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Geschichten aus der Elbaue

Bürgermeister: „Wir wollen kein Multikultidorf werden“

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Auch Niederau muss jetzt Asylbewerber aufnehmen, hat aber keine kommunalen Gebäude. Wenn sich keine privaten Anbieter finden, müssen Stellplätze für Container her. Foto: leo

Das Thema Asyl hat nun auch das beschauliche Niederau erreicht. Doch die Richtung, die Bürgermeister Steffen Sang in dieser Frage vorgibt, lässt nichts an Deutlichkeit zu vermissen übrig. „Wir wollen kein Multikultidorf werden. Wir sind ein sächsisches Dorf und wollen das auch bleiben“, sagte das Gemeindeoberhaupt als es um Tagesordnungspunkt sechs der turnusmäßigen Gemeinderatssitzung, die Unterbringung von Asylbewerbern, ging. Auch in Niederau soll wie bereits andernorts übliche Praxis ein Unterstützer- und Betreuerkreis gegründet werden. Er habe sich aber gegen den Titel „Buntes Niederau“ ausgesprochen, so der Bürgermeister. Diese Bezeichnung sei für ihn „verbrannt“, nach all dem was in diesem Zusammenhang bereits an Negativem bekannt sei. Dass Niederau jetzt auch mit der Asylproblematik konfrontiert werde, sei Ausdruck der Fehlentwicklung, nach der nichtberechtigte Asylbewerber nicht abgeschoben würden und damit die Plätze für die wirklich Verfolgten fehlten. Dennoch wolle man sich dem Thema stellen. Und zwar offen und ehrlich gegenüber den Bürgern. Man wolle es nicht so machen wie in einer anderen Gemeinde, wo man das heikle Thema lieber im nichtöffentlichen Teil der Sitzungen diskutiere und da auch nur überlege, wie man es der Bevölkerung möglichst schonend beibringt. „Den Kopf in den Sand stecken, bringt nichts“, so Sang. Konkret geht es darum, dass Niederau in nächster Zeit 39 Asylsuchende aufnehmen soll. Ursprünglich waren es 16, aber durch die rapide steigenden Zahlen, vor allem von Menschen aus dem Kosovo, habe sich dem Verteilerschlüssel entsprechend auch die Zahl für Niederau geändert. Natürlich ohne Bestandsgarantie, eher mit Tendenz nach oben. Nun habe Niederau aber nicht ein einziges kommunales Gebäude, das man dafür nutzen könne, so Sang. Die Schulturnhalle stehe außer Frage, weil die für den Schulsport gebraucht werde. Das Hauptargument, das wohl viele eher im Stillen mitdachten, wird sein, dass man es sich nicht mit Grundschuldirektor Adam verderben will. Dem Sportfanatiker die Turnhalle zu nehmen, hieße Krieg zwischen Schule und Gemeindeamt heraufbeschwören. Die andere Säule der Gemeinde, die Kirche, vertreten von Pfarrer Fischer, habe sich bisher eher weggeduckt und wohl auch gehofft, dass der Kelch an der Gemeinde vorübergehen werde. Deshalb werde man jetzt private Vermieter fragen, ob sie Asylbewerber aufnehmen könnten. Der Landkreis zahle dabei 4,50 Euro je Quadratmeter kalt zuzüglich der Nebenkosten. Mit inbegriffen sei die wahrscheinlich nötige Sanierung nach der Nutzung. Was geschehe aber, wenn sich niemand findet?, wollte Gemeinderat Mario Besser wissen und stellte diese Frage stellvertretend für viele Niederauer. Dann müsse die Gemeinde gemäß ihrer Mitwirkungspflicht wenigstens eine Stellfläche für Containerbauten ausweisen, sagte Sang. Allerdings sei die Containerlösung auch nicht so schnell zu bewerkstelligen, weil die einschlägigen Hersteller sich derzeit nicht nur eine goldene Nase verdienten, sondern entsprechende Wartezeiten hätten. Von bis zu einem halben Jahr war die Rede. Hilfreich wäre es eben, wenn die Asylverfahren gestrafft und einschließlich Abschiebungen auch umgesetzt würden. Denn die anhaltende Flut von Antragstellern führe auch dazu, dass die Solidarität unter den Nachbargemeinden zu bröckeln beginne. So recht scheint also in Niederau keine Lösung für dieses Problem in Sicht. Es sei denn, man ginge auf den Vorschlag von Gemeinderat Steffen Herrich ein, der sagte: Wenn jeder, der in Dresden bei der Gegendemo steht (womit er sicher Pegida meinte), einen mit nach Hause nimmt, ist das Problem gelöst. Aber auch danach sieht es derzeit nicht aus.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

2 Kommentare zu “Bürgermeister: „Wir wollen kein Multikultidorf werden“

  1. Gibt es echt noch Politiker die einen Arsch in der Hose haben. Ich hoffe das hier endlich mal eine Initialzündung für diejenigen losgeht die genauso denken, aber bisher nicht den Mut hatten es auch auszusprechen.

  2. Dem kann ich mich nur anschließen. Nur Mut, es kann so nicht weiter gehen.

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