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Geschichten aus der Elbaue

Es geht um das Land

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Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Quelle: Stat. Landesamt Sachsen-Anhalt

MDR info überraschte seine Hörer am Donnerstag nach den drei viel beachteten Landtagswahlen mit einem Begriff, der im Wörterbuch der Politik eigentlich nicht vorkommt: Demut. Genau diese wollen viele SPD-Mitglieder in Sachsen-Anhalt nach dem Wahlergebnis jetzt praktizieren, so der Sender weiter. Nur noch 10, 6 Prozent schafften die Sozialdemokraten zwischen Altmark und Unstrut. Rund 100 000 Wählerstimmen sind seit der letzten Wahl 2011 von der Stange gegangen. Dieses Ergebnis fordere eben nicht dazu auf, sich über Regierungsbeteiligungen zu unterhalten, sondern eher, den Blick demütig zu senken und in sich zu gehen, hieß es. Vielmehr sollte man jetzt nachdenken, ob man nicht in der Opposition besser aufgehoben sei, findet „die Basis“, so der Nachrichtensprecher weiter. Ein Sonderparteitag soll das zeitnah klären. Mit der Forderung nach diesem „Büßerkonzil“ pfuschen aber die einfachen Mitlieder mit ihrer beschränkten Sichtweise ihren Anführern nur ins wohldurchdachte (und insgeheim wohl längst vorbereitete) Konzept. Denn die haben noch am Wahlabend flugs die neue Parole ausgegeben. Und die heißt: Das Land darf nicht in die Unregierbarkeit abdriften. Das klingt nach Verantwortung, Kärnerarbeit und selbstlosem Einsatz trotz widrigster Umstände. SPD-Spitzenkandidatin Katrin Budde bewies schon mal höchste Widerstandskraft als sie verlautbarte, ihr Amt zunächst nur „ruhen zu lassen“. Wie soll das gehen? Entweder man ist Fraktionschefin oder nicht. Schließlich gab sie es doch auf. Im MDR-Fernsehen war eine Szene zu sehen, wie sie in den Fond einer großräumigen Limousine steigt. Wohl auch ein Grund, den Kampf für das Land nicht vorschnell aufzugeben. Das ist nun vorbei und kommt nicht wieder. Aber es geht zum Glück nicht um schöne Autos, Posten, die doppelten Abgeordnetenbezüge als Fraktionschefin, sondern um Politik für „die Menschen“, die solche Autos nicht fahren und sich auch nie leisten können. Es geht um den Wählerauftrag, den man sich selbst schreibt und natürlich um Verantwortung für „das Land“. Da kann der Sarrazin noch so oft das Gegenteil behaupten und vom „Tier“ sprechen, zu dem „Volksvertreter“ werden, wenn ihre Posten in Gefahr sind.
Aber mit ihrem selbstlosen Einsatz und der beispiellosen Klebkraft, die nur noch von ihrer Erfolglosigkeit bei Wahlen übertroffen wird, ist die Spitzenkandidatin der SPD nicht allein. Gerade im Landtag von Sachsen-Anhalt lässt sich exemplarisch beobachten, was Otto von Bismarck mit dem Begriff „Politik als Erwerbsberuf“ meinte und zeitlebens bekämpfte. Nehmen wir nur den Spitzenkandidaten der Linkspartei, Wulf Gallert. Auch hier bringt uns MDR info „den Menschen“ näher. 22 Jahre ist Gallert Mitglied des Landtages. Zehn Jahre als parlamentarischer Geschäftsführer und dann zwölf Jahre als Fraktionsvorsitzender. 22 Jahre in einem Stück in einem Betrieb. Solche Berufskarrieren gibt es heute gar nicht mehr, müssen sich die Bürger stets belehren lassen, wenn sie in Leiharbeits-Jobs weitergereicht werden oder berufsbedingt die Firmen oder den Wohnsitz wechseln müssen. Das habe es nur in der DDR gegeben, und wo das hinführte, habe man 89 gesehen. Die Globalisierung und die ständig „neuen Herausforderungen“ forderten den flexiblen Arbeitnehmer. Nur eben nicht im VEB-Landtag Sachsen-Anhalt. Und Gallert zieht natürlich auch die Konsequenzen aus dem Abschneiden der Linkspartei. Dreimal sei er als Spitzenkandidat angetreten, dreimal hieß es Abfahrt vom Wähler. Jetzt hat er die Botschaft endlich verstanden und tritt tapfer zurück. Aber, Halt. Was erfahren wir im nächsten Satz? Selbstverständlich bleibt der verdiente Genosse dem „hohen Haus“ erhalten. Er kandidiert als Landtagsvizepräsident. Na, da ist doch alles in Ordnung. Es muss sich niemand Sorgen machen, dass das Arbeitslosenheer um einen armen Mittfünfziger wächst. Und am wenigsten Gallert selber. Die Politikerrente dürfte er auf diesem Posten locker erreichen. Und genau diese Vorgänge erklären, warum noch am Wahlabend die Freiwilligen von Rot bis Grün bei Rainer Haseloff im Musterungsbüro Schlange standen, um die gelichteten Frontreihen der CDU mit eigenen Restverbänden zu schließen. Es geht um das Land. Natürlich, what else? Mal schauen, ob das zumindest „die Menschen von der SPD im Land“ auch so sehen.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

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