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Geschichten aus der Elbaue

Kein „Heidemord“ in Magdeburg

Ein Kommentar

Ein Hauch von Heidemordstimmung ging Montag

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Sachsen-Anhalt hat eine neue Regierung. Aber nach den Querelen um die Wahlen des Landtagspräsidenten und des Ministerpräsidenten dürfte es spannend werden in der Stadt an der Elbe. Foto: beaverpress

mittag durch die Republik. Die Onlinemedien überschlugen sich förmlich mit „Eilmeldungen“. „Sachsen-Anhalts designierter Ministerpräsident Reiner Haseloff scheitert im ersten Wahlgang“, so oder ähnlich lauteten die Schlagzeilen. Erinnerungen wurden wach an die unselige Wahl der langjährigen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis, die 2005 von buchstäblich einer Stimme aus den eigenen Reihen am Wiedereinzug in die Kieler Staatskanzlei gehindert wurde. Nach vier Wahlgängen. Mehr ging nicht. Wahrscheinlich würden sie dort heute noch wählen, wenn die Verfassung des Landes es zuließe. Sechs Wochen später wurde ihr Kontrahent von der CDU zum Ministerpräsidenten gewählt. Fassungslos machte damals nicht nur der Fakt des Verrats, bis heute ist nicht geklärt, wer der „Heidemörder“ war, sondern auch das unheimliche Beharren der Amtsinhaberin, so lange wählen zu lassen, bis es eben wieder passt. „Pattex-Heide“ war damals noch ein anderer Begriff, der die Runde machte.Offenbarte doch dieses kindische Immer-wieder-Wählen, den unstillbaren Drang einer Berufspolitikerin, um jeden Preis den liebgewordenen Posten zu behalten. Die Möglichkeit eines ähnlichen Szenarios mag gestern kurzzeitig den Aufmerksamkeitsfokus der Medien auf Magdeburg gelenkt haben. Doch die Freunde eines erwarteten Schauspiels im Kolosseum mit Toten und Verletzen wurden enttäuscht. Im zweiten Wahlgang schaffte es Haseloff, diesmal sogar mit einer Stimme von der Opposition, also der Afd. Eine andere gibt es in dieser Konsenskoalition nicht mehr. Offenbar war die Aktion in den eigenen Reihen geplant. Haselhoff muss das gewusst oder zumindest geahnt haben. Wohl nicht rein zufällig sprach er vor der Wahl viel von Demut vor der Entscheidung der Abgeordneten. Doch denen stand der Sinn erstmal nach  Geißelung. Zumindest ein Bißchen. Das Ganze war wohl mehr als Schuss vor den Bug  geplant, es mit den afrikanischen Verhältnissen in der Koalition nicht zu toll zu treiben. Denn es brodelt unter der Oberfläche des Magdeburger Auenlandes. Das zeigte sich schon bei der Wahl des Landtagsvizepräsidenten, wo der Afd-Kandidat nicht nur glatt durchkam, sondern sogar recht komfortabel mit Stimmen aus dem Regierungslager, während der Zweite im Bunde, der Linke Gallert, fast aus dem Ring flog. Nach Lage der Dinge konnten die Stimmen nur aus der CDU gekommen sein. Dort schiebt man stillen Frust. Dass man die Macht mit den Sozis teilen muss, wird traditionsgemäß im ehemaligen Höppner-Land hingenommen. Dass aber die 5,2 Prozent-Grünen in dem Agrarland Sachsen-Anhalt ausgerechnet das Landwirtschaftsministerium bekommen, treibt viele Unionsanhänger auf die altmärkische Kiefer. „Wir haben nicht schwarz gewählt, um grün zu bekommen“, stand auf einem Banner, das Demonstranten unlängst durch Magdeburgs Straßen trugen. Vorneweg nahmhafte Vertreter der CDU-Fraktion wie die Grünen zum ihrem großen Missfallen feststellen mussten. Aber genau so ist es gekommen. Da hilft auch der beruhigende Satz wenig, dass man dieses für die CDU so wichtige Ministerium in fünf Jahren „zurückerobern “ will. In fünf Jahren können die Grünen viel Unfug anstellen, befürchtet man an der CDU-Basis. Am Ende soviel, dass er sich nicht mehr zurückdrehen lässt. Und überhaupt: Wer weiß, was in fünf Jahren ist? Da stellt vielleicht schon die AfD den Ministerpräsidenten. Aber mit dem könnte die CDU als Juniorpartner wahrscheinlich eher was anfangen, wie die letzten Wahlmanöver zeigen. Haseloff kann nun regieren. Aber so richtig Spaß dürfte es kaum machen. Die Heckenschützen haben ihre Gewehre erstmal weggepackt. Aber sie haben aufmunitioniert und lauern im Unterholz.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

Ein Kommentar zu “Kein „Heidemord“ in Magdeburg

  1. Es ist schon ein Kreutz mit so einer Regierungsbildung. Das Ganze erinnert mich an einen Witz, den meine Großmutter gern erzählte. Um es kurz zu machen, es ging um die Kochkünste einer Ehefrau. “ Sie konnte kochen was sie wollt, es wurde immer Gulasch.“

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