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Geschichten aus der Elbaue

Jetzt also auch Kesselsdorf

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Neben Pegida-Gründer Lutz Bachmann war auch Pegida-Sprecherin Tatjana Festerling in Kesseldorf und beteligte sich an der Diskussion. Foto: leo

Im zweiten schlesischen Krieg fand hier die Schlacht bei Kesselsdorf statt, in deren Folge Dresden in die Hand der Preußen fiel.
In der aufgeheizten und überfüllten Sporthalle der SG Kesselsdorf fehlte am Dienstag nur noch der sprichwörtliche Funke und es hätte eine Neuauflage der Schlacht gegeben. Diesmal allerdings nicht in der Konstellation Sachsen gegen Preußen, sondern Bürger gegen Obrigkeit. Es war auch nicht der Alte Dessauer, der hier angriff, sondern Pegida Gründer Lutz Bachmann mit Gattin und Frontfrau Tatjana Festerling hatten sich unters Volk gemengt und ergriffen das Mikrofon.
Es geht wie derzeit fast überall zwischen Flensburg und Garmisch um die Schaffung von Wohnraum für Asylbewerber. In Kesselsdorf ist das die Sachsenallee 124, die als Adresse zur Debatte steht. Und das sorgt für Unruhe im Ort, wie bereits eine kleine Demonstration von Bürgern zur Versammlungshalle zeigte. Kesselsdorf weist insofern große Parallelen zum nahegelegenen Freital auf. Nur mit dem Unterschied, dass es hier die viel zitierte Mittelschicht ist, die rebelliert und keine „abgehängten“ Plattenbewohner, die sich aus Altersgründen oder wegen fehlender gut bezahlter Arbeit keinen anderen Wohnstandard leisten können. Der Weg zur Sporthalle führt durch ein Gebiet schmucker Eigenheime. Keine Zäune, leuchtende Farben und gepflegter Rasen davor. Die Abzahlungsstände dürften den neuen Fassaden nach bestenfalls irgendwo in der Mitte der Finanzierungslaufzeit liegen. Viele Wortmeldungen begannen dann auch mit Sätzen wie: „Ich wohne seit fünf Jahren hier“ oder „Ich habe mich vor zehn Jahren hier eingekauft“. Jetzt sind die Anwohner in Rage, weil man ihnen 60 Asylbewerber in einen Bau setzen will, der ursprünglich als Gewerbezentrum gedacht war, aber nicht ausgelastet ist. Sorgen bereitet vielen auch, dass der Bus direkt vor der Tür dieses Objektes abfährt und viele Kinder von hier zur Schule fahren. Das ist die Ausgangslage. Auf dem Podium saßen Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother, zu dem Kesselsdorf gehört, Landrat Michael Geisler (CDU) , die Landkreis-Asylbeauftragte Kati Hille und ein Vertreter der Polizei. Erste Unruhe kam auf, als es um die „alleinreisenden, jungen Männer“ ging, die entgegen der medialen Hervorhebung von Flüchtlingsfamilien aus Syrien in Wirklichkeit die Masse der Asylsuchenden ausmachten. Man habe „leidvoll“ lernen müssen, dass sich Tunesier nicht mit Eritreern vertragen, sagte Landrat Geisler und versprach, dass man bei der Belegung diese Erfahrungen berücksichtigen wolle. In vielen Punkten gab Geisler den Kritikern recht. Auch er beklagte, dass unberechtigte und bereits abgelehnte Asylbewerber die Plätze blockierten, die man für die tatsächlich Verfolgten brauche. Das brachte ihm die Frage von Lutz Bachmann ein, warum er dann nicht montags mit Pegida durch Dresden laufe. Geisler konterte, man müsse es schon ihm überlassen wie und an welcher Stelle er seinen Protest gegen die derzeitige Asylpraxis artikuliere. Er verriet jedoch, dass es bei den Treffen der Landräte mit der Staatsregierung in dieser Frage durchaus ziemlich laut werde. Schließlich seien es die Landkreise und Kommunen, die das Ganze ausbaden müssten. Pro Monat brauche man 100 Plätze, um den Zustrom von Flüchtlingen zu bewältigen. Aber die „Musik“ in dieser Sache spiele in Brüssel. Mit Freital hat Geisler immerhin einen Asylstandort in seinem Bereich, der es durch anhaltende Bürgerproteste und Gegendemos in die Weltpresse geschafft hat. Bei den Wortmeldungen kristallisierte sich das inzwischen ziemlich gleiche Muster heraus, wonach auf rund 15 kritische Wortmeldungen etwa zwei kommen, die mit „Pro Asyl“ überschrieben werden können. Viel davon reizen das Publikum zusätzlich durch die Naivität der Aussagen, die sämtliche bereits bekannte negative Umstände der derzeitigen Masseneinwanderung konsequent ausblenden. Auch durch die Verwendung von Worthülsen wie „offener Herzen“ und „Willkommenskultur“. Ein Redner, der offenbar als Richter tätig ist, wie ein späterer bemerkte, warf dem Landrat vor, er würde mit seinen Äußerungen hier der Meinung im Saal viel zu weit entgegenkommen. Als Vertreter eines Netzwerker Asyl hätte er sich ein anderes Auftreten gewünscht. Landrat Geisler konterte knapp. Die Grundlage der Asylgesetzgebung sei das Grundgesetz. „Punkt.“ Neben den oft gleichartigen Wortmeldungen (fehlende Infrastruktur, Angst vor Einbrüchen, Sorge um die Buskinder, mangelnde Präsenz der Polizei) waren zwei bemerkenswert. Ein Freiberger sagte, er habe lange Jahre eine deutlich linke Einstellung zu dem ganzen Migrationsthema gehabt. Aber gerade durch zahlreiche Motorradreisen quer durch Afrika und Asien habe er die Erkenntnis gewonnen, dass viele Völker nur nebeneinander existieren können, wenn sie durch Kontinente getrennt sind. „Hier leben sie aber dann Wand an Wand, und das funktioniert nicht“, so der junge Mann. Deshalb habe er sich zu einem Gegner der derzeitigen Verfahrensweise in Sachsen Asyl gewandelt. Für Stille und Nachdenklichkeit sorgte ein Redebeitrag eines anderen Kesselsdorfers, der von einem Freund berichtet, der aus Algerien stammt und seit über zehn Jahren in Dresden lebt. Dort betreibe er ein Internetcafe, in dem viele Asylbewerber mit Menschen in ihrer Heimat kommunizierten. Da dieser Freund neben Französisch auch Arabisch und einige afrikanische Sprachen verstehe, bekomme er mit, was dort so erzählt werde. Er habe ihn gewarnt mit den Worten: „Uwe, Du glaubst gar nicht, was für Leute ihr hier ins Land lasst“. Darunter seien Mitglieder paramilitärischer Einheiten und bewaffneter Banden aus Ostafrika, darunter auch welche, die schon Menschen umgebracht und Frauen und Kinder vergewaltigt hätten, gab der Kasselsdorfer die Worte seines ausländischen Freundes wieder.
Folgerichtig rankte sich die Diskussion darum, was die Kesselsdorfer tun könnten, um die Belegung des Objektes zu verhindern. Angeregt wurde ein Referendum. In der Diskussion zeigte sich, wie „wasserdicht“ unsere Demokratie gegen genau solche Bestrebungen ist. Auf Gemeindeebene seien Referenden gar nicht möglich, beschied Bürgermeiser Rother die Frager. Das ginge allenfalls im Kreis. Das heißt, die Kesselsdorfer könnten gar nicht über solche, das ganze Dorf betreffende, Dinge auch selbst demokratisch abstimmen. „Guten Morgen, Diktatur“, rief ein Zuhörer aus den hinteren Reihen vernehmlich in die Stille nach der Erklärung. Warum dann der Bürgermeister, überhaupt die gewählten Volksvertreter, nichts im Sinne ihrer Wähler und Bürger unternähmen?, wurde gefragt. Die Antwort von Ralf Rother war immerhin entwaffnend ehrlich. Wenn er als Bürgermeister sich dem Willen seiner Bürger gemäß gegen die Einrichtung einer Asylunterkunft ausspräche, würde man ihm das im ersten Fall wohl noch als einen der Hitze geschuldeten Lapsus durchgehen lassen. Aber spätestens nach dem zweiten Mal, könnten sich die Kesselsdorfer einen neuen Bürgermeister suchen. Wobei er offen ließ, wer dann wen und mit welcher Begründung entfernt. Die Kesselsdorfer hätten gar keine andere Wahl als sich zu fügen, wenn das Land über die Kreise bis hinunter zu den Kommunen Asylbewerber übers Land verteilt. Immerhin habe man aus dem Fall Freital gelernt und informiere rechtzeitig. Denn der Standort soll erst zum 1. Januar 2016 bezogen werden.

 

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

2 Kommentare zu “Jetzt also auch Kesselsdorf

  1. Pingback: Kesselsdorf: Schwerer Konflikt Bürger gegen Obrigkeit um Asylbewerber-Unterkunft | Kreidfeuer

  2. Wo ein Wille ist, da gibt es auch immer einen Weg, Herr „Bürgermeister“. Der Bürgeraufstand wird ganz offensichtlich provoziert, so sehe ich das jetzt.

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