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Geschichten aus der Elbaue

Dresdner Moschee: Ick bün allhier.

Ein Kommentar

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Die Dresdner „Tabakmoschee“ Yenidze steht im barocken Zentrum seit 1909. Foto: beaverpress

Nach den Diskussionen um Moscheeneubauten in Leipzig und Chemnitz hat das Thema nun auch Dresden erreicht. Just in einer Zeit, in der Verfassungschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagt, es gäbe in Deutschland etwa 90 salafistische Moscheen, die man scharf beobachte, weil in ihnen selbsternannte Imame und Emire eher Themen abseits der sonst so hochaktuellen Debatte um Gender Mainstreaming oder dem Mindestlohn predigten. Er hat dabei wohl so Sachen wie Brüssel-Flughafen und Bataclan im Sinn. Immerhin gilt in Frankreich noch immer der Ausnahmezustand nach den Anschlägen vom 13. November, auch wenn darüber in keiner Zeitung mehr etwas steht und im Fernsehen kein Wort darüber verloren wird. In einer Zeit also, wo weniger Moschee eigentlich mehr wäre, soll nun auch die sächsische Landeshauptstadt eine solche Kultstätte bekommen. Bauherr ist die Ahmadiyya-Gemeinde. Wobei sie das Christentum und seine Speisung der 5000 in den Schatten stellt, indem sich die rund 40 Gemeindemitglieder in die Kosten des Millionenbaues teilen. Aber im Ernst. Das Projekt ist Teil des 100-Moscheen-Planes mit dem diese Religionsgruppe vorhat, alle deutschen Städte gleichmäßig zu bebauen. Gesammelt wird deutschlandweit unter den Anhängern der Religionsgemeinschaft. Erwartungsgemäß wird das Reizthema Moscheebau sofort aufgegriffen. Bei Pegida war es Michael Stürzenberger, der einen längeren Vortrag über Wirken und Motive dieser Ahmadiyya-Gruppierung abgab. Stürzenberger, einst CSU-Mitglied und Pressesprecher der Strauß-Tochter Monika Hohlmeier, kämpft seit Jahren gegen ein Islamisches Zentrum in der Münchner Innenstadt. Auch die Islam-Aussteigerin und Frauenrechtlerin Sabbatina James, zuletzt gesehen bei Lanz und in diversen anderen Talkshows, zählt zu den Kritikern der Ahmadiyya -Gemeinde. Fazit der Kritiker: Man solle sich nicht einlullen lassen von Aussagen, die Ahmadiyya vertrete eine Art „gemäßigten Islam“. Es gehe um optische Landnahme für den Islam. Von der anderen Seite des Spektrums kommen die bekannten Erklärungen, dass es in Deutschland Religionsfreiheit gäbe und jeder das Recht habe, dazu ein entsprechendes Gebäude zu errichten. Wobei man eben nicht so genau hinschaut, wenn Imame von der türkischen Religionsbehörde DITIB ausgebildet werden oder das Geld für repräsentative Bauten aus Saudi-Arabien kommt, das zwar keinen einzigen muslimischen „Flüchtling“ haben möchte, dafür aber 200 Moscheen in Deutschland finanzieren will, damit sich die Glaubensbrüder in der Fremde schnell heimisch fühlen.

All dessen ungeachtet, weist Dresden aber auch hier wieder eine Besonderheit auf. In Sachen Moschee ist man nämlich hier weiter als der Rest. Und das schon sehr lange. Länger sogar noch als überhaupt ein türkischer Gastarbeiter westdeutschen Boden betrat. Denn hier gibt es wahrscheinlich die älteste Moschee Deutschlands – die Yenidze. Na gut, nicht so richtig, aber vom Äußeren her ist alles da: Minarett, große Kuppel und reichhaltige Ornamentik an der Fassade. Die Dresdner kennen ihr Wahrzeichen gleich neben der Marienbrücke nur als die „Tabakmoschee“. Ursprünglich war die Gestaltung als Moschee der Dresdner Bauordnung geschuldet und zugleich ein Werbegag. Besagte Bauordnung verbot Industriebauten im Zentrum, was den Zigarettenfabrikanten Hugo Zietz 1886 auf die Idee brachte, seine Fabrik quasi als orientalische Moschee zu tarnen. Umstritten war das 1909 fertiggestellte  Bauwerk im barockverliebten Dresden deshalb trotzdem. Und zwar heftig. Architekt Martin Hammitzsch brachte es den Ausschluss aus der Reichsarchitektenkammer ein. Man redete über die „Tabakmoschee“. Ereiferte sich. Und gewöhnte sich schließlich daran.  Zu DDR-Zeiten stand an der Fassade „Tabakkontor“. Die Sorten „F 6“ und „Cabinett“ wurden hier hergestellt. Vor dem Krieg beispielsweise auch Bulgaria Sport. Was die Frage aufwirft, ob heute eine solche Bezeichnung für Zigaretten noch mit den Werberichtlinien der EU konform ginge. Geschweige denn, was los wäre, käme ein Unternehmer auf die Idee, schnöde Produktionsgebäude in die Form religiöser Bauwerke aus anderen Ländern zu kleiden. Sei es wie es sei. In Sachen Dresdner Moschee heißt es wie in der Geschichte vom Hasen und dem Igel: Ick bün allhier. Offensichtlich hat das Multikulti-Befürwortungslager dieses argumentative Geschenk noch gar nicht erkannt. Denn wenn in Städten wie Leipzig oder Chemnitz sich bei vielen Eingesessenen noch die Nackenhaare sträuben bei dem Gedanken, dass sich ihr heimatliches Umfeld optisch bald in ein Klein-Istanbul verwandelt, kann ausgerechnet im architektonisch weihevollen Dresden niemand ernsthaft behaupten, dass es nicht geht. Die „Dresdner Moschee“ steht an exponierter Stelle und bildet mit der Kuppel der Frauenkirche, der Hofkirche und  der Semperoper die berühmte Altstadt-Silhouette. Mit dem berüchtigten Muezzinruf wäre es allerdings so eine Sache. Der gute Mann bräuchte eine Schornsteinfegerausbildung. Andernfalls täte er es wohl nur einmal. Die Ahmadiyya-Gemeinde wäre am besten beraten, sie mietete sich in der Yenidze ein. Nach Eigendarstellung der Betreibergesellschaft stehen auf fünf Etagen 9000 Quadratmeter zur Verfügung. Da sollte sich doch ein Plätzchen finden für den Imam und seine 40 Gläubigen. Und beide Seiten hätten ihre Ruhe. Die Muslime könnten ihrer Religion nachgehen, worum es ja in der Hauptsache geht, wie alle Exponenten nicht müde werden zu beteuern. Und sie könnten das in einem mehr als passenden Umfeld tun. Gleichzeitig wäre die Diskussion, ob nun Moschee ja oder nein im Dresdner Fall über 100 Jahre alt und als abgehakt zu betrachten. Mit der vorherigen Nutzung dürfte es wohl aus religiöser Sicht auch keine Probleme geben. Der Tabak, der hier verarbeitet wurde, kam zwar aus dem christlich-orthodoxen Griechenland, aber im Islam ist sein Genuss nicht verboten. Doch so wie man Dresden kennt, siehe „Fall Marina Garden“ oder „Fall Waldschlößchenbrücke“, wird man sich diese Chance nicht entgehen lassen und ein weiteres innerstädtisches Kampfgebiet eröffnen. Gut wäre es, man erinnerte sich an die alte Aufschrift der Fabrik. Dort stand: Salem aleikum – Friede sei mit euch. Vielleicht schimmert die noch irgendwo durch.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

Ein Kommentar zu “Dresdner Moschee: Ick bün allhier.

  1. Entschuldigung, wenn ich jetzt jemand auf die Zehen trete, aber Glaube und Religion ist nach meinen Empfinden ausschließlich private Sache. Ich bin Atheist, brauche nicht irgend einen Bau um das zu manifestieren. Übrigens endet Religion irgend wann stets in kollektiven Wahnsinn. Religionsfreiheit ist gut und richtig, aber nur für diejenigen, welche sie friedlich und mit Rücksicht auf ihre Mitmenschen ausüben.

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