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Geschichten aus der Elbaue

Pegida und die 1000 Helferlein

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Mit dem „Tatjana-Mobil“ tourte ein Anhänger tagelang durch Dresden. Das Fahrzeug wurde iegens zu dem Zweck gekauft und umgebaut. Kennzeichen: DD-TF 76 – Tatjana Festerling 7. Juni. Foto: leo

Pegida hat nicht nur die Wahlbeteiligung in Dresden aus dem Keller geholt, sondern auch alte DDR-Tugenden wieder aufleben lassen. Die da lauten: Witz, Findigkeit und private Initiative. Da gab es Laubenpieper, die die Wand ihres Häuschens im Grünen als Plakatfläche für „Tatjana“ nutzten. Einer hatte extra einen Kleintransporter so umgebaut, dass auf die Ladefläche ein Gestell für ein Großplakat passte. Mit dem „Tatjanamobil“ drehte er dann seine Runden durch Dresden. Das hatte den Vorteil, dass er mehrmals am Tag die besonders stark frequentierten Orte der Stadt anfahren konnte und er dem Gegnern kein festes Ziel zur Zerstörung bot. Zupass kam der Kandidatin, dass sich wie Professor Werner Patzelts Studenten richtig herausfanden, unter ihren Anhängern viele mit einem auskömmlichen Einkommen oder kleinen Firmen befinden. Einem gehört beispielsweise ein Ruinengrundstück im Dresdner Zentrum, wo sich eine alte Hausfassade hervorragend als Fläche für übergroße Werbeplanen machte. Ein anderer hatte im Handumdrehen eine Hebebühne organisiert und schon schaute die Pegida-Kandidatin den Autofahrern auf einer der belebtesten Kreuzungen der Landeshauptstadt in die Augen.

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Der Kassenbon als politischer Wahlwerbezettel. Idee eines Dresdner Gastwirts aus dem Pegida-Unterstützerkreis. Quelle: privat

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Pegida-Radler in Dresden. Quelle: privat

An einer Fassade gegenüber hatte die CDU ihren Kandidaten Ulbig beim Klettern abgebildet, was aber eher aussah, als hinge er am Rande des Abgrunds. Ein Restaurantbesitzer nutzte eine Funktion seiner Registrierkasse für Propagandazwecke und ließ auf jeden Bon einen Wahlkampfslogan drucken. Auf so etwas muss man erstmal kommen. Andere schnappten sich Plakate und brachten diese in ihrer Umgebung an. Berichtet wurde sogar von regelrechten Plakatpatenschaften.

Dabei behielten wachsame Nachbarn die Pappen mit ihrer Tatjana drauf im Blick und passten auf, dass sich niemand daran zu schaffen machte. Gesichtet wurden sogar Radfahrer mit einem Plakat der Pegida-Kandidatin auf dem Rücken. Selbst am Wahlwochenende als in Dresden tropische 35 Grad herrschten, stapften Pegida-Anhänger in sengender Hitze über Parkplätze von Supermärkten mit Tatjana-Schildern um den Hals. Pegida soll sogar therapeutische Wirkungen haben. So berichtete Kandidatin Tatjana Festerling von tausenden Privatnachrichten über Facebook. In einigen offenbarten ihr Anhänger, dass sie sogar schon ihre Therapiesitzungen beim Psychotherapeuten für den montäglichen Spaziergang ausfallen ließen, weil sie dort mehr Linderung ihrer seelischen Nöte fanden.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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