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Geschichten aus der Elbaue

Aufruhr am Haselbach

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Ein Portestzug wie ihn das kleine Dörfchen wohl nicht mal zu DDR-Zeiten am 1. Mai gesehen hat. Foto: leo

Ein Protestzug wie ihn das kleine Dörfchen wohl nicht mal zu DDR-Zeiten am 1. Mai gesehen hat. Foto: leo

Von wegen vorösterliche Idylle im schönen Haselbachtal. Auch in dieser kleinen Gemeinde in der Nähe von Pulsnitz sorgt die Asylpolitik für Demonstrationen im Dorf, die es so wahrscheinlich nicht mal zu DDR-Zeiten am 1. Mai gab. Der Anblick ist grotesk. Eine Menschenmenge mit Fahnen und Transparenten bewegt sich durch das schmucke Dörfchen, dass man denkt, es handele sich um eine Verfilmung von Ehm Welks „Helden von Kummerow“. Ein Streifenwagen vorneweg, Gehschwache und Mütter mit kleinen Kindern in den ersten Reihen, damit die Jugend nicht zu schnell voranprescht. Doch den Menschen ist es bitterernst. Es ist das gleiche Spiel wie in Perba. Etwa drei Dutzend Asylbewerber sollen hier in eine alte Schule ziehen. Wie so oft gehört diese Immobilie irgendeinem windigen Koofmich von Außerhalb, der sie erst jahrlang leerstehen ließ, um sie dann dem Landratsamt „anzubieten“. Leichter kann man dieser Tage sein Geld in Deutschland nicht mehr verdienen. Und das Geschäftsmodell mit den Altimmobilien und den „Flüchtlingen“ kommt gerade erst so richtig in Fahrt. Wehren können sich die Einwohner in diesen Fällen kaum, weil es ausschließlich Privatrecht ist, das hier gilt. Anders als in Hamburg-Harvestehude, wo die Begüterten sich die sonst so hoch willkommenen Asylbewerber über das Baurecht von der eigenen Türe und dem Leibe hielten, geht das hier nicht so ohne weiteres. Die Haselbachtaler haben aber einen, wenn auch kleinen, Vorteil: Ihre Bürgermeisterin ist tatsächlich auf der Seite der Bürger. Man könne den Bezug womöglich noch ein bißchen hinauszögern, wenn der Gemeinderat die Umbaupläne auf dem Tisch habe. Mehr sei aber nicht drin, sagte sie vor der Menge am Sonnabend. Man werde mit den Bürgern der Gemeinde auch diese Aufgabe gemeinsam meistern wie schon so vieles, sagte sie weiter und bekam Beifall. Sie sei selbst in Perba gewesen und habe sich dort mit dem stellvertretenden Bürgermeister unterhalten. In Perba wären vorwiegend Familien aus dem Kosovo mit Kindern untergebracht. Diese sollen nun aber nach den Aussagen der Politik schnell wieder abgeschoben werden. Doch was kommt dann?, fragte die Bürgermeisterin. Die Mietverträge des Landratsamtes seien für fünf Jahre abgeschlossen. In der Asylfrage müsse grundsätzlich etwas geschehen. Die in Dresden in Sachen Pegida oft vorgebrachten Einwände der Politiker, die Bürger würden die Sprechstunden und andere Kontaktmöglichkeiten nicht nutzen, stimmten so nicht. Wenn man das nutzt, bekommt man gar keine oder lapidare Antworten, sagte ein anderer Redner. Einer erzählte von einem befreundeten Busfahrer, dem jugendliche Asylbewerber das Fahrzeug demoliert hätten, nachdem es in der Kleiderkammer keine Markentextilien von Adidas und Nike mehr gegeben habe.

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Die Bürger wollen ernst genommen werden. Stattdessen versuche die Politik, ihnen das Problem nur mit anderen Worten zu erklären. Foto: leo

Ein anderer bemerkte spitz: „In Kamenz ist die Tafel abgebrannt. Wenn das ein Deutscher gewesen wäre, hätte es schon lange in der Zeitung gestanden.“ Von Politik und Medien fühlen sich auch die Haselbachtaler verschaukelt. Wie dummen Kindern wolle man ihnen immer nur die gegenwärtigen Zustände besser erklären, anstatt auf ihre Forderungen einzugehen oder ihren Willen zu respektieren. Wenigstens die Schuluhr, die nach den Worten der Bürgermeisterin mit Spendengeldern der Einwohner saniert wurde, sei gerettet worden. Für diese suche man nun ein geeignetes Gebäude, an dem künftig der gemeindeeigene Zeitmesser verkünden soll, was die Stunde geschlagen hat. Auch die Küchenkalender in den Haselbachtaler Haushalten bekommen zwei Termine mehr im Monat. Immer am zweiten und vierten Sonnabend wolle man sich am alten Granitwerk zum Marsch durchs Dorf treffen. Und montags nach Dresden geht’s sowieso. Die aus dem Nachbarort haben da sogar immer einen Bus, mit dem sie gemeinsam in die Landeshauptstadt fahren.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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