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Geschichten aus der Elbaue

Schlappe für „Schlappi“ und die Einzelkandidaten

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Dort, wo es eine echte Auswahl an Kandidaten gab, stieg die Wahlbeteiligung über das sonst übliche Maß von 50 Prozent. Foto: leo

Die Bürgermeisterwahl ging weitgehend ohne große Überraschungen ab. Ansatzweise spannend war sie nur in Weinböhla, weil hier der Amtssessel alterswegen frei wurde. Wer den Ort passierte, sah seit Wochen nur eins: Mann mit Hut und SPD. Doch umgekehrt proportional zur Masse seiner Plakate fuhr SPD-Bewerber Ulrich Wagner das schlechteste Ergebnis ein. Sein Hutkonterfei hatte ihm schon kurz nach Erscheinen der Bilder in Gemeindekreisen den Beinamen „Schlappi“ eingebracht. Ganze 110 Wähler konnte der Bewerber aus dem Nachbarort in Weinböhla damit von sich überzeugen. Magere 2,2 Prozent. Ein bißchen ging es ihm wie seinem Parteikollegen Martin Dulig bei der Landtagswahl. Auch der zog mit einer teuren Kampagne und einer unglaublichen Masse an Plakaten durchs Land, nur um zwei Prozentpunkte mehr als beim letzten Mal zu holen. Optik ist eben nicht alles. Egal, ob mit oder ohne Hut.

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Die Masse an Plakaten bürgt nicht für den Sieg. Das musste „Schlappi“ Ulrich Wagner in Weinböhla erfahren. Foto: leo

Haushoher Sieger im ersten Wahlgang war Siegried Zenker (CDU), der nun die Gemeinde in den kommenden sieben Jahren leitet. Überraschend dagegen das Ergebnis von Elke Wällnitz. Die wurde von der Bürgerinitiative Weinböhla eher mehr aufgestellt, damit man überhaupt einen Kandidaten hatte, wie es vor der Wahl zu hören war. Ihr Ergebnis von 19,7 Prozent sollte sich der Neue im Rathaus genau anschauen. Zeigt es doch, wie mächtig die Bürgerinitiative immer noch ist, die vor 15 Jahren seinen Vorgänger fast aus dem Rathaus vertrieben hatte, weil der beim Abwasser auf ein Bezahlmodell setzte, das seine Weinböhlaer nicht mitmachen wollten. Bäckermeister Stan Schirmer scheint einen großen Freundeskreis zu haben, denn sein Ergebnis von 15,1 Prozent ist beachtlich für jemanden ohne große Partei oder langjährig bekannte Initiative im Rücken. Die 9,3 Prozent von Andreas Overheu dürften fast komplett bei der CDU gefehlt haben, was deren Ergebnis in vor-alternativlosen Zeiten noch eindeutiger gemacht hätte.
In Coswig konnte sich Frank Neupold über ein Ergebnis freuen, das mit 87,6 Prozent fast an DDR-Zeiten erinnert. Der offiziell parteilose, aber CDU-nahe Amtsinhaber kann mit sicherer Mehrheit regieren. Allerdings auch kein Wunder bei nur einem zögerlichen Gegenkandidaten, der wohl selbst nicht von seiner Kandidatur überzeugt war. In Radebeul ein ähnliches Bild. Hier schaffte der Amtsinhaber 73,7 Prozent gegenüber seiner einzigen Herausforderin, die bei 26,3 Prozent landete.
Was deutlich wird: Die Wähler machen das Spiel nicht mehr mit, wenn es keinen echten Wettbewerb gibt. In Coswig gingen überhaupt nur 39 Prozent wählen, in Radebeul waren es 49 Prozent.
Zum Vergleich: Im benachbarten Weinböhla gingen fast 60 Prozent wählen. Davon abgeleitet lässt sich sagen, der alte Spruch variatio delectat gilt auch hier. Viele Bewerber, ein offenes Rennen und Wettstreit der Ideen und Konzepte, selbst reine Protestgruppierungen, machen diese Spielart der Demokratie wieder attraktiv fürs Wahlvolk. Da braucht man keine flammenden Appelle an irgendwelche staatsbürgerlichen Gefühle, was immer das auch sein soll, zu richten. Der Bürger hat ein feines Gespür dafür, wenn er nur noch als Statist herhalten soll. In diesem Fall für das Stück namens kommunale Selbstverwaltung. Da bleibt er lieber gleich zu Hause und murmelt den in Sachsen berühmten Satz vom Dreck und dem „alleene machen“.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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