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Geschichten aus der Elbaue

In Perba hat das Warten ein Ende

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Mit Brot und Salz wurden die acht neuen Familien in Perba begrüßt. Foto: leo

Am Dienstag war es nun also soweit in Perba. Die Asylbewerber kommen, hieß es am Nachmittag. Es waren nicht die befürchteten 50 alleinreisenden Männer aus Tunesien, aber auch nicht die gewünschten Kriegsflüchtlinge aus Syrien. Acht Familien aus dem Kosovo stiegen aus dem Bus, der in der vorrübergehenden Erstaufnahmestelle Meißen gestartet war. Menschen also, die aufgrund ihrer geografischen Herkunft so gut wie keinen Anspruch auf Asyl haben. In allen Medien ist derzeit die Rede von der „Völkerwanderung“ vom Balkan. Trotzdem zeigte sich Perba von seiner freundlichen Seite und empfing die Neuankömmlinge mit Brot und Salz. Es herrscht keine feindliche Stimmung im Dorf. Eher Neugier. Man ist gespannt, wer da kommt. Es ist ja wirklich nicht viel los hier in diesem Zipfel zwischen Nossen und Lommatzsch. Ein Anwohner erzählt, dass er einen Bekannten gefragt habe, der ein Geschäft in der Nähe des Zeithainer Flüchtlingslagers betreibe. „Dort ist Ruhe, keine Probleme“, gibt er wieder, was er gehört hat. Mit dem Einzug der Asylsuchenden hat nun zumindest das Warten seit November ein Ende, wer nun kommt. Denn im Spätherbst wurden die Perbaer zum ersten Mal damit konfrontiert, dass in einen alten DDR-Block Asylbewerber einziehen. Auf einer Bürgerversammlung ging es hoch her. Man könne doch nicht in einen so kleinen Ort mitten im Nirgendwo und mit 170 „Ureinwohnern“ nochmal 50 Fremde einquartieren, war der Hauptvorwurf der Bewohner an die örtliche Politik. Der Fall zog Kreise, überregionale Medien berichteten. Sogar Sigmar Gabriel, SPD-Chef und Vizekanzler, war der Fall geläufig. Bei seinem viel beachteten Spontanbesuch anlässlich einer Pegida-Diskussionsveranstaltung im Januar in Dresden bezeichnete er den Fall Perba sogar als „Skandal“. Im Örtchen selbst hat sich eine Initiative gegründet, die helfen
will, Vorurteile abzubauen und die neuen Mitbürger so gut wie möglich zu integrieren. Für Anfang März ist ein Kennenlernnachmittag in einer Wirtschaft geplant. Da viele kleine Kinder unter den Asylsuchenden sind, bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte.
Man kann nur mutmaßen, ob die Diskussionen im Vorfeld zu einer Vorauswahl von Familien für Perba geführt haben. Landrat Steinbach nimmt man immerhin ab, dass er sich der Asyl-Problematik stellt, obwohl er keinen Einfluss auf Ursachen und Verlauf hat. Noch im Herbst hatte er die Gemüter zusätzlich gereizt, als er einem CDU-Kollegen, wahrscheinlich halb im Scherz, drohte, ihm „nochmal 50“ zu schicken, wenn er nicht Ruhe gäbe. Ruhig ist es in Perba. Allerdings droht Unruhe in Meißen. Hier hat die NPD eine Demonstration zum Thema Asyl angemeldet.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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