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Geschichten aus der Elbaue

„Ich bleibe auf jeden Fall hier“

Ein Kommentar

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Tatjana Festerling: Die Mutter zweier erwachsener Kinder ist geschieden, arbeitete als Pressesprecherin eines Bahn-Unternehmens und ist heute selbstständige Marketing-Unternehmerin. Sie liebt Yoga, Psychologie, Lesen, Nachdenken und Kochen. Foto: leo

 

Tatjana Festerling tritt als Kandidatin der Pegida-Bewegung zur Oberbürgermeisterwahl in Dresden an. Castorfiberalbicus sprach mit der gebürtigen Hamburgerin über ihr Engagement in Sachsen und ihre Chancen in der Dresdner Politik.

Frau Festerling, Sie wollen als Kandidatin der Pegida-Bewegung Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden werden. Wie kamen Sie überhaupt zu Pegida, Dresden und dem Orga-Team um Lutz Bachmann?

Ich habe das sehr aufmerksam verfolgt als in den Medien die ersten Berichte über die Demonstrationen in Dresden auftauchten. Anfang Dezember habe ich mir gesagt: Egal, wie viele Kilometer das sind, ich fahre jetzt nach Dresden und schaue mir das an?  Ich bin dann zu Lutz Bachmann gegangen und habe ihm gesagt, dass er meine Hochachtung hat. Trotz seiner Vergangenheit. Aber hier ging es nicht um einen Musterschülerwettbewerb und seine Vorgeschichte hatte auch nichts mit dem Anliegen der Demonstrationen zu tun.
Einige aus dem Orgateam kannten mich aus dem Internet im Zusammenhang mit meiner Darstellung der Hogesa-Proteste in Köln, die übrigens auch ganz anders war wie die Berichterstattung über Pegida. In Leipzig habe ich dann zum ersten Mal geredet. Das war überhaupt die erste politische Rede, die ich in meinem Leben gehalten habe. Aufgrund meiner Reden und Auftritte bei Pegida hat man mich dann im März gefragt, ob ich mir eine Kandidatur bei der Oberbürgermeisterwahl in Dresden zutrauen würde. Und so kandidiere ich nun als eine freie, unabhängige Einzelkandidatin, für deren Kandidatur – für mich völlig überraschend – über 1.000 Dresdner Bürger auf dem Amt unterschrieben haben. Ich freue mich über die „Nominierung“ und die Unterstützung, die ich aus dem großen Kreis der Pegida-Bewegung in Dresden tagtäglich erhalte. Anders ginge es ja gar nicht und das ist großartig.

Waren Sie früher schon einmal in Dresden oder Sachsen?

Ja, ich war sofort im Jahr nach der Wende mehrfach in Dresden. Als freiheitsliebender Mensch hat sich der Fall der Mauer tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Es war fantastisch – überall, wo man hinkam, lächelten sich wildfremde Menschen an, eine zutiefst menschliche Solidarität und Verbundenheit war zu spüren, herrlich! Diese Atmosphäre werde ich nie vergessen.
Dazu gibt es eine Geschichte. Meine Tochter Florentina wurde Ende 1988, mein Sohn Caspar Felix im Februar 1990 geboren. Im Mai 1990 war ich zum ersten Mal mit beiden Kindern in Dresden und spazierte mit Kinderwagen am Elbufer. Wir kamen zu zwei weißen Schiffen, die hintereinander lagen. Das erste hieß „Florentina“, das zweite „Caspar“. Ich dachte, mich trifft der Schlag. Die Prospekte beider Schiffe liegen noch heute in den Fotoalben meiner Kinder. Silvester 90/91 habe ich auch in Dresden verbracht, bei einem schönen Ball im Hotel „Bellevue“.

Was sagen ihre Kinder zu den Aktivitäten der Mutter, die plötzlich als das Gesicht der Pegida durch die Medien geht?

Die sind das gewohnt von mir. Ich bringe mich ein und bekenne Farbe. So habe ich sie auch erzogen.

Sie haben es sicher schon bemerkt, Dresden ist für die Dresdner nicht nur eine Stadt. Sie wird als etwas Besonderes empfunden, was Uwe Tellkamp in seinem preisgekrönten Roman „Der Turm“ sehr anschaulich beschrieb. Wie wollen Sie als „kühle Hamburgerin“ die Herzen der Dresdner erreichen?

Die Dresdner haben vollkommen Recht – Dresden IST etwas Besonderes! Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick: bei der Stadt, bei den Menschen, die ich als besonders feinsinnig und freiheitsliebend empfinde und bei der Umgebung Dresdens. Hier finde ich alles, was mich glücklich macht: den Fluss, den ich schon in Hamburg so geliebt habe, Berge, Rapsfelder, Weinberge – es ist perfekt! So kühl wie das Vorurteil über Hamburger bin ich übrigens nicht… Ich glaube, die Dresdner können sehr gut unterscheiden zwischen Anbiederei und echter, authentischer Zuneigung. Wenn ich bei Pegida ans Mikro gehe und die Menschen und Flaggen sehe, geht mir das Herz auf. Es freut mich, dass ich es schaffe, in meinen Reden das auszudrücken, was vielen, sehr vielen Dresdnern auf der Seele brennt und sie selber aufgrund von drohenden Sanktionen selber nicht äußern können.

Pegida hat starken Gegenwind, um es vorsichtig auszudrücken. Schon AfD-Plakate werden im Wahlkampf heruntergerissen oder beschädigt. Wie wollen Sie die Menschen auf ihre Kandidatur aufmerksam machen?

Das ist in der Tat ein Problem. Schon jetzt sind die Laternenpfähle mit den Plakaten des OB-Kandidaten-Trios bestückt – Masse, statt Klasse fällt einem dazu wohl als allererstes ein. Als zweites strahlt diese Omnipräsenz aus, dass da wohl Leute sehr an ihren politischen Posten hängen und diese keinesfalls verlieren wollen. Plakate einer unabhängigen, freien Kandidatin, die nicht verstrickt ist in den Dresdner Klüngel und als OB z.B. Transparenz und Wahrhaftigkeit einfordern könnte, wird als Bedrohung, als Gefahr wahrgenommen.
Ich habe immer gesagt: Es geht nur gemeinsam, das heißt, diesen Wahlkampf werden wir gemeinsam gestalten. Wir werden mobile Wahlkampfsäulen haben, Anhänger, die durch die Stadt fahren, viele Flyer verteilen, und natürlich auch Plakate hängen. Jeder Pegida-Spaziergänger wird zugleich auch Wahlkämpfer für mich!

Im Dresdner Stadtrat hätten Sie es mit einer rot-rot-grünen Mehrheit zu tun.Wie wollen Sie ihre Gegner inhaltlich stellen?

Ja, das wird sicher nicht harmonisch, aber das halte ich für gesund. Es wäre doch furchtbar, wenn der OB nun auch noch aus dem rot-rot-grünen Lager käme – das wäre ja noch lähmender für Dresden, als eine Große Koalition. Nein, zur Politik gehören Auseinandersetzungen und das Ringen um die beste Lösung zum Wohle des deutschen Volkes und der Dresdner Bürger. Und ich werde konsequent die Interessen der Bürger vertreten, die sich durch diesen Stadtrat nicht repräsentiert sehen. Und das sind sehr viele. Die größte Wählergruppe – die der Nichtwähler – wird bisher überhaupt nicht vertreten.

Im Lager der Pegidaanhänger wird ihre Kandidatur begeistert gefeiert. Aber sie selbst kommen aus der PR-Branche und wissen, wie man Chancen nüchtern einschätzt. Wieviel Prozent würden Sie sich selbst geben?

Ich kann es nicht einschätzen, es gibt viele Faktoren – wie zum Beispiel die Wahlbeteiligung. Alles ist möglich. Wenn wir es schaffen, viele, viele Nichtwähler zu motivieren, diesmal zur Wahl zu gehen, dann kann das Ergebnis sehr beachtlich für mich werden. Dazu kommen viele Protestwähler, die die Nase voll haben vom politischen Gemauschel in Dresden, das die drei Kandidaten Stange, Ulbig und Hilbert ja schon sieben Wochen vor der Wahl als „OB-Trio“ bei der Landespressekonferenz demonstrierten.

Egal wie die Wahl ausgeht, mit Ihrer Kandidatur, der des AfD-Mannes Vogel und der von CDU-Minister Ulbig treten quasi drei konservative Bewerber an, die sich gegenseitig Stimmen wegnehmen. Welchen Kandidaten würden Sie ihren Anhängern empfehlen, sollte es zu einer Stichwahl kommen, bei der einer aus dem konservativen Lager vor Ihnen liegen würde?

Es ist überhaupt nicht „egal“ wie die Wahl ausgeht! Schauen wir erst mal, welche Resonanz diese Vertreter üblicher politischer Organisationen – und das sind die drei von CDU, FDP und AfD ja nun mal – aus dem Dresdner Bürgertum jeweils erhalten. Daraus ergeben sich Folgerungen. Selbstverständlich lebe ich nicht im Glaskasten, sondern werde gern mit dem einen oder anderen spätestens nach dem Wahlabend am 7. Juni darüber sprechen, ob die Stadt Dresden es verdient, eine kunterbunt-rote OB Stange zu erhalten. Mit Sicherheit kann ich sagen: Die Chance steht gut für Dresden, dass bei entsprechender Mobilisierung derartiges im 2. Wahlgang verhindert werden kann.

Mal angenommen, die nächste Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden hieße tatsächlich Tatjana Festerling. Was wäre die erste Amtshandlung der Neuen im Rathaus?

Als erstes will ich jeden einzelnen Mitarbeiter und seine Aufgaben im Rathaus kennenlernen. Ich will wissen, was die Mitarbeiter beschäftigt, was sie gut finden, wo es Verbesserungspotenzial gibt, aber auch, was sie belastet. Mir ist wichtig, dass die Mitarbeiter in der Verwaltung als kooperative, bürgernahe und gut gelaunte Mannschaft wahrgenommen werden. Dazu gehört die respektvolle Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung.

Welche Schwerpunkte würden Sie langfristig für Dresden setzen?

Dresden hat das Potenzial, die heimliche Hauptstadt als politisches, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum und die Keimzelle für eine Neugestaltung Deutschlands zu werden. Ich sehe Dresden vor allem als Familien freundliche Kulturhauptstadt und Wissenshochburg Deutschlands, in der Familien und Kinder wertgeschätzt und durch ein hohes Bildungsangebot vielfältig gefördert werden. Dresden kann Vorbild einer Großstadt sein, die ihre Zuwanderung selbstbewusst so regelt, dass sie wahrhaftig bereichernd, kultursensibel und integrationsfähig läuft. Wir müssen einen gesunden Mix finden, in dem stolz Altes bewahrt und Zukunftweisendes geschaffen wird.

Wie geht es mit Ihnen und Pegida nach dem 7. Juni weiter?

Gehen wir mal davon aus, dass es mit mir zu einem zweiten Wahldurchgang kommt und das hieße noch einen Monat weiter Wahlkampf in Dresden. Im Sommer kann ich dann wohl mal ein bisschen Zeit finden zum Ausruhen, Sammeln, Strukturieren. Und Pegida wird sich bei kommenden kommunalen Wahlen mit unabhängigen Bürgermeistern, Landräten beteiligen und sich so in den Kommunen weiter verwurzeln können. Der Zusammenhalt untereinander ist enorm, die 10.000 Menschen sind wie eine große Familie geworden. Ich persönlich habe meine Wahl schon getroffen. Ich bleibe auf jeden Fall hier und habe bereits meinen Wohnsitz dauerhaft hierher verlegt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

Ein Kommentar zu “„Ich bleibe auf jeden Fall hier“

  1. Klare Worte einer starken Frau mit Köpfchen! Danke für den Beitrag und herzliche Grüße, Sylvia.

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