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Geschichten aus der Elbaue

Der September ist noch nicht vorbei

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Autobahn A 8 von Salzburg nach München. Außer einem Stau wird hier nichts produziert. Polizisten sitzen in ihren Fahrzeugen und beobachten den Verkehrsstrom. Es findet keinerlei Prüfung statt. Foto: Beaverpress.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer wurde in seinem Bundesland am Dienstag den ganzen Tag via Bayerischer Rundfunk im O-Ton gebracht. Es seien inzwischen im September rund 170 000 Einwanderer in Bayern angekommen, allein 10 000 am Montag. An einem einzigen Tag. „Und der September ist noch nicht vorbei“, so Seehofer mit dramatischer Betonung.
Wir erinnern uns wie das war, als das Land noch ein völlig anderes war. Vor rund 14 Tagen. Mal ehrlich. Als unser allseits geschätzter Innenminister am 13. September mit schicksalsschwerer Stimme in Berlin (!) vor die Kameras trat, und verkündete, „in diesen Minuten beginnt Deutschland mit der Kontrolle“ hatte das schon ein bisschen was von „seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“. Gestehen wir ein paar Anlaufschwierigkeiten zu, müssten doch jetzt die Grenzen streng kontrolliert werden? Schauen wir uns dazu nur mal die Lage an zwei wichtigen Grenzübergängen im Süden Bayerns und der Republik an. In Kiefersfelden wird die Fahrbahn der A 12 von Innsbruck kommend auf einen Fahrstreifen verengt. Der Stau hält sich am Vormittag noch in Grenzen. Ein Polizist (in Zahlen: 1) steht an der Verengung mit einer Kelle und mustert die Vorbeifahrenden. Hat man diese Kontrolle des souveränen Deutschlands passiert, kann man wieder Gas geben. Ähnlich der Versuchsaufbau an der A 8 bei Salzburg, allerdings mit weitaus verheerenderen Folgen für den Fernverkehr und die Nerven aller Beteiligten. Auch hier verengt man die Fahrspuren auf eine. Während der Verkehr in Kiefersfelden wenigstens noch rollt, steht man hier minutenlang, ohne, dass sich irgendwas tut. Hier sieht die Inszenierung der Kontrolle so aus, dass versetzt um 300 Meter zwei Polizeimannschaftswagen mit der Schnauze entgegen der Fahrtrichtung stehen. Jeweils am Steuer der Fahrzeuge sitzt ein Polizist und lässt den Verkehr passieren. Auf deutscher Seite, rechts am Fahrbahnrand, ist eine Art Partyzelt mit weißen Plastikwänden aufgebaut. Hier sitzen vier Polizisten in gelben Warenwesten über der Uniform und machen das, was man in Bayern wohl eine Brotzeit nennt. Allerdings ohne Bier. Zumindest sind keine signifikanten Flaschenformen zu sehen. Man erkennt im Vorbeifahren große 1,5-Liter-Wasserflaschen auf dem Tisch. Außer einem veritablen Rückstau und etwa einer Stunde Verzug für den Güter- und Urlauberverkehr ist kein Effekt erkennbar. Doch. Einen „Erfolg“ meldet der bayerische Rundfunk von dieser „Front“ an diesem Tag. Ein Verdächtiger Fahrzeuglenker wollte nicht anhalten und trat stattdessen aufs Gaspedal. Fast hätte er dabei noch einen Polizisten umgefahren. Erst 60 Kilometer weiter, kurz vor München, sei er gestoppt worden. Der Iraker hatte sechs Personen ohne Papiere bei sich, heißt es in der Rundfunkmeldung weiter. Keine weiteren Angaben. Wozu auch? Wie es weitergeht, ist hinlänglich bekannt. Die Geschleusten werden zur nächsten Erstaufnahme gefahren, gegen den Schleuser wird ein Verfahren eröffnet. Bis dahin bleibt er auf freiem Fuß und hadert mit seinem Pech. Schließlich kennen wir alle die verstörenden Bilder dieser Schauprozesse gegen Schleuser, die immer mit drakonischen Strafen enden.  Wie Seehofer weiter sagte, seien bis jetzt allein in diesem Monat mehr gekommen als sonst in einem ganzen Jahr. Gleichzeitig meldet der Rundfunk aus München, dass noch nie so viele offene Stellen in Bayern gemeldet wurden. Allerdings schaffte der Sender noch keine rechte Synthese aus beiden Meldungen und damit die  Antwort auf die Frage, weshalb sich Horst Seehofer bei dieser Nachrichtenlage nicht auf den  goldenen Oktober freut.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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