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Geschichten aus der Elbaue

Kein Vor, kein Zurück

2 Kommentare

300px-Sackgasse

Pegida hier, Willkommensjubel da -in Dresden will man aus der Sackgasse der  Diskussion heraus und die Spaltung der Bürgerschaft überwinden.

Dass das hier so etwas wie ein Familienstreit unter Erwachsenen werden würde, bekam ein junger Mann mit einem großen Kameraobjektiv, der sich nur als „Presse“ vorstellte, gleich zu Beginn der Veranstaltung gesagt. Kein Fotos. Das Votum war unmissverständlich: Presse raus. Sichtlich eingeschnappt verließ diese den Saal. Erste Erkenntnis: Als Teil der Lösung wird sie nicht (mehr) gesehen. Ort der Handlung war der Gemeindesaal der Katholischen Pfarrei St. Petrus in Dresden. Eingeladen hatten aber Kirchenleute unterschiedlicher Konfession. Ziel sei es, endlich wieder einen Dialog mit der tief gespaltenen Bürgerschaft Dresdens hinzubekommen, so ein Sprecher. Wenn man es positiv sehen will, dass ausgesprochene Pegida-Aktive mit Menschen aus Bündnissen wie „Leuben für alle“ zumindest schon mal wieder unter einem Dach beisammensitzen, kann man den Abend wenigstens als kleinen Erfolg werten. Aber sonst hat sich wenig am exponierten Dresdner Frontabschnitt mit seinen gut ausgebauten Stellungen und Grabensystemen geändert. Immerhin scheint sich jetzt in Kirchenkreisen, wohl von unten kommend, die Denkart durchzusetzen, dass es mit Lichtaus- und Kerzenan-Aktionen nicht getan ist. Die Widersprüche sitzen tiefer und auch viele Kirchenleute waren „89 dabei“ wie es oft heißt. Umso mehr versucht man, an die Tugenden des friedlichen Protestes von damals anzuknüpfen. Die hießen „Dialog“ und „Keine Gewalt“.
Feststellen muss man dabei immer wieder, dass zugezogene „Wessis“ diese Erfahrung eben nicht gemacht haben, sondern sie, wenn überhaupt, nur im Fernsehen beiläufig gezeigt bekamen. Deutlich wurde das wieder, als eine ältere Frau sofort am Beginn des Diskussionsteils das Wort ergriff, sich als Aktivistin des Bündnisses „Leuben für alle“ vorstellte, und zugleich Prämissen festlegte, dass mit bestimmten Leuten eben gar nicht gesprochen werden könne, weil sie „rassistische Ansichten“ verträten. Nicht nur einmal an diesem Abend mussten sich Vertreter dieser Gruppierung darum den Vorwurf gefallen lassen, weshalb sie sich dann ausgerechnet „Leuben für alle“ nennen würden, wenn sie noch nicht mal mit allen reden wollten? Ein Kirchenmann griff der Dame resolut ins Mikro und sagte, dass es nicht darum ginge wieder mit dem Finger auf andere zu zeigen. Man sei gerade deswegen zusammengekommen, um zu überlegen, was man bei genau dieser Frontstellung tun könne, um die Bürgerschaft wieder zu einen. Der Abend hat gezeigt: Das wird schwer. Man ringt beispielsweise noch um das richtige Format. Frank Richter, der sächsische Landesbeauftragte für politische Bildung, hat mit diesen Gesprächen bereits im letzten Frühjahr unter der heftigen Kritik von Links begonnen. Einzig von SPD-Chef Sigmar Gabriel bekam er prominente Unterstützung. Er setzte auf die Fischbowl-Methode, bei der immer vier Leute an einem Tisch sitzen und reihum reden. Die CDU-geführte Staatsregierung lud zu mehreren Gesprächsrunden ein, deren Teilnehmer vorher ausgelost wurden. Außer Gerede kam dabei nichts heraus. Es entspinnt sich fast zwangsläufig immer eine Choreographie, bei der Befürworter der gegenwärtigen Politik und Gegner Teile ihrer Wahrnehmung darlegen. Nun ist aber seit den Anfängen von Pegida jede Menge Zeit vergangen und so mancher Diskussionspunkt des Vorjahres hat inzwischen durch das tatsächliche Geschehen den Praxistest bestehen müssen. Vieles ist nicht mehr abstrakt, Dystopie oder büchergestützte Vorahnung, sondern bittere Realität. Die Flüchtlingskrise brach ab September flutartig über das Land herein. Es liegen rund eine Million Menschen auf Feldbetten in Turnhallen, Zelten und alten Schulen. Kommunen suchen verzweifelt nach jeder überdachten Behausung. Und inzwischen wissen wir auch: Es sind nicht alle, die zu uns kommen, in stiller Demut dankbar für jeden Teller Suppe, ein Bett und ein Dach überm Kopf. In den Medien ist von einer Zeit „vor Köln“ und der „nach Köln“ die Rede. All die Problematiken sind hinlänglich bekannt und werden von „Merkelpresse“ und „Reschkefernsehen“, so der Kritikerjargon, mehr oder weniger eingestanden und bearbeitet. Und an dieser Stelle wird deutlich. Im linken Lager wird der Widerstand offenbar umso steifer und verbockter, je mehr die Realität der Gegenseite recht gibt. Man will sich das „Narrativ“ (auch so ein schönes, neues Wort dieser Krise)vom edlen Wilden, der da zu uns kommt, um keinen Preis kaputt machen lassen. Deutlich wird das ein kleinen Dingen. So berichtet beispielsweise eine geschätzt 50-jährige Frau, dass sie abends Angst hat, wenn sie mit dem Auto von Arbeit nach Hause kommt. Nicht nach Duisburg-Marxloh oder Dortmund-Nord wie man es mit Schaudern aus dem Westen hört. Nein, nach Dresden-Leuben. Sie schaue immer argwöhnisch, ob vor ihrer Einfahrt nicht „irgendwelche Gestalten“ zu sehen seien, die keine Nachbarn sind. Im Zweifel drehe sie lieber noch eine Runde, ehe sie aussteige und das Tor öffne. Ein junger Mann, dem Habitus mit Hipster-Jacket und Pferdeschwänzchen nach ein Student, schüttelt bei diesen Worten unentwegt den Kopf und schnaubt abwertend. Auch andere Jüngere schauen bei diesen Worten mit gerunzelten Stirnen und raunen sich kopfschüttelnd etwas zu. Eigentlich das klassische Dresdner Bild. Hier die Generation der Eltern und Großeltern, die viel erlebt haben, viel lesen, die mahnen, die warnen, die an Früher erinnern. Da die Jungen, die am liebsten alle zum Schweigen verdammen möchten und stattdessen nur über „Integration“ reden wollen. Schon die vorsichtige Frage, wie die gelingen solle, wenn das Land selber Millionen Arbeitslose habe, die Ankömmlinge in ihrer Mehrzahl weder berufliche Kenntnisse mitbringe, noch die Sprache spreche, wollen sie schon nicht mehr hören. Ein Vertreter dieses Lagers sagte mit triumphierendem Unterton in der Stimme, zu glauben, dass die bisher Angekommenen in Größenordnungen wieder abgeschoben würden, sei eine Illusion. Die Mehrzahl werde bleiben. Man fragt sich, was treibt Menschen so etwas zu sagen und demnach auch so zu empfinden? Woher kommt diese Freude, ja offenbar Lust, das Gewachsene zu zerstören? Eine lohnende Aufgabe für den Politiklehrstuhl der TU Dresden, nachdem man dort die Pegidagänger bis in die letzte Faser durchleuchtet hat. Es sind aber auch Ältere, die sich partout nicht von ihrer selektiven Sicht der Dinge abbringen lassen wollen. Etwa ein älterer Herr in Anzug und mit Krawatte. Dem Äußeren nach mit seinem sorgsam gestutzten Oberlippenbart und den grauen Haaren eine distinguierte Erscheinung wie man sie von Firmengründerporträts oder alten Banknoten kennt. Er sei mit 30 Jahren dienstlich für anderthalb Jahre nach Japan geschickt worden, erzählt er. Dort würden die Kinder mit Finger auf Ausländer zeigen. Das wäre für ihn ein Ansporn gewesen, schnellstmöglich Japanisch zu lernen. Deshalb müsse man den Menschen jetzt Zeit lassen, die Sprache zu lernen. Ob er die Schlagzeilen mitbekommen hat, worin ein Spickzettel thematisiert wurde, der bei einem der Beteiligten des Kölner Sexmobs gefunden wurde? Hat er die Prioritäten zur Kenntnis genommen? Ein anderer, ähnlich würdevoller Vertreter der Migrantenfraktion, war mit drei Ausländern im Konzert und einmal auch in der nahen Kirche, wo gerade jemand auf der Trompete übte. Das hätte seine Begleiter sehr berührt. Das wird mit Sicherheit alles so gewesen sein. Aber es waren ganze drei, mit denen er sich beschäftigte. Allein im vergangenen Jahr kamen nach vorsichtigen Schätzungen ein bis zwei Millionen Fremde in Deutschland an. Es weiß je keiner so genau. Zu 75 Prozent junge Männer. Das sieht jeder, der sehen kann. Auch die Dresdner sehen wie sich ihre Stadt verändert, wenn man nur die Prager Straße entlangläuft. Ebenfalls eine ältere Dame aus der Willkommensfraktion war es dann, die unfreiwillig das Gerede von der Integration entlarvte. Sie kümmere sich um eine Familie „nicht aus Syrien, sondern Tschetschenien“, erzählte sie. Die 23-jährige Frau habe jetzt das vierte Kind bekommen. Mit dem Mann gebe es „Probleme“. Er esse und schlafe, umschrieb sie dessen Tagesablauf. Und sei gewalttätig, weshalb die Frau bereits zweimal umziehen musste. Dann sei er aber doch immer wieder da. Man hatte ihm sogar eine geringfügig bezahlte Arbeit angeboten, so die ältere Dame weiter. Diese hätte er abgelehnt. 100 Euro seien zu wenig, er würde nur für 1000 arbeiten. Die Hälfte des Saales nickte, die andere schwieg. Kein Vor, kein Zurück. Anwesend waren auch zwei Politiker. Arnold Vaatz, der für die CDU im Bundestag sitzt, und Antje Hermenau, die lange Jahre für die Grünen im sächsischen Landtag saß. Viel zu sagen haben beide nicht mehr. Hermenau ist jetzt freie Beraterin und sagt, dass auch Linke eigentlich konservativ seien. Sie galt als die schwärzeste Grüne im Landtag. Arnold Vaatz, Urgestein von 89, hat sich schon frühzeitig zu den Vorgängen in seiner Heimatstadt geäußert und Pegida immer gegen Verdrehungen der Presse in Schutz genommen. Er will die Flüchtlingszahlen reduzieren, durfte dazu auf dem CDU-Parteitag im Dezember etwas sagen, habe aber als „guter Demokrat“ den Mehrheitsbeschluss zu akzeptieren. Und der heißt: weiter so. Interessant war: Vaatz ging auf den vielgeäußerten Vorwurf ein, warum man nicht vorrangig die besonders bedrohten Christen aus Syrien und dem Irak heraushole. Er habe das schon 2008 machen wollen, berichtete er. Doch vom UNHCR sei ihm dann mitgeteilt worden, dass man selber eine Vor-Selektion vornehmen würde. Ihm wollte man nicht vorrangig Christen, sondern Menschen übergeben, die straffällig geworden waren und deren Strafe in Europa milder ausfallen würde. Darunter Zuhälter, Schleuser und andere Straftäter. Man habe es ihm nicht erlaubt, Christen aus den Flüchtlingstrecks zu sieben. Deshalb sei diese Mission erfolglos verlaufen. Prompt meldete sich eine jüngere Frau, die neben dem bekannten Generationenkonflikt in der Zuwanderungsdebatte auch den im Osten überwunden geglaubten Ost-West-Gegensatz zum Vorschein brachte. Man glaubte, dass die Zeit der belehrenden Wessis, die den unerfahrenen Ossis vom Pferd erzählen wie alles zu machen sei, vorbei wäre. Mitnichten. Die Besserwessis wachsen offenbar nach. Die Dame musste, und das fehlt in Statements dieser Personenkreise selten, zunächst einmal ihre Weltläufigkeit unter Beweis stellen, indem sie stolz aufzählte, wo sie schon überall so gelebt habe. Zu der beeindruckenden Liste gehörten auch Berlin und Peking. Tatsächlich. Und jetzt Dresden-Leuben. Was Vaatz erzähle, stimme so nicht, meinte sie. Sie habe selbst im Außenamt gearbeitet und es wäre ganz anders gewesen. Vaatz hielt es darauf natürlich nicht auf seinem Stuhl und er konterte, sie möge bitte zwei Damen, er nannte die Namen, als die damaligen Vertreterinnen der katholischen und der evangelischen Kirchen in dieser Mission zu befragen, ob er lüge. Die Runde brachte das keinen Schritt weiter. Ähnlich ratlos waren die Einlader. Einziger Trost: Es geht weiter. Im Februar will man sich wieder unter der gleichen Rubrik treffen. Bis dahin dürften weitere 50 000 Migranten neu hinzugekommen sein. Wenn der Frost anhält.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

2 Kommentare zu “Kein Vor, kein Zurück

  1. Pingback: UNHCR schickt lieber Straftäter statt Christen nach Asyl-Europa | Kreidfeuer

  2. Hallo,

    danke für diesen Bericht aus der Seele der Dresdner, der Sachsen, der Deutschen.

    Ich fürchte die kommende Veranstaltung ist die letzte dieser Art. Dann ist das Frühjahr da und alle Ströme fließen und und werden zur Flut.

    Sie werden alles weg spülen, die Gutmenschen, die Besserwessies, die Sachsen, die Dresdner, die Dunkeldeutschen und das Pack.

    Wenn sie vorrüber ist werden sich Ander das Land und die Übriggebliebenen zu Untertan machen.

    Traurige Grüße Paule

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