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Geschichten aus der Elbaue

Wilders und andere Wildheiten

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Extra noch auf Großleinwand wurde die Rede des Pegida-Gastes Geert Wilders übertragen. Foto: leo

Am Montag war nun wieder Peggy da. Und die hatte sich den Geert aus den Niederlanden eingeladen. Das Ganze auf einem Gelände, das schon verdächtig an das Zeppelinfeld einer anderen deutschen Großstadt weiter südlich erinnert. Leni Riefenstahl war nicht da. Dafür aber wieder Russia today und diesmal auch zahlreiche andere TV-Sender. Alles wegen einem: Geert Wilders. Den hatte Sachsens lustigste Ministerin, Petra Köpping, im staatsnahen Rundfunk wie folgt klassifiziert: „Ein Rechtspopulist, der für seinen Rechtspopulismus bekannt ist.“ Damit wussten es die Hörer dieser „Nachrichtensendung“ ganz genau. Wobei er aber wahlweise auch als „Islamhasser“ bezeichnet wird. Wahrscheinlich, damit man nicht durcheinanderkommt an den politischen Etikettiermaschinen dieser Republik. Denn das Label „rechtspopulistisch“ ist sonst für die schlimmen Finger von der AfD reserviert.
An diesem Tag durfte nichts dem Zufall überlassen werden. Und so wurde Pegida-Gründer Lutz Bachmann bereits am Sonntagnachmittag am Veranstaltungsort, der Dresdner Flutrinne, gesichtet, wie er mit Ehefrau und Vierbeiner den Platz des temporären „Pegida-Parteitages“ in Augenschein nahm. Wie alle deutschen Führerfiguren hat  auch er einen Hund, dessen Vorname mit „B“ beginnt. Es handelt sich um einen etwa unterschenkelhohen Terrier, der auf den Namen „Bärbel“ hört. Allerdings ein furchtloses Tier, das ohne zu zögern vorbeilaufenden Rottweilern irgendwelche Wahrheiten vor den Latz bellt, die nur Hunde verstehen.
Die Wahrheiten, die Bachmann und Wilders in petto haben, sorgten schon vorab für einen Fingerzeig des Landesvaters Stanislaw via Presse. Sollte gehetzt werden, würde man einschreiten, drohte er. Wobei offen blieb, wer den Hetze-Schnelltest macht und wie dann reagiert würde. Man hätte die „Spülung“ ziehen können. Aber eine Flutwelle ins alte Elbebett von den Staustufen im Böhmischen braucht ihre Zeit bis sie in Dresden ankommt. Die Welle blieb jedenfalls aus. Allerdings auch die Welle der Besucher. Die avisierten 30 000 waren es sicher nicht. Aber viele wird auch der zeitige Beginn 17 Uhr abgehalten haben. Wer nicht in Dresden oder dem unmittelbaren Umfeld wohnt und arbeiten geht, der hat es schwer, einen solchen Termin an einem Montag zu schaffen. Nachdem man mehrmals um Geduld bat, war er dann endlich da: Geert Wilders. Lutz Bachmann hatte sich extra in Schale geworfen und begrüßte seinen Gast in Anzug mit Krawatte und mit tiefer Verbeugung. Und da stand er auf der Bühne – der Mann mit den semmelblonden Haaren. Der seit über zehn Jahren unter Personenschutz steht und mehrmals wöchentlich seinen Wohnort wechseln muss. Der Vorsitzende der Partij voor de Vrijheid in den Niederlanden, die zur letzten Europawahl 12,2 Prozent und damit Platz vier im niederländischen Parteienspektrum verbuchte. Mit herben Abschlägen zur vorletzten Wahl 2009.

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Viele der rund 10 000 Besucher dürften wohl auch aus Neugier auf den Gast gekommen sein. Foto: leo

Ob man das, was Wilders über den Islam sagt, Hetze nennen kann angesichts der Bilder, die uns tagtäglich aus dem Herrschaftsbereich dieser Religion erreichen, hängt sicher vom Standpunkt des Betrachters ab. Oder dessen Brille. In Dresden sagte Wilders Sätze wie: Nicht jeder Moslem ist ein Terrorist, aber die meisten Terroristen sind Moslems. Eine Aussage, die jeder ohne große Mühe im Internet nachrecherchieren kann. Gleich zu Beginn ging er auf die Drohung des sächsischen Regierungschefs bezüglich seines Auftrittes ein. „Es ist eine Schande, dass wir sie nicht auf unserer Seite finden“, so Wilders. Er sagte Sätze wie: Einwanderer müssen unsere Rechte annehmen und nicht andersherum. Vor 26 Jahren hätten die Menschen in der ehemaligen DDR der Welt eine Lektion erteilt. Vielleicht sind es aber auch Sätze wie dieser, die in der Staatskanzlei Angst auslösen: Die Menschen hätten damals gezeigt, dass die Wahrheit stärker ist als die Lüge. Immerhin wird in der ganzen Zuwanderungsdebatte alles andere als mit offenen Karten gespielt. Auch Wilders Satz „Ohne Freiheit sei das Leben nichts lebenswert“, erinnert an den alten Wahlslogan aus der Nachwendezeit „Ohne Freiheit ist alles nichts“. Selbst die Gegenseite kann sich den verbalen Umarmungen des Holländers schlecht entziehen. Denn an ihre Adresse gewandt sagte er: Man hasse nicht den politischen Gegner, sondern sei froh, dass man in Europa gegeneinander demonstrieren könne. Ohne Hass und ohne Gewalt. Ob das die Gegenseite mit ihrem Verständnis von Meinungsfreiheit auch so sieht, konnte nicht getestet werden, da die Polizei alle Versuche von Gegendemonstranten, das Pegida-Gelände zu erreichen konsequent unterband. Nachdem man in der Genehmigungsbehörde endlich Vernunft walten ließ und die Gegendemonstranten an räumlich auseinanderliegende Punkte dirigierte, ließ eine Initiative die Maske fallen und verkündete, man wolle auf jeden Fall den Wilders Auftritt „versauen“. Es blieb aber dann bei einer kurzzeitigen Sperrung der Kreuzung an der Dresdner Mühle, die von der Polizei geräumt wurde. Aber auch in diesem Punkt zeigte sich wieder, dass der ganze Pegida-Komplex mit all seinen Pro und Contras auch in weiten Teilen ein Generationenkonflikt ist. Während Lutz Bachmann die Teilnehmer vor der Heimfahrt warnte, unter den Reifen ihrer Autos nachzuschauen, weil dort Scherben oder Nägel ausgestreut sein könnten, lächelten einige Ältere wissend. Denn im Zuge dieses von der Obrigkeit offensichtlich nicht gewollten Protestes kommen alte DDR-Solidarisierungseffekte wieder an die Oberfläche. So hatte beispielsweise ein Pegida-Anhänger auf Facebook sichere und bewachte Parkplätze auf einem Firmengelände in der Nähe des Veranstaltungsortes angeboten. Dort genügte dann beim Einfahren das Zauberwort „Facebook“, um ein wissendes Grinsen bei den Eingeweihten hervorzurufen. Will heißen: Die Kinder spielen draußen ihre bösen Streiche, während die Alten das lächelnd ausmanövrieren. Sie greifen auf alte Muster zurück. Denn sie haben noch die wirkliche Repression erlebt. In der Zeit als Sachsens heutiger Ministerpräsident dem Unrechtsstaat DDR als zweiter Sekretär beim Rat des Kreises Kamenz trotzte. Die Frage ist nur, ob eine Regierung auf Dauer danebenstehen kann, während sich im Volk wieder eigene Mechanismen von Recht und Ordnung etablieren?

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

2 Kommentare zu “Wilders und andere Wildheiten

  1. Das ist wieder ein Bericht, der sich mit Spannung offenbart und auch den Humor nicht zu kurz kommen lässt. Bei diesem Artikel ist es für mich nicht mehr notwendig, noch weit ausholende Studien über Pegida, die Menschen aus der ehemaligen DDR etc. zu lesen sowie mich – zugegebenermaßen – zu langweilen. Danke dafür und grüß en Biber :-).

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