castor fiber albicus

Geschichten aus der Elbaue


Ein Kommentar

„Ich bleibe auf jeden Fall hier“

DSC_0392B

Tatjana Festerling: Die Mutter zweier erwachsener Kinder ist geschieden, arbeitete als Pressesprecherin eines Bahn-Unternehmens und ist heute selbstständige Marketing-Unternehmerin. Sie liebt Yoga, Psychologie, Lesen, Nachdenken und Kochen. Foto: leo

 

Tatjana Festerling tritt als Kandidatin der Pegida-Bewegung zur Oberbürgermeisterwahl in Dresden an. Castorfiberalbicus sprach mit der gebürtigen Hamburgerin über ihr Engagement in Sachsen und ihre Chancen in der Dresdner Politik.

Frau Festerling, Sie wollen als Kandidatin der Pegida-Bewegung Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden werden. Wie kamen Sie überhaupt zu Pegida, Dresden und dem Orga-Team um Lutz Bachmann?

Ich habe das sehr aufmerksam verfolgt als in den Medien die ersten Berichte über die Demonstrationen in Dresden auftauchten. Anfang Dezember habe ich mir gesagt: Egal, wie viele Kilometer das sind, ich fahre jetzt nach Dresden und schaue mir das an?  Ich bin dann zu Lutz Bachmann gegangen und habe ihm gesagt, dass er meine Hochachtung hat. Trotz seiner Vergangenheit. Aber hier ging es nicht um einen Musterschülerwettbewerb und seine Vorgeschichte hatte auch nichts mit dem Anliegen der Demonstrationen zu tun.
Einige aus dem Orgateam kannten mich aus dem Internet im Zusammenhang mit meiner Darstellung der Hogesa-Proteste in Köln, die übrigens auch ganz anders war wie die Berichterstattung über Pegida. In Leipzig habe ich dann zum ersten Mal geredet. Das war überhaupt die erste politische Rede, die ich in meinem Leben gehalten habe. Aufgrund meiner Reden und Auftritte bei Pegida hat man mich dann im März gefragt, ob ich mir eine Kandidatur bei der Oberbürgermeisterwahl in Dresden zutrauen würde. Und so kandidiere ich nun als eine freie, unabhängige Einzelkandidatin, für deren Kandidatur – für mich völlig überraschend – über 1.000 Dresdner Bürger auf dem Amt unterschrieben haben. Ich freue mich über die „Nominierung“ und die Unterstützung, die ich aus dem großen Kreis der Pegida-Bewegung in Dresden tagtäglich erhalte. Anders ginge es ja gar nicht und das ist großartig.

Waren Sie früher schon einmal in Dresden oder Sachsen?

Ja, ich war sofort im Jahr nach der Wende mehrfach in Dresden. Als freiheitsliebender Mensch hat sich der Fall der Mauer tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Es war fantastisch – überall, wo man hinkam, lächelten sich wildfremde Menschen an, eine zutiefst menschliche Solidarität und Verbundenheit war zu spüren, herrlich! Diese Atmosphäre werde ich nie vergessen.
Dazu gibt es eine Geschichte. Meine Tochter Florentina wurde Ende 1988, mein Sohn Caspar Felix im Februar 1990 geboren. Im Mai 1990 war ich zum ersten Mal mit beiden Kindern in Dresden und spazierte mit Kinderwagen am Elbufer. Wir kamen zu zwei weißen Schiffen, die hintereinander lagen. Das erste hieß „Florentina“, das zweite „Caspar“. Ich dachte, mich trifft der Schlag. Die Prospekte beider Schiffe liegen noch heute in den Fotoalben meiner Kinder. Silvester 90/91 habe ich auch in Dresden verbracht, bei einem schönen Ball im Hotel „Bellevue“.

Was sagen ihre Kinder zu den Aktivitäten der Mutter, die plötzlich als das Gesicht der Pegida durch die Medien geht?

Die sind das gewohnt von mir. Ich bringe mich ein und bekenne Farbe. So habe ich sie auch erzogen.

Sie haben es sicher schon bemerkt, Dresden ist für die Dresdner nicht nur eine Stadt. Sie wird als etwas Besonderes empfunden, was Uwe Tellkamp in seinem preisgekrönten Roman „Der Turm“ sehr anschaulich beschrieb. Wie wollen Sie als „kühle Hamburgerin“ die Herzen der Dresdner erreichen?

Die Dresdner haben vollkommen Recht – Dresden IST etwas Besonderes! Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick: bei der Stadt, bei den Menschen, die ich als besonders feinsinnig und freiheitsliebend empfinde und bei der Umgebung Dresdens. Hier finde ich alles, was mich glücklich macht: den Fluss, den ich schon in Hamburg so geliebt habe, Berge, Rapsfelder, Weinberge – es ist perfekt! So kühl wie das Vorurteil über Hamburger bin ich übrigens nicht… Ich glaube, die Dresdner können sehr gut unterscheiden zwischen Anbiederei und echter, authentischer Zuneigung. Wenn ich bei Pegida ans Mikro gehe und die Menschen und Flaggen sehe, geht mir das Herz auf. Es freut mich, dass ich es schaffe, in meinen Reden das auszudrücken, was vielen, sehr vielen Dresdnern auf der Seele brennt und sie selber aufgrund von drohenden Sanktionen selber nicht äußern können.

Pegida hat starken Gegenwind, um es vorsichtig auszudrücken. Schon AfD-Plakate werden im Wahlkampf heruntergerissen oder beschädigt. Wie wollen Sie die Menschen auf ihre Kandidatur aufmerksam machen?

Das ist in der Tat ein Problem. Schon jetzt sind die Laternenpfähle mit den Plakaten des OB-Kandidaten-Trios bestückt – Masse, statt Klasse fällt einem dazu wohl als allererstes ein. Als zweites strahlt diese Omnipräsenz aus, dass da wohl Leute sehr an ihren politischen Posten hängen und diese keinesfalls verlieren wollen. Plakate einer unabhängigen, freien Kandidatin, die nicht verstrickt ist in den Dresdner Klüngel und als OB z.B. Transparenz und Wahrhaftigkeit einfordern könnte, wird als Bedrohung, als Gefahr wahrgenommen.
Ich habe immer gesagt: Es geht nur gemeinsam, das heißt, diesen Wahlkampf werden wir gemeinsam gestalten. Wir werden mobile Wahlkampfsäulen haben, Anhänger, die durch die Stadt fahren, viele Flyer verteilen, und natürlich auch Plakate hängen. Jeder Pegida-Spaziergänger wird zugleich auch Wahlkämpfer für mich!

Im Dresdner Stadtrat hätten Sie es mit einer rot-rot-grünen Mehrheit zu tun.Wie wollen Sie ihre Gegner inhaltlich stellen?

Ja, das wird sicher nicht harmonisch, aber das halte ich für gesund. Es wäre doch furchtbar, wenn der OB nun auch noch aus dem rot-rot-grünen Lager käme – das wäre ja noch lähmender für Dresden, als eine Große Koalition. Nein, zur Politik gehören Auseinandersetzungen und das Ringen um die beste Lösung zum Wohle des deutschen Volkes und der Dresdner Bürger. Und ich werde konsequent die Interessen der Bürger vertreten, die sich durch diesen Stadtrat nicht repräsentiert sehen. Und das sind sehr viele. Die größte Wählergruppe – die der Nichtwähler – wird bisher überhaupt nicht vertreten.

Im Lager der Pegidaanhänger wird ihre Kandidatur begeistert gefeiert. Aber sie selbst kommen aus der PR-Branche und wissen, wie man Chancen nüchtern einschätzt. Wieviel Prozent würden Sie sich selbst geben?

Ich kann es nicht einschätzen, es gibt viele Faktoren – wie zum Beispiel die Wahlbeteiligung. Alles ist möglich. Wenn wir es schaffen, viele, viele Nichtwähler zu motivieren, diesmal zur Wahl zu gehen, dann kann das Ergebnis sehr beachtlich für mich werden. Dazu kommen viele Protestwähler, die die Nase voll haben vom politischen Gemauschel in Dresden, das die drei Kandidaten Stange, Ulbig und Hilbert ja schon sieben Wochen vor der Wahl als „OB-Trio“ bei der Landespressekonferenz demonstrierten.

Egal wie die Wahl ausgeht, mit Ihrer Kandidatur, der des AfD-Mannes Vogel und der von CDU-Minister Ulbig treten quasi drei konservative Bewerber an, die sich gegenseitig Stimmen wegnehmen. Welchen Kandidaten würden Sie ihren Anhängern empfehlen, sollte es zu einer Stichwahl kommen, bei der einer aus dem konservativen Lager vor Ihnen liegen würde?

Es ist überhaupt nicht „egal“ wie die Wahl ausgeht! Schauen wir erst mal, welche Resonanz diese Vertreter üblicher politischer Organisationen – und das sind die drei von CDU, FDP und AfD ja nun mal – aus dem Dresdner Bürgertum jeweils erhalten. Daraus ergeben sich Folgerungen. Selbstverständlich lebe ich nicht im Glaskasten, sondern werde gern mit dem einen oder anderen spätestens nach dem Wahlabend am 7. Juni darüber sprechen, ob die Stadt Dresden es verdient, eine kunterbunt-rote OB Stange zu erhalten. Mit Sicherheit kann ich sagen: Die Chance steht gut für Dresden, dass bei entsprechender Mobilisierung derartiges im 2. Wahlgang verhindert werden kann.

Mal angenommen, die nächste Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden hieße tatsächlich Tatjana Festerling. Was wäre die erste Amtshandlung der Neuen im Rathaus?

Als erstes will ich jeden einzelnen Mitarbeiter und seine Aufgaben im Rathaus kennenlernen. Ich will wissen, was die Mitarbeiter beschäftigt, was sie gut finden, wo es Verbesserungspotenzial gibt, aber auch, was sie belastet. Mir ist wichtig, dass die Mitarbeiter in der Verwaltung als kooperative, bürgernahe und gut gelaunte Mannschaft wahrgenommen werden. Dazu gehört die respektvolle Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung.

Welche Schwerpunkte würden Sie langfristig für Dresden setzen?

Dresden hat das Potenzial, die heimliche Hauptstadt als politisches, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum und die Keimzelle für eine Neugestaltung Deutschlands zu werden. Ich sehe Dresden vor allem als Familien freundliche Kulturhauptstadt und Wissenshochburg Deutschlands, in der Familien und Kinder wertgeschätzt und durch ein hohes Bildungsangebot vielfältig gefördert werden. Dresden kann Vorbild einer Großstadt sein, die ihre Zuwanderung selbstbewusst so regelt, dass sie wahrhaftig bereichernd, kultursensibel und integrationsfähig läuft. Wir müssen einen gesunden Mix finden, in dem stolz Altes bewahrt und Zukunftweisendes geschaffen wird.

Wie geht es mit Ihnen und Pegida nach dem 7. Juni weiter?

Gehen wir mal davon aus, dass es mit mir zu einem zweiten Wahldurchgang kommt und das hieße noch einen Monat weiter Wahlkampf in Dresden. Im Sommer kann ich dann wohl mal ein bisschen Zeit finden zum Ausruhen, Sammeln, Strukturieren. Und Pegida wird sich bei kommenden kommunalen Wahlen mit unabhängigen Bürgermeistern, Landräten beteiligen und sich so in den Kommunen weiter verwurzeln können. Der Zusammenhalt untereinander ist enorm, die 10.000 Menschen sind wie eine große Familie geworden. Ich persönlich habe meine Wahl schon getroffen. Ich bleibe auf jeden Fall hier und habe bereits meinen Wohnsitz dauerhaft hierher verlegt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 


Ein Kommentar

Dresden hat die Wahl – aber was für eine?

DSC_0008

Wirtschaft fragt OB-Kandiaten, hieß es am Montag in Dresden. Manche Aussagen waren erhellend, andere entlarvend. Foto: leo

In knapp drei Wochen wird in Dresden ein neuer Oberbürgermeister gewählt. 18 Kandidaten gibt es insgesamt. Vier davon stellten sich am Montag im ICC vor. Eingeladen hatten vier Wirtschafts- und Bildungsträger, weshalb das Ganze unter dem griffigen Titel lief: „Wirtschaft fragt die OB-Kandidaten“. Auf dem Podium saßen Eva-Maria Stange, die Bewerberin des linken Lagers einschließlich Piraten, Dirk Hilbert, der derzeit die Amtsgeschäfte der Stadt führt, Markus Ulbig von der CDU und Stefan Vogel von der AfD. Man habe die Teilnehmer auf diese vier begrenzt, weil diese durch eine Fraktion auch im Stadtrat vertreten seien, so die Logik der Auswahl. Die Runde, die sich schwerfällig und ermüdend über knapp zwei Stunden zog, bot immerhin erhellende, zuweilen entlarvende Einblicke in die Motivations- und Denkwelt der Kandidaten. Beispielsweise beim AfD-Kandiaten Vogel, der seinen Werdegang vom Diplom-Ökonom bis zum Geschäftsführer in der Wohlfahrtspflege als eine Abfolge von erfolgreichen Stationen mit „Steigerungspotential“ beschrieb. Diese Erfolgsgeschichte gedenke er mit dem Posten des Oberbürgermeisters von Dresden zu krönen. Danach gehe er ohnehin in Rente. Wenn die Dresdner schlau sind, gönnen sie ihm das schon eher, muss man hoffnungsvoll im Geiste dazusetzen. Gewinnt Eva-Marias Stange kann man getrost der Optik trauen und sich auf das Regiment einer strengen Gouvernante einstellen. Verkaufsoffene Sonntage, wie sie zuletzt die Gemüter bewegten, werde es mit ihr nicht geben. Da sei sie „skeptisch“. Ganz in der alten Sozialisten-Diktion, besser zu wissen, was für das Volk gut ist, dozierte sie, dass man schon am Freitag kaufen könne, was man am Sonntag brauche. Ja, Oma. Diese sonst so harmonische Runde musste selbst Hilbert an dieser Stelle stören, indem er erklärte, dass es nicht darum ginge, den Sonntag in Dresden generell zu einem Einkaufstag zu machen. Sondern man hier über die gesetzlich zulässigen vier verkaufsoffenen Sonntage im Jahr spreche. Das konnte die ehemalige GEW-Funktionärin nicht überzeugen. Auch nicht als Hilbert ihr schonungsvoll beibringen wollte, dass es am Sonntag nicht darum ginge, die Bockwurst und die Pulle Bier zu kaufen, die man auch am Freitag hätte einholen können, sondern um die Touristen, die gerade am Wochenende in die Stadt fluten und eben shoppen wollen. Das alles vor dem Lamento der Einzelhändler, dass ihnen der wachsende Onlinehandel den Umsatz versaue. Sie hätten 1,1 Prozent Zuwachs, der Onlinehandel 16 Prozent, wie ein Branchenvertreter beklagte. Ansonsten war viel von dem Wissenschaftsstandort Dresden die Rede, dessen Potentiale man besser vernetzen, weiter entwickeln und überhaupt und im Allgemeinen und Besonderen besser fördern wolle, was man eigentlich auch schon tue, aber sicher noch besser und so weiter und so fort. Dabei erfuhr der Laie am Rande, dass in den Schulen wohl nicht Lehrer am Dringendsten gebraucht würden, sondern Sozialarbeiter, um die Quote von acht Prozent jungen Menschen, die ohne jeglichen Abschluss das sonst so hervorragende sächsische Bildungssystem verlassen, zu drücken.
Moderiert wurde das langatmige Schattenboxen von Andre Hardt (Andre und die Morgenmädels) von Radio Dresden, der aufpassen musste, dass er seine prominenten Gäste nicht nur mit dem Vornamen ansprach. Man kennt sich halt und hat es sich in den vielen Jahren gemütlich gemacht. Und so vermochte auch Dirk Hilbert nicht so recht zu vermitteln, was er denn nun bahnbrechend Neues machen wolle, wozu in den Jahren seit seinem Eintritt 2001 in die Stadtverwaltung keine Zeit war. Nun wäre es aber fast ein kleines Wunder gewesen, wenn ausgerechnet in Dresden eine Diskussionsrunde von Politikern ohne das Thema Pegida vonstatten gehen würde. So bemerkte doch ein Gast als letzter Redner am freien Mikro, dass bei Pegida 80 Prozent dabei wären, die keine Idioten seien, sondern sich Sorgen machten. AfD-Vogel reagierte darauf in der Form, dass er es als seine Aufgabe als OB ansehen würde, die nach wie vor demonstrierenden Menschen mit „vertrauensbildenden Maßnahmen“ von der Straße zu holen. Eva-Maria Stange sieht bei den hartnäckigen Pegida-Demonstranten, die sich auch gestern wieder auf dem Schlossplatz trafen, eher einen harten Kern von nicht resozialisierbaren „Ausländerfeinden“, mit denen man nicht reden könne. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte: Die hatten doch gestern wieder die Frechheit besessen, einen tiefschwarzen Menschen auf die Bühne zu bringen, der aus Kamerun stammt und schon einmal vor einer Überfremdung Deutschlands warnte. Kein Problem hat Eva-Maria Stange bekanntlich dagegen mit Menschen zu lauter Musik durch Dresden zu ziehen, die den 13. Februar als eine Art Volksfest begehen. Dafür weiß sie in ihrer derzeitigen Funktion als Ministerin für Wissenschaft und Kunst, dass Ausländer, die beispielsweise am Max-Planck-Institut arbeiten, sich um ihre und die Sicherheit ihrer Familien sorgten. Kein Wort verliert die Ministerin dagegen über die Todesfälle unter Asylbewerbern, die sich nach Streitereien untereinander zugetragen haben. Auch der Noch-Innenminister Markus Ulbig sagte an dieser Stelle nicht etwa, dass sich der Dresdner Hauptbahnhof binnen zweier Jahre zu einem polizeibekannten Drogenumschlagplatz und einem Hot-Spot der Polizeistatistik entwickelt habe. Dirk Hilbert wollte in dieser wichtigen Linienfrage nicht nachstehen und behauptete ganz allgemein, dass Pegida großen Schaden angerichtet habe. Gemeinsamer Tenor des Triumvirats Stange-Ulbig-Hilbert: mit den vielen Menschen, die Pegida zu Jahresbeginn auf die Straße gebracht habe, hätte man durchaus reden müssen oder können, habe das aber nicht, weil man „irritiert“ war. Inzwischen gebe es Gesprächsangebote, bei denen die Unzufriedenen Dampf ablassen können. Das muss reichen. Mit denen, die jetzt noch rumliefen, brauche man es gar nicht erst versuchen, weil es sowieso die Unbelehrbaren seien. So recht überzeugt waren einige nach dieser Präsentation nicht. „Wir haben hier nun mal nur die Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagte ein Teilnehmer im Vier-Augen-Gespräch danach. Es bleibe die Hoffnung, dass Ulbig den ersten Wahlgang gut absolviere und seine Stimmen dann an Hilbert weiterreiche. Mit dem könne man. Stange müsse auf jeden Fall verhindert werden, das wäre deutlich geworden.


Hinterlasse einen Kommentar

Kommunikation heute

1024px-Leberkäse-1

Fleischkäse, ohne Zwiebel. Foto: leo

Erlebnis in einem großen Discountwarenhaus, das im September schließt. Ort: Schlange am Wurststand.

Vor mir ein altes Ehepaar. Als sie dran sind, sagt er ohne weitere Förmlichkeiten: „Drei Scheiben Fleischkäse“.

Die Verkäuferin: „Wie dick?“.

Kunde: „Mit Zwiebel.“

Die Verkäuferin: „Ja, aber wie dick?“

Kunde: „Zum Braten.“

Ohne Worte. Und diese Menschen dürfen alle wählen. Wundert sich noch jemand, warum sich Angela Merkel so lange hält? Sie schneidet einfach ab und serviert. Die Masse schluckts ja. Offensichtlich.


Hinterlasse einen Kommentar

„Töbi“ startet im Club der sächsischen Unruhestifter

DSC_0277

In Fransenjeans und Begleitung zweier kräftiger Herren erschien das jüngste enfant terrible Dresdens, Regine Töberich, zu dem von ihr organisierten Picknick am Elberadweg. Foto: leo

Man kann es drehen und wenden wie man will: Dresden bleibt etwas Besonders im Reigen der deutschen Großstädte. Hier geben starke Frauen den Ton an. Nachdem die langjährige Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) im Februar aus gesundheitlichen Gründen den Rückzug aus der Politik antreten musste, macht sich Eva-Maria Stange (SPD) daran, sie als „Mater Castrorum“ zu beerben. Parallel dazu betrat im Februar Tatjana Festerling als Ex-AfD und neue Pegida-Frontfrau die politische Bühne. Jetzt schickt sich eine Architektin an, die dritte im Bunde der streitbaren Damen zu werden. Begriffe wie Walküren oder Amazonen verbieten sich hier, weil es sich bei allen Dreien um durchtrainierte und hochintelligente Frauen handelt. Einen kraftvollen Einstand hatte die 50-Jährige Regine Töberich in der vergangenen Woche hingelegt, als sie nach langem Streit mit der Stadt einfach mal ein Stück Elberadweg wegbaggern ließ. Als unmissverständliche Kampfansage an den rot-rot-grünen Stadtrat: Mit mir gibt es keine Spielchen, sondern Vollkontakt. Daran änderte auch die peinliche Schlappe nichts, dass sie versehentlich das falsche Stück von Deutschlands beliebtestem Radweg schreddern ließ. Die Grundstückgrenze schlägt dort einen Haken, weshalb der Schnitzer passierte. „Sie hat es wirklich getan“, jauchzte die Boulevardpresse vergangene Woche lustvoll und zeigte den aufgerissenen Elberadweg so, als hätte Töberich die A 4 bis zur Landesgrenze renaturiert. Das sind Geschichten wie aus dem Lehrbuch: Schöne Frauen, große Maschinen und Zoff, dass die Fetzen fliegen. Oder Ohrfeigen. Wie die von letzter Woche, die Töberich ausgerechnet von einem Grünen-Stadtrat bekam, der noch dazu selbst Rechtsanwalt ist. Er bot ihr Tage später zerknirscht 500 Euro als Wiedergutmachung an. Sein Geld brauche sie nicht, ließ die zierliche Frau ihm stolz ausrichten, eine Entschuldigung hätte genügt, aber zu der könne er sich wohl nicht durchringen. Das mit der Ohrfeige passiert sicher kein zweites Mal.

DSC_0325

Die Architektin mischte sich unters Volk und ließ sich geduldig ausfragen und natürlich fotografieren. Foto: leo

DSC_0302

Die Unterstützer: Patrick Schreiber (CDU), Barbara Lässig (FDP) und Johannes Lohmeyer (FDP). Foto: Leo

Zu ihrem jüngsten öffentlichen Termin hatte die attraktive Blondine junge Männer an ihrer Seite, die aufgrund ihres Körperbaus signalisierten, dass man es sich besser zweimal überlegen sollte, dem „Püppchen“ in ihrer Mitte anders als mit Worten zu begegnen. Denn Töberich hatte öffentlichkeitswirksam nachgelegt und am Sonnabend zu einem Solidaritätspicknick an besagtem Radwegstück eingeladen. Das ist längst wieder zugeteert und befahrbar. Selbst erschien sie in Fransenjeans und modischem T-Shirt. „Töbi weg“, steht noch an den Mauerresten der alten Bausubstanz, die über Jahrzehnte dieses Areal prägte. Zur Sache selbst sind alle Fakten längst hinreichend bekannt und entsprechend medial breitgetreten worden. Die geschäftsführende Gesellschafterin der Dresden Bau möchte hier unter dem Namen „Marina Garden“ hochpreisige Wohnungen errichten. Erst habe man sie jahrelang hingehalten, dann ihren Bauantrag nicht bearbeitet und schließlich wurde vom neuen rot-rot-grünen Stadtrat eine Veränderungssperre über das ganze Gebiet gelegt. Es wird schon seinen Grund haben, warum Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig diese Woche ausgerechnet in Südkorea um Investoren für Sachsen wirbt. In Dresden braucht man als solcher gute Nerven. Vielleicht hilft konfuzianische Langmut, um die Schikanen zu ertragen. Denn anders kann man es wohl nicht nennen, wenn Töberich vom Stadtrat jetzt die Genehmigung bekam, sie könne noch 20 Prozent ihres Grundstückes bebauen. Vorn, an der lauten Leipziger Straße. Ohne Elbblick. Der Rest werde Park und irgendwas Sozio-Kulturelles. Und das dazu nötige Verfahren solle sie mitmachen und natürlich bezahlen. Njet, lautet ihre deutliche Antwort und die Bagger unterstrichen das. Dasselbe „Nein“ bekam gestern auch ein Gast zu hören, der sich als Rechtsanwalt, „links eingestellter Mensch“ und natürlich als Pieschener Einwohner vorstellte. Sie solle doch auch Wohnungen für sozial Schwächere bauen und sich deshalb mit ihm und anderen Stadtteilbewegten an einen Tisch sitzen.

DSC_0392

Auch Miss-Pegida, Tatjana Festerling, schaute vorbei, hielt sich aber im Hintergrund. Rechts neben ihr Pegida-Redner Ed Wagensveld. Foto: leo

„Ich werde mich nicht mit ihnen an einen Tisch setzen“, sagte Töberich bestimmt und lieferte damit den Beweis, dass nach Russeau zwischen dem Namen und seinem Träger „tiefsitzende Beziehungen walten“. Gegenüber ihres Grundstückes gäbe es eine Fläche von geschätzt 100 000 Quadratmetern, wo die Stadt Sozialwohnungen bauen könne, so viele sie möchte, sagte Töberich. Sie könne kein Objekt mit einer Zwei-Klassen-Grenze bauen, da man sich damit den sozialen Unfrieden ins Haus hole. Jede Wohnung, auch im Hochpreissektor, entlaste den Wohnungsmarkt, so ihr Credo. Es war kein Wunder, dass sich auch eine andere starke Dresdner Akteurin von der Aktion angesprochen fühlte. Pegida-Oberbürgermeisterkandidatin Tatjana Festerling kreuzte auf und stieß mit einem Gläschen Champagner an. Sie blieb aber im Hintergrund. „Ich will mir das hier nur mal anschauen“, sagte sie zu Passanten und Picknickern, die sie erkannten und ihre Hand schütteln wollten. Wobei wieder deutlich wurde, dass Dresden derzeit einem politischen Pulverfass gleicht. Eine vergleichsweise harmlose Investorenposse, die normalerweise die Sphäre der Hinterzimmer und Bauausschüsse nicht verlässt, hat hier das Zeug, ähnlich wie Pegida, zum Kristallisationspunkt einer Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Politik zu werden. Die Wenigsten würden die Hände rühren, um einen Investor für Luxuswohnungen auch noch zu unterstützen. Aber in der Töberich-Sache wird das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen berührt. Luxus hin oder her, auf seinem Grundstück, seinem Eigentum, muss ein Investor machen können, was er will und was genehmigungsfähig ist. Es könne nicht sein, dass eine ideologische Mehrheit einfach daherkommen könne und sich auch noch auf Kosten dieses geschurigelten Investors ein rot-grünes Wolkenkuckucksheim bauen lassen will. In diesem Sinne interpretierbar ist das Erscheinen von Dresdner Gesellschaftsgrößen wie Karl-Heinz Bellmann und Wolle Förster, der genüßlich mitpickte. Dass ein solcher Schaukampf, bei dem blutige Wunden gerissen werden, auch die politischen Piranhas anzieht, versteht sich von selbst. So zählen zum engen Unterstützerkreis Johannes Lohmeyer und Barbara Lässig von der im Herbst 2014 aus dem Landtag gewählten FDP, sowie Patrick Schreiber, der für die CDU im Landtag sitzt. Die AfD, die gerade drüben im ICC einen „Demokratiekongress“ abhält, kam in einer Pause herüber und sah Demokratie live. Allen voran ihr OB-Kandidat für Dresden Stefan Vogel, aber auch Mitglieder der Landtagsfraktion.

DSC_0272

Auch die Gegner des Bauvorhabens waren vor Ort und zeigten Flagge. Dennoch blieb alles friedlich. Foto:leo

Die Atmosphäre blieb trotz der zu erwartenden Emotionen gelöst und friedlich. Auch die Gegenseite war mit einer Handvoll Aktivisten vertreten. Bis auf einige Zwischenrufer gab es keine Störungen, was wohl auch an dem unmissverständlichen Auftreten der Sicherheitsleute lag. Das „gegnerische Lager“ hatte sich ebenfalls ganz bürgerlich zum Picknick niedergelassen. Sogar Tischdecken waren zu sehen. Hunde tollten umher, Bier wurde getrunken. Einer trommelte ab und zu, den Blick in ein imaginäres Nichts gerichtet, einige dumpfe Schläge, als kündige sich die Apokalypse an. „Scheiß auf Deutschland“, stand auf dem T-Shirt eines in die Jahre gekommenen Anti-Töberich-Aktivisten, der dazu in kurzen Intervallen an einer Bierflasche nippte. PR-technisch ein glatter Punktsieg für „Töbi“. Boulevard und Fernsehen hatten schöne Bilder, die Gegner keine oder zumindest gefühlt die schwächeren Argumente beim öffentlichen Schlagabtausch am Mikro und die Architektin selber wird die Erfahrung mitgenommen haben, dass ein Picknick eine viel effektivere Art ist, den Elberadweg zu sperren als dessen Teilaufriss. Denn zeitweilig ging nichts mehr am Pieschener Hafen. Und damit schafft man es vielleicht sogar in die Hauptnachrichten. Rubrik: Was ist denn heute wieder in Sachsen los? Und hier gibt es inzwischen so etwas wie einen Club der Unruhestifter. Stifterinnen, um genau zu sein. Herzlich willkommen, Töbi. Für den Anfang nicht schlecht.


Hinterlasse einen Kommentar

AC/DC – nothing else

AC-DC-5356Foto-Kube

Da waren sie: Die Idole meiner Jugend. AC/DC live und ganz nah. Foto: Thomas Kube

Ein chinesisches Sprichwort sagt: Alles kommt zu dem, der warten kann. Bei mir waren es 30 Jahre. Und Sonntag war es soweit. Das Warten hatte ein Ende. AC/DC live und leibhaftig. Da standen die vier Buchstaben, die wir als Schüler in die Tischplatten des Chemieraumes eingeritzt hatten. Oder mit Kuli auf einen Hefter in der Lehrausbildung, um die Ausbilder zu ärgern. Wobei die ganz alten gar nichts dabei fanden. Sie wunderten sich nur, warum wir ausgerechnet auf dem Hefter für Hydraulik dieses Zeichen aus der Elektrotechnik so kunstvoll malten und nicht auf den für Fahrzeugelektrik. Aber was wussten die schon von Malcom und Angus Young? Was haben wir den Rias laut gedreht, wenn „Highway to Hell“ ertönte. Oder „TNT“, oder „Nightprowler“ oder „A Touch to much“. Oder, oder, oder. Die vier Buchstaben mit dem Blitz in der Mitte stehen bis heute für ungezügelte Kraft und hemmungslose E-Gitarrenklänge. Zu DDR-Zeiten kam der Reiz des Verbotenen dazu, weil Westen. „No Stop-Signs, speed limits“, heißt es in „Highway to Hell“. Ein Slogan, der jeden Biker anmacht, der aber auch gut zur politischen Entwicklung passen könnte. Aber wenn am Ende dieses Highways Angus Young steht und mit den Zeigefingern „Hörner macht“, dann geht die Party so richtig los. Der Irre sieht mit seinem 60-Jahren aus wie ein Buchhalter auf Droge, wenn er mit geöffnetem Mund, völlig gedankenverloren seinen Riffs nachlauschend wie ein Derwisch über die Bühne hüpft. Sein Publikum ist mit ihm gealtert. Es heißt, er trinke nur Milch und Tee, rühre keinen Tropfen Alkohol an. Sein Bruder Malcom tat es und sitzt heute mit Demenz im Altersheim. Wisse nicht mal mehr, was das heißt, AC/DC.

AC-DC-4838Foto-Kube

Angus Young – ein Buchhalter auf Droge. Genial. Foto: Thomas Kube

Hier gilt 40 als die absolute Untergrenze. Was jünger ist, verschwindet im Promillebereich. Viel Schwarz, viel Leder und viele stattliche Bäuche, die plötzlich zu „Thunder“ in Ekstase geraten. Etliche sind mit ihren Biker-Kutten dabei, darunter auch ein paar Onepercenter. Versteht sich. Das hier ist ihr Kirchenchor. 90 000 wurden in Dresden erwartet, und sie setzten die Stadt unter Starkstrom. Viel Polnisch und Tschechisch war auch zu hören. Von 17 bis ein Uhr nachts ging gar nichts mehr in der Gegend um die Flutrinne. Selbst die Autobahn war zweitweise zu im Bereich Dresden. Das Ganze war neben dem Konzert ein gigantisches Merchandising-Event. Eine Unzahl von Fressbuden von Donats bis thailändischen Nudeln sorgte für die Speisung der Massen. Das Bier lief in Strömen. Einige haben sich regelrecht zugelötet, dass sie den Auftritt ihrer Stars gar nicht mehr mitbekamen.

Foto(21)

Flaschensammler machten ein Vermögen am Sonntag. Foto: leo

Flaschensammler machten ein Vermögen. „50 Euro in der Stunde“, raunte ein Nebenmann und deutete auf eine Frau mit einem Beutel voller Flaschen. Was reingeht, will auch wieder raus. Bei Männern ist das unkompliziert. Und mit steigendem Pegel sinkt die Bereitschaft, dafür weite Wege in Kauf zu nehmen. Die Veranstalter hatten das einkalkuliert und Freiluft-Pinkelwürfel aufgestellt. Die sind ebenfalls dixiblau und an jeder Seite kann einer stehen und den Dingen ihren Lauf lassen. Die ganze Szene war taghell ausgeleuchtet, so dass keiner sagen konnte, er habe das Ziel nicht erkennen können.

Foto(22)

Pinkeln leicht gemacht. Männer mögen das unkompliziert. Und Zuschauer stören dabei gar nicht. Foto: leo

Ringsherum waren Bauzäune mit Planen aufgestellt. Nun hat die Flutrinne aber die Besonderheit, dass sie an den Rändern ansteigt. Hier hatten sich viele hingestellt, um besser sehen zu können. Die schauten nun auch ständig in das lustige Pinkel-Amphitheater, wo ständig ein Kommen und Gehen war. Kommen: eilig. Gehen: entspannt. Beim Gehen am Ende wurde es dann kompliziert. Kaum waren die Schlussakkorde durch, setzten sich die Massen in Bewegung. Doch dann stand man erstmal. Hauptsächlich Mann an Mann und es ging nur trippelweise vorwärts. Beklemmend, wenn man mittig im Strom der Leiber stand. Jetzt bekam man eine Ahnung wie das in Duisburg gewesen sein musste. Und noch dazu in einem Tunnel und bei Hitze. Hier hatte der Abend schon für Abkühlrung gesorgt. Auf den Wiesen lag bereits Tau. Deshalb konnte man sich die Zeit damit vertreiben, indem man beim lustigen Rockerkugeln zusah. Einig stark betankte, versuchten die Käfernummer, indem sie immer wieder schwankend versuchten, die Böschung zu erklimmen. Kurz vor dem Ziel bekamen sie einen Tremens und abwärts gings rollenderweise unter dem Johlen der Massen. „Komm, Junge,  gib nicht auf “, wurde einer immer wieder angefeuert, dem der Alkohol die nötige Ausdauer bei der Erstürmung des Hanges verlieh. Schließlich kam langsam Bewegung in den Lavastrom aus Menschen. Wer es bis zur Flutrinnenbrücke und damit zum kurzen Weg Richtung Mühle und Güterbahnhof schaffte, konnte sich Zeit lassen. Das Verkehrschaos des Rückweges nahm gerade erst Fahrt auf. Auf dem Festgelände ratschten schon Elektroschrauber. LKW stießen mit geöffneten Ladetüren rückwärts an die Bühne heran, Roadies steckten Absperrgitter zusammen.

Foto(25)

Zeitvertreib am Flutrinnenhang. Rocker mit starker Schlagzeite versuchten hier die Käfernummer und kullerten immer wieder hinab. Stimmung bis zum Schluss. Foto: leo

AC/DC ist ein Wirtschaftsunternehmen, das wie ein Uhrwerk funktioniert. Diese Woche geht es nach Warschau. Bei diesem Tourplan muss jeder Handgriff sitzen, zählt jede Minute. Feiern und Tourromantik wird es da weniger geben. Wenn es sie je gab. Einige Bierverkäufer versuchten noch ihre letzten Büchsen loszuwerden. Mit geringem Erfolg. Zwei Kameraden vor mir hatten einen Kumpel rechts und links untergehakt, weil er leicht die Orientierung verloren hatte. Nicht aber den Appetit auf noch ein Bierchen. „Du kriegst nichts mehr“, sagte einer der Abschlepper, „sonst läufste alleine“. „Kein Problem“, sagte der Mittige und riss sich los. Weit kam er nicht. Nach einer gefährlichen Abwärtskurve griffen die Kumpels wieder zu und brachten ihn auf die richtige Bahn. So wie sie da liefen, das lebendige Bandlogo: AC und DC und in der Mitte der abgeknickte Blitz. Zeitweilig etwas kraftlos. Ein richtig schöner Abend.


Ein Kommentar

Der Biber begrüßt die Wölfe

DSC_0040A

Wer Russisch gelernt hat, kann es lesen. Alle anderen verstehen es aber auch so. Foto: leo

Heute mal was auch in eigener Sache. Viele haben vielleicht die Kontroverse um die russischen Biker „Нощние Волки“ (Nachtwölfe) mitbekommen. Diese hatten vor, eine Tour durch halb Europa von Moskau nach Berlin zu fahren. Damit wollten sie an den Weg der Roten Armee bis zum Sieg über Hitlerdeutschland 1945 in Berlin erinnern. Enden sollte das Ganze mit einer Kranzniederlegung am Treptower Ehrenmal. Doch schon die Ankündigung sorgte für eine heftige Gegenreaktion der Politik. Polen verweigert den Bikern die Einreise, Deutschland erkannte selbst gültige Visa nicht an, als einige über Berlin-Schönefeld per Flugzeug einreisen wollten. Aber ein paar ist es doch gelungen. Sie nutzten wie derzeit viele andere auch die ungesicherten Grenzen des Schengenraumes und sind unterwegs nach Berlin. In Sachsen gibt es seit rund zwei Wochen diverse Aktivitäten von Bikern, die russischen Gäste an der Grenze zu empfangen und auf ihrem Weg nach Torgau zu begleiten. Der Elbebiber wird sich an dieser Aktion beteiligen und live berichten.
Warum? Ganz einfach, weil auch ihn das Thema Ukraine und ein drohender Konflikt mit Russland keine Ruhe lässt. Nun könnten Kritiker einwenden, wozu eine „Siegestour“ der Russen mitfahren? Schließlich durfte nach der Wende und den Jahren der verordneten Freundschaft zur Sowjetunion endlich auch gesagt werden, dass sich diese Soldaten auf ihrem Marsch nach Berlin nicht wie Befreier, sondern zu großen Teilen wie eine entfesselte Soldateska aufgeführt haben. Goebbels brauchte keine große Propaganda machen. Die Soldaten, die im Osten kämpften, sahen was los war, wenn sie Gebiete kurzzeitig wieder zurückerobert haben. „Die Russen“ haben geplündert, massenhaft vergewaltigt und wahllos gemordet. Und nach der Kapitulation installierten sie das nächste Unrechtsregime stalinscher Prägung im Osten des Landes. Das ist alles richtig. Aber sollte es nicht gerade nach 70 Jahren Zeit sein, die Hand zur ehrlichen Versöhnung zu reichen? Gerade jetzt, wo ganz offen über einen militärischen Konflikt mit Russland gesprochen wird? Man stört sich an ein paar Stalinabbildungen auf irgendwelchen Fahnen der Biker. Das ist pure Heuchelei. Wenn in der Ukraine, die von uns als junge Demokratie fit für die EU gemacht werden soll, Soldaten mit SS-Runen, Hakenkreuzen und selbst Kinder mit dem Hitlergruß posieren, wird geflissentlich darüber hinweggesehen. Dass Donetzk schon wieder unter Beschuss liegt, taucht in unseren Medien nicht auf. Deshalb gilt es jetzt, „Gesicht zu zeigen“ wie es ständig heißt. Was ist verkehrt daran, auf den alten Soldatenfriedhöfen ein paar Blumen niederzulegen? Es kann nicht schaden, mal kurz innezuhalten und an die Toten auf beiden Seiten zu denken. Sie starben, weil die Politik versagte oder weil einzelne ihre Ideen einer neuen Weltordnung mit Gewalt verwirklichen wollten. Die Völker wollen heute wie damals keinen Krieg. Wie sang Sting in den 80ern: Glaubst Du die Russen lieben ihre Kinder nicht? Die Russen kommen nicht, um in einem späten Triumphzug Deutschland zu demütigen. Gerade den DDR-Bürgern ist noch gut im Gedächtnis, unter welch elenden Bedingungen die „Sieger“ hier in ihren alten, heruntergekommenen Wehrmachtskasernen hausten. Mit Blick auf die Ärmlichkeit der Soldaten und der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung in der ehemaligen Sowjetunion fragte man sich manchmal, wer eigentlich den Krieg tatsächlich verloren hat. Dabei verband das deutsche und das russische Volk schon immer mehr als es trennte. Deutsche Literatur, Musik und nicht zuletzt seine Produkte hatten und haben in Russland einen hervorragenden Ruf und viele Verehrer. Umgekehrt zog es immer viele Deutsche in das rätselhafte, weite Land im Osten. Bismarck erkannte in seinen Jahren als Gesandter in Sankt Petersburg, dass ein gutes Verhältnis zu Russland essentiell für Deutschland ist. Sind seine Erfahrungen nichts mehr wert, nur weil sie über 100 Jahre zurückliegen?
Deshalb muss auch heute gelten: Frieden mit Russland. Lassen wir Putin und die große Politik mal beiseite und begrüßen die russischen Motorradfahrer wie es sich für gute Gastgeber gehört. Fahren ein Stück mit ihnen zu ihren alten Gräbern, trinken ein Gläschen und hören einander zu. Was kann daran so schlimm sein?


Hinterlasse einen Kommentar

Hackerkollektiv enthüllt geheime BND-Suchanfragen der Bundesregierung

176355_Kittelschuerze_xxl

Geheime Suchanfrage aus dem Kanzleramt unter dem ebay-account „Mutti“. Quelle: privat

Die neue BND-Affäre nimmt derzeit richtig Fahrt auf. Das lange arbeitsfreie Wochenende rund um den 1. Mai wurde zwar 1933 von den falschen Leuten eingeführt, aber es bietet auch den Grünen heute genügend Zeit, sich eine Strafe für die Regierung auszudenken. Und so verlauteten Sender Tröglitz und angeschlossene Medien am Sonntag, dass der Bundesregierung ein Ultimatum zugegangen sei. Absender sind die Grünen. Sollte bis zur nächsten Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses am Donnerstag nicht die Liste mit den Suchwörtern aus der neuerlichen BND-NSA-Verquickung vorliegen, wollen die Grünen (Nein, nicht zurückschießen) klagen. Dabei wird doch schon bei näherer Betrachtung unserer Regenten klar, dass das wieder ein Scheingefecht ist. Der BND hält die Suchwörter doch nur aus Gründen der mitfühlenden Staatsräson zurück. Ein Hackerkollektiv aus Finsterwalde, hervorgegangen aus dem Ratiomittelbau „Schwarze Pumpe“, hat die Liste der Suchwörter jetzt online gestellt. Einige Passagen sind auch darin geschwärzt. Es wäre zu persönlich gewesen, hieß es in einem Bekennervideo der Gruppe auf Facebook. Dem Vernehmen nach soll es dabei um Fußpilz und gedächtnisstärkende Mittel gegangen sein. Dennoch zeigt die Liste, dass sich unsere Verantwortlichen in Berlin um Deutschland kümmern.
Unter dem Account „Kanzleramt/Chefin/ganz oben“ sind folgende Suchvorgänge registriert worden:
Kittelschürze blau, günstig
Ebay-Kittelschürze
Kittelschürze Polenmarkt
Kittelschürze Strickmuster
Kohl Memoiren Merkel Passagen
Gauck Stasisakte
Röttgen Endlager
Seehofer nackt
Seehofer Witze
Was hab ich vor der Wahl erzählt?

Unter der eindeutig zuordenbaren Adresse Ursula von der Leyens fanden sich folgende Suchwörter:
Taft Großhandelspreis
Schusssichere Frisuren
Kinderpanzer billig mobile.de
Jagdwaffentauschbörse
Karabiner 98 K Erfahrungen Altbestände
Hubschrauber, seefest auch gebraucht außer Russland
Russland Übersicht
Russland kleinere Ansicht – File not found
Kapitulation Deutschland 1945

Auch das Finanzministerium hat auf die Hilfe der Geheimdienste zurückgegriffen. Wolfgang Schäubles Zugang weist dem Hackerkollektiv zufolge folgende Internetaktivtäten auf:
Deutsches Gold Verbleib
New York Map
Federal Reserve Building History
Sprengdicken Beton
Mörsergranten WK I Wirksamkeit
Ammoniumnitrat legal kaufen
Stirb langsam III
Babbel griechisch lernen leicht Anfänger
Die Deutsche Wochenschau Sturm auf die Metaxas-Linie 1941
Maultaschen vegetarisch
Bürgerinitiative „Fuck off Kehrwoche“

Selbst Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel benutzte die geheimen Suchtools. Unter seiner Registratur fand man Folgendes:
Volkshochschule Berlin Türkisch Fortgeschrittene Anmeldung
Chefkoch.de Cordon bleu selber machen
Panzer als Dienstfahrzeug absetzbar?
Spargeldiät Erfahrungsberichte
Kathrin Oertel privat
Rinderroulade selbermachen in Rotwein
Ananasdiät Erfahrungsberichte
Emirates Flugplan
Zauberhaftes Saudi-Arabien
Blogger Peitsche
Sonnenbrille extra dunkel
Thüringer Rostbrätel richtig einlegen
Brokkoli-Diät Erfahrungsberichte
Verein „Dick, na und“

Selbst das Innenministerium wurde von den Cyberaktivisten nicht verschont. Hier stießen sie auf folgende Suchbegriffe:
Brille günstig
Autosperre polensicher
Asylbewerber wieder loswerden?
Dublin II Vertragstext
Irish Wiskey günstig
Fahrplan Weiße Flotte Dresden-Tripolis
Polizeiruf 11o Hauptmann Fuchs

Wie Sender Tröglitz weiter berichtet, soll die Liste noch unvollständig sein. Man arbeite weiter an der Entschlüsselung von Details, die noch nicht sicher zuordenbar sind.