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Geschichten aus der Elbaue

Tatjana heißt die neue Miss Pegida

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Tatjana Festerling ist die neue Frontfrau bei Pegida. Foto: privat

Bei Pegida zieht wieder Frauenpower ein. Nach der Spaltung der Vereinigung und dem Weggang der bisherigen Miss Pegida, Kathrin Oertel, übernimmt die Hamburgerin Tatjana Festerling nun den weiblichen Teil im Führungsduo mit Lutz Bachmann. War Kathrin Oertel weniger aufgrund ihrer ausbaufähigen Redekunst, sondern eher wegen ihrer blonden Löwenmähne ein Hingucker, ist es die Frau von der Waterkant vor allem aufgrund ihrer rhetorischen Fähigkeiten. Ihr gelingt, was nur wenigen gegeben ist: Sie erreicht mit ihrer Wortwahl und der Art zu sprechen die emotionale Seite der Zuhörer. Großkundgebungen sind keine gelehrten Disputationen, in denen wohl abgewogene Argumente ausgetauscht werden. Hier wird gepfiffen, gelacht, geklatscht und nicht jeder bekommt alles mit, was nicht immer nur an den Ohren liegt. Entsprechend schwer ist es, die Mitte zwischen intellektuellem Anspruch und volkstümlicher Ansprache zu treffen. Gerade im Kontrast zu anderen Rednern, die sich penibel vorbreiten, ihr Publikum aber dann mit zu langen oder zu detailreichen Reden langweilen, kommt es darauf an, Botschaften prägnant und trotzdem gehaltvoll rüberzubringen. Tatjana Festerling trifft hier genau ins Schwarze. Gekonnt baut sie Zitate aus der Tagespresse oder anderen Medien in ihre Reden ein, um dann pointiert zu kontern. So auch am Montag in Dresden, wo sich Pegida erstmals auf dem Altmarkt versammelte. Noch während die letzte Redesequenz mit Lachen oder Beifall quittiert wurde, reckten viele die Köpfe, um keinen Satz der Frau aus dem inzwischen berühmten kleinen Verkaufsanhänger zu verpassen. Vielleicht liegt es daran, dass Tatjana Festerling aus der Heimatstadt von „Schmidt Schnauze“ kommt. Ihre Rede hatte jedenfalls das Zeug zum politischen Aschermittwoch. Wenn der nicht in Dresden ohnehin schon jeden Montag stattfinden würde. So ging sie auf den neuesten Medienhype unter der Rubrik Asylirrsinn ein, der gerade in den sozialen Netzwerken nachbrennt. Ein bayerischer Pfarrer in Rente hatte auf einer Diskussionsveranstaltung ernsthaft erörtert, wie man den sexuellen Druck der vielen jungen, männlichen Flüchtlinge lindern könne. Ihm schwebten da Spenden für den Besuch in Bordellen vor. „Freies Vögeln für Asylbewerber, jetzt wissen wir wie das Schlaraffenland aussieht“, rief Tatjana Festerling den Dresdnern zu. „Ich denke, das sind alles traumatisierte Familien mit Kindern“, fuhr sie fort. Jetzt seien es doch junge Männern, die Probleme machten. Einen Vorgeschmack habe man schon in Meißen bekommen. „Und der Pfaffe spendiert eine Runde Nutten“, sagte sie unter dem aufbrandenden Gelächter der über 10000 Teilnehmer. Mit dem Stichwort Meißen spielte sie auf einen Vorgang vom Sonnabend in der Stadt des berühmten Porzellans an. Da waren allen bisherigen Erkenntnissen zur Folge junge Ausländer in einer Disko erst anzüglich und dann handgreiflich gegenüber einheimischen jungen Frauen geworden. Das Ganze endet vor der Tür des Etablissements, wobei Gullydeckel, Messer und Glasscherben eine Rolle gespielt haben sollen. Die ausländischen Jugendlichen sind derzeit noch in der Mehrzweckhalle der Sächsischen Verwaltungsfachschule untergebracht und sollen noch diese Woche mitten in den Tharandter Wald, nach Grillenburg, verlegt werden.
Auch auf die sich inzwischen häufenden Dialogangebote der Politik ging Festerling ein. Sie geißelte das Vorgehen der Grünen, die zuvor Regeln für diesen Dialog aufgestellt hatten. So müssten, wenn es um das Thema Asyl geht, auch alle Migranten, Flüchtlinge und nicht zuletzt die Muslime ihre Forderungen gleichberechtigt vortragen dürfen. „Ganz sicher nicht“, sagte Festerling mit Betonung. „Es sind zuerst wir Bürger und Steuerzahler, die über unseren Sozialstaat entscheiden.“ Im zweiten Teil ihrer Rede, nach dem obligatorischen Abendspaziergang, malte sie dann genüsslich an einer Dystopie, wie Deutschland aussähe, wenn die Grünen und Linken in einem westdeutschen Rumpfstaat unter sich blieben und dort all ihre Träume nach dem Motto „No border, no nation“ ausleben könnten. Im Ostteil verblieben die Menschen, die für die Traditionen dieses Landes stünden, welche sich auf Fleiß, Ehrlichkeit, Anstand und auch Romantik gründeten. Auch dabei wurde viel gelacht und geklatscht, wobei sich viele Ostdeutsche bei dem Gedanken, wieder eine Mauer durch Deutschland zu ziehen, wohl eher schwer getan haben dürften.
Beim kurzen Rundgang selbst, war es diesmal ein kleines Häuflein Linker, die dem schon durch Routine etwas reizarm gewordenen Spaziergang plötzlich wieder Spannung verliehen. An der Stelle des Mc Donalds Restaurants kamen sich beide Lager so nahe, dass wechselseitig Verbalnoten ausgetauscht werden konnten. Riefen die einen „Faules Pack“, kam von der Gegenseite der Spruch mit dem „Kotzen satt“. Die Choreografie störte in diesem Moment ein Transporter der Firma TNT, sodass der „Gesang“ von links abprallte und auf die Urheber zurückgeworfen wurde. Der unfreiwillig komische Auftritt des Kleintransportes löste im Pegidalager Heiterkeit aus und vertrieb die Zeit, die man auf der Stelle stehen musste, weil die Strecke kurzzeitig blockiert war. Andere Wortwechsel hatten religiöse Dinge zum Inhalt. Der gesungenen Prophezeiung „Eure Kinder küssen den Koran“, setzte ein Pegida-Anhänger den Aufruf entgegen: „Mach dich in die Koranschule“. Insofern heißt es im Front-, pardon, Polizeibericht folgerichtig: In Dresden nichts Neues. Die letzten Teilnehmerzahlen (wie immer ohne Gewähr) lauten: Polizei 6500, Veranstalter 15 000.
Neues erwartet die Pegidaanhänger allerdings in den nächsten Wochen. So hat der im Internet schon als Satiregröße gefeierte Dr. Proebstl sein Kommen angekündigt und Pegida will ernst machen und einen Kandidaten für die OB-Wahl in Dresden verkünden. Deshalb heißt es wohl bis auf weiteres in Dresden: Montag bleibt Pegida-Tag.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

2 Kommentare zu “Tatjana heißt die neue Miss Pegida

  1. Vielen Dank für den umfassenden Bericht.

  2. Pingback: Pegida 9.3. | Kreidfeuer

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