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Geschichten aus der Elbaue

Zwei Satiriker und ein Fleischer

Ein Kommentar

Der "Wurstseimograph" zeigt noch kein Abflauen bei Pegida in Dresden. Foto:leo

Der „Wurstseimograph“ zeigt noch kein Abflauen bei Pegida in Dresden. Foto:leo

„Bei Pegida nichts Neues“, lautet die Überschrift des Frontberichtes von dieser Woche. Obwohl der Wurstseismograph von Curry 24 am Montag wieder heftig ausschlug und sich schnell eine imposante Schlange vor der Braterei bildete, ist es wohl eher ein Atemholen vor der großen Frühjahrsoffensive. Pegida köchelt so vor sich hin. Es läuft ein Kern von rund 10 000 Anhängern. Protestanten und Einsatzkräfte verbrüdern sich inzwischen zunehmend schon vor der montäglichen Politstunde auf dem Altmarkt. Man steht gemeinsam nach einer Wurst an, begrüßt sich, scherzt ein bißchen herum. Die Blauen bekommen sogar schon Einladungen auf ein Bierchen danach, wenn sich die umliegenden Wirtschaften mit Pegidagängern füllen. Diese müssen sie pflichtschuldig ablehnen. Aber man sieht ihnen an, dass sie lieber durstig danebenstehen, während andere schon „Eins zischen“, als anderswo im Vollschutz ungefragt Flaschen mit Benzin offeriert zu bekommen. Die Polizeiführung selbst hat erkennbar die Lust verloren an den Pegidaritualen. Denn sie macht einfach nicht mehr mit beim wöchentlichen Lotto-Toto der Teilnehmerzahlen. Nachdem sich letzte Woche noch irgendwelche Wissenschaftler ungefragt in das seit Herbst 2014 laufende Spiel eingemischt haben, will die Polizei gar keine Zahlen mehr sagen. Schade. Und das jetzt, wo es vielleicht keine Erbsenzählerei mehr wird. Zumindest nicht am 13. April. Für den Termin hat Pegida-Vorsteher Lutz Bachmann den niederländischen Politiker Geert Wilders für einen Auftritt in Dresden eingeladen. Die Veranstalter selbst rechnen bei diesem Event mit bis zu 30000 Besuchern. Der Name des prominenten Islamkritikers aus den Niederlanden dürfte auch viele Neugierige anziehen, die sich den Rummel um diesen Besuch einfach mal anschauen wollen. Immerhin steht Wilders unter strengem Personenschutz und wechselt wegen der Bedrohung durch radikale Islamisten mehrmals wöchentlich seinen Wohnsitz. Doch bis dahin ist es noch eine Weile hin. Überbrückt wird diese durch die Einlagen zweier Satiriker. Der eine ist Dr. Alfons Proebstl, der am 30. März auftreten soll. Bisher unterhält er seine Fans vor allem über das Internet. Dabei sitzt er in einem Sessel, an dessen Armlehne ein Trommelrevolver im Halfter baumelt. Mit der „Puffen“ wie der Wiener sagt, spielt er immer mal herum, wenn er seine „Ladies und Germanys“ begrüßt. Im Hintergrund sieht man zwei grüne Benzinkanister aus Blech stehen. In seiner wöchentlichen Sendung nimmt der Dr. mit dem Wiener Schmäh aktuelle Problemlagen und Debatten aufs Korn. Meistens abseits des langweiligen politisch korrekten Mainstreams. Man kann oft lachen über seine Scherze. Wenn auch bitter.

Der Politik traut man nach wie vor nicht über den Weg. Foto: leo

Der Politik traut man nach wie vor nicht über den Weg. Foto: leo

Ein anderer Satiriker, der dafür sorgt, dass Pegida nicht sanft entschläft, ist Sachsens neuer Wirtschaftsminister Martin Dulig. „Si tacuisses“, hätte man ihm diese Woche zurufen wollen, obwohl er noch lange kein Philosoph geworden wäre, wenn er den Rat, besser zu schweigen, beherzigt hätte. Aber mit seiner Idee, die Unternehmer sollten doch mehr Agitprop („Haltung zeigen“) gegen Pegida in ihren Betrieben machen, hat er wieder einen großen Schwapp Wasser auf die Bachmannsche Mühle geleitet. In der Staatskanzlei muss man doch inzwischen in die Tischkante beißen bei so viel Laientalent. Erst nahm Dulig Reißaus als es hieß, zu einer von ihm angesetzten Gesprächsrunde in Meißen könnten auch Vertreter des harten Kerns von Pegida stoßen. Jetzt erklingt hinter den sicheren Mauern des Wirtschaftsministeriums die alte FDJ-Weise „Sag mir, wo Du stehst?“. Hans Modrow muss Tränen der Rührung in der ehemaligen „Hauptstadt der DDR“ weinen, wo er als Rentner den ganzen Tag Westfernsehen schauen kann. Singen sollen die inoffizielle Hymne der SED aber vor allem die Betriebsleiter der (noch nicht wieder sozialistischen) sächsischen Betriebe. Die Parteien und Massenorganisationen machen das schon länger. Die Kirche auch, allerdings mit Orgelbegleitung. Mit der lustigen Aktion aus dem Agitpropbaukasten für kleine Bezirkssekretäre hat er sich aber nicht nur zum Gespött der montäglichen Pegidisten und ihres Vorbeters Lutz Bachmann gemacht, sondern auch medial mächtig viel Gegenwind eingehandelt. Ein Unternehmer schrieb als Kommentar auf Duligs Aktion, dass er seinen Mitarbeitern am Montag extra ab Mittag frei gebe, damit sie pünktlich zu Pegida könnten. So, liebe Kinder,  sieht ein Schuss aus, der nach hinten losgeht. In Firmen, wo es tatsächlich unterschiedliche Lager gibt oder in staatsnahen Betrieben wie Stadtbauhöfen oder Wasserwerken, hat sich sowieso schon eine Art Codesprache entwickelt, mit der Pegidaanhänger untereinander kommunizieren. Wie auf Facebook zu lesen war, ist dort viel von einem „Fleischer Bachmann“ die Rede, wenn Terminabsprachen für Montagabend getroffen werden. Zum „Fleescher“ wird man ja wohl noch gehen dürfen. Schon allein wegen der Mädels, die dort bedienen. Denn in dieser Woche wurde die ehemalige Miss Pegida, Kathrin Oertel, am Rande der Veranstaltung gesichtet. Mit dabei soll auch das ehemalige Gründungsmitglied Rene Jahn gewesen sein. „Nachtigall, ick hör dir trappsen“, wird mancher gedacht haben. Ist es ohne Pegida doch zu langweilig? Will die kühle Blonde wieder mitspielen? Das könnte spannend werden. Denn der weibliche Teil im Führungsduo ist inzwischen von der Hamburgerin Tatjana Festerling besetzt. Und mit der haben die Organisatoren noch viel vor. Es waren allerdings die Akteure des Chemnitzer Ablegers, die am Montag das Wasser nicht halten konnten und Tatjana Festerling als die Pegida-Kandidatin für den Dresdner Oberbürgermeisterwahlkampf ausriefen. Damit wollte man eigentlich erst nächste Woche in Dresden herauskommen. Die Hamburgerin dürfte in Dresden keine Chance haben. Aber eins ist garantiert: So spannend war der Dresdner Oberbürgermeisterwahlkampf noch nie. Und die Bewerber müssen sich etwas einfallen lassen, um den Leuten was zu bieten. Mit einem Aufguß des Oktoberclubs braucht da niemand zu kommen. Vielleicht kriegt die Staatsregierung es hin, dass ABBA sich für die CDU, und wenn nicht für die, dann wenigstens für Dresden, wiedervereinigt. Es heißt, Frontfrau Agneta Fältskog hätte dieses Ansinnen schon vor Jahren selbst für eine Milliarde Dollar auf die Hand abgelehnt. Aber eine Staatsregierung im Land, wo der Zaster locker sitzt wie die letzte Kindergelderhöhung um phantastische vier (in Zahlen 4) Euro gezeigt hat, wird sich doch da nicht lumpen lassen.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

Ein Kommentar zu “Zwei Satiriker und ein Fleischer

  1. Hallo Biber,
    also die Lachpalme hast du aber sauber umgelegt!
    Ganz großes Kino!

    Danke!

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