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Geschichten aus der Elbaue

Frauke Petry und die Machtfrage

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Keine Doppel- oder gar Dreierspitze. Frauke Petry wurde souverän zur einzigen Landesvorsitzenden der sächsischen AfD gewählt. An ihrer Seite steht künftig wieder ganz offiziell der Dresdner Medienwissenschaftler Dr. Thomas Hartung. Foto: Beaverpress

Sicher war es nur eine Formalie und niemand rechnete ernsthaft damit, dass es bei der Neuwahl des Landesvorstands der sächischen AfD zu Überraschungen kommen würde. Doch solche Parteitage sind auch immer die Schaubühne von Tritten gegen das Schienbein in Form von plötzlichen Gegenkandidaten oder schmutziger Wäsche. Und nach so etwas so es im Vorfeld aus. Als Kontrahent zu AfD-Chefin Frauke Petry wurde der Leipziger Rechtsanwalt Roland Ulbrich von der Boulevardpresse ins Spiel gebracht. Doch schon am ersten Tag des Landesparteitages war klar, es wird keine Kampfkandidatur geben. Der Parteitag lehnte die Einführung einer Doppelspitze ab und blieb bei der jetzigen Struktur mit einem Landesvorsitz und einem Generalsekretär. Ihre Rede zur Kandidatur hielt Frauke Petry kurz. Sie sprach davon, dass man nicht vergessen dürfe, wer einem die Macht verliehen habe. Die Liebe zur Heimat sei etwas, das man in einigen Teilen Deutschlands nicht mehr ungestraft artikulieren dürfte. In diesem Zusammenhang dürfe man auch nicht zwischen vermeintlich gute und schlechten Patrioten unterscheiden, womit sie vage auf das Verhältnis der AfD zu Pegida und den vielen kleinen Bürgerinitiativen anspielte. Wenn. Mitglieder auf dem Boden des Programms stünden, dürfe man sie nicht ausgrenzen. In ihrer Rede ginng Petry auch auf eine Schlagzeite einer Boulevardzeitung vom Vortag ein. „Petry will an die Macht“, hatte diese getitelt. Wollen wir nur reden, oder wollen wir was tun, fragte Petry. So lange man Wahlkampf mache, bekommen man keine Sachdebatte hin, so Petry. Deshalb sei es ganz wichtig, die Machtfrage im Bund zu stellen. Dazu brauche man schnellstmöglich Neuwahlen. Die Machtfrage in der Partei wurde umgehend geklärt. Petry bekam 84,5 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Hatte Petry ihre Rede zwar scharf, aber doch schon mit der Routine der Bundespolitikerin gehalten, war es der Dresdner Dr. Thomas Hartung, der den Nerv des Auditoriums traf. In Berlin sitze eine „poststalinistische Psychopathin“ an der Spitze. Wie Höcke völlig richtig sage, sei eine „durchgeknallte Pseudoelite“ am Werk. Gegen diese müsse man kleinen Leuten wieder eine Stimme geben. In der Fragerunde kam dann prompt der Vorgang zur Sprache, der 2014 zum Ausscheiden von Hartung aus dem Landesvorstand geführt hat. Damals hatte sich Hartung in einem Facebookeintrag dahingehend geäußert, dass er nicht von einem mongoloiden Lehrer unterrichtet werden würde. Er nahm damit Bezug zu einem Artikel, in dem es um die Inklusion von geistig Behinderten ging, mit dem Sonderfall eines mongoloiden Lehrers. Wie er dazu stehe und ob so etwas nochmal vorkomme?, wurde er gefragt. Hartung antwortete, dass es zur Inklusion von Körperbehinderten keiner Diskussion bedürfe. Zu der von geistig Behinderten stehe er nach wie vor so, dass er das vorbildliche Förderschulsystem beibehalten möchte. Die Inklusion in Regelschulen lehne er ab. Hartung nutzte diesen Einwand, um noch einmal auf die Reaktion zu seinem damaligen Post einzugehen. Er habe eine „berufliche Vernichtung sondergleichen“ erfahren. Es habe keine Anzeige gegeben, das gab der Text nicht her. Seine Stellung als Dozent für Mediengestaltung an der TU Dresden verlor er trotzdem im Zuge dieser Affäre. Auf den Posten des medienverantwortlichen Stellvertreters kandidierte jetzt auch Roland Ulbrich, machte dabei aber keine gute Figur. Nach Hartung, der eine ganze Reihe von journalistischen Stationen einschießlich Promotion in Germanistik und „Fronterfahrung“ bei Sachsen-TV vorweisen konnte, führte Ulbrich als besondere Qualifikation für diesen Posten an, dass er „lesen und schreiben könne.“ In das aufkommende Lachen und Gemurmel kramte er dann noch eine Tätigkeit als Pressesprecher vor vielen Jahren in der Jungen Union heraus, was die Sache aber nicht verbesserte.  Und dann kam doch noch schmutzige Wäsche auf den Tisch. Ob er denn bei seiner Tätigkeit den selben Fleiß an den Tag legen werde wie in seinem Kreisverband Leipzig?, fragte ein Teilnehmer provokant und fügte an, dass von 380 Wahlplakaten wohl noch 350  bei Ulbrich im Keller lägen.
Das Wahlergebnis sah nach dieser Ausgangslage entsprechend aus. Mit 72 Prozent zog Thomas Hartung in den Landesvorstand und nahm sichlich zufrieden auf dem Podium neben Frauke Petry Platz.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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