungsversuche erleben. Wer weiß, vielleicht klappt das ja doch noch mit den Rolling Stones?

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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