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Geschichten aus der Elbaue

Neulehrer an die Front

Ein Kommentar

Unbenannt

Es könnten sogar 101 Gründe werden. Quelle: Screenshot Radio PSR.de

Radio hören im Auto ist in diesen Zeiten immer ein bisschen gefährlich. Besonders, wenn man nach einem flotten Song nicht schnell genug umschalten kann. Kaum ertönen die Stimmen der Moderatoren, droht sehr oft geistiges Ungemach, was die Laune nachhaltig dämpfen kann. Bedingt durch eine die Aufmerksamkeit bindende und die Geschicklichkeit erfordernde Verkehrssituation kam es, dass ich heute einem Wortbeitrag auf Radio PSR unter der Rubrik „100 Gründe – Warum Sachsen so großartig ist“ nicht rechtzeitig ausweichen konnte. Und so hörte ich eine  Moderatorin  mit enthusiasmierendem Timbre folgendes sagen:  „Weil Sachsen die wenigsten Schulden in Deutschland hat. Ende letzten Jahres waren wir mit 2,3 Milliarden Euro verschuldet, was viel klingt, aber im bundesdeutschen Vergleich der geringste Schuldenstand ist. Und dazu kam es, weil Sachsen die Verbindlichkeiten des öffentlichen Gesamthaushaltes um 850 Millionen abgebaut hat.“ Pro-Kopf-Karbidproduktion fällt DDR-geschulten Spöttern da sofort ein. Aber lassen wir die Zahl mal stehen. Sie wird schon irgendwo, irgendwie stimmen. Was hier taktvoll unerwähnt bleibt, ist das Fiasko um die Sachsen LB. Das liegt zwar schon einige Jährchen zurück, sorgt aber aufgrund der Nachhaltigkeit, mit der da missgewirtschaftet wurde bis heute für Nachschusszahlungen des Freistaates im dreistelligen Millionenbereich. Aber was macht das in einem Land, wo die Milliarden locker sitzen?

Wo Sachsen noch so ziemlich einzigartig ist, verriet MDR aktuell am Nachmittag. Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) wurde rezitiert. Wir erinnern uns. Sie übernahm den Job 2012 nachdem der bisherige Minister auf typische Dresdner Art (Dreck alleene machen usw.) hingeschmissen hatte, weil er den Sparkurs der damals noch CDU-FDP geführten Sachsenregierung nicht mittragen wollte. Die „Bruni“ nun ließ heute vom staatlichen Sachsenfunk verlautbaren, dass vor 2019 nicht mit einer „Normalisierung an unseren Schulen gerechnet werden kann“. 45 Prozent der Lehrkräfte seien Seiteneinsteiger. Das heißt also im Klartext, gut die Hälfte (und wahrscheinlich sind es sogar noch mehr) all derer, die im besten Freistaat aller Zeiten vor den Kindern stehen, sind Hilfslehrer. Ist die Neulehrerquote von 1945 erreicht oder überboten? Bei Wikipedia lesen wir dazu: 1949 waren bereits 67,8 Prozent aller Lehrerstellen in der sowjetischen Besatzungszone, zu der Sachsen gehörte, mit Neulehrern besetzt. Das ist sicher noch zu schaffen bis 2019. 47,7 Prozent dieser Neulehrer gehörten der SED an. Das wäre auch kein Problem. Hauptsache,  nicht AfD. Nun  ist es aber auch nicht so wie weiland beim Alten Fritzen, der seine ausgedienten Feldwebel und Korporäle im Alter zu Dorfschullehrern machte. Es sind unter diesen Seiteneinsteigern viele hochmotivierte und top ausgebildete Fachleute dabei. Ich selbst kenne zwei persönlich. Aber wozu haben wir dann noch ein Schulgesetz, eine Schulpflicht und Lehramtsstudiengänge an den zwei renommierten Hochschulen Dresden und Leipzig? Gleichzeitig dröhnt auf allen Kanälen, dass Deutschlehrer für die Flüchtlinge gebraucht werden. Nummer ziehen und hinten anstellen, kann man angesichts dieser Zustände nur sagen. Wenn das so weiter geht, schaut jeder in der Familie, wer gerade Zeit oder nichts so richtig zu tun hat, und unterrichtet den Nachwuchs selber. Was soll Opa im Garten rumprimeln, wenn die Enkel Algebra brauchen? Oder die Eltern machen es gleich selbst. So wie Medizin nach Noten. Mit Hilfestellung über den Rundfunk. Dann könnte man bei den Wortbeiträgen wieder zuhören und alle würden was lernen. Sachsen wäre dann neben Australien und Canada das erste Land in Europa mit Fernunterricht. Und schon hätten wir 101 Gründe, warum Sachsen so großartig ist.

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

Ein Kommentar zu “Neulehrer an die Front

  1. Es ist ja nicht so, dass Neulehrer ungeeignet sind, irgend wann muss jeder mal anfangen. Es werden in Sachsen auch genügend Lehrer ausgebildet werden, sie bleiben nur nicht hier. Hier sind sie ewig als Referentare angestellt und verbeamtet werden sie erst gar nicht. Die Besoldung ist dann auch noch, na ja. Viele bekommen dann in den gebrauchten Bundesländer wesentlich bessere Angebote. Der Lehrer Beruf ist übrigens nicht gerade sehr angesehen. Die Lehrer sind eher die Fußabtreter der Nation. Oft sind nicht die Schüler das Problem, sondern die Eltern. Welche Mutti duldet schon, das Ihr Kind eine schlechte Note bekommt, oder gar wegen Fehlverhalten gemaßregelt wird. Das geht dann manchmal bis zum Anwalt und vor die Schulleitung. Der Staat schützt auch seine Angestellten nicht. Sehen Sie sich nur mal die Disziplin der Schüler in einer ganz normalen Unterrichtsstunde an, Sie würden Ihre lieben Kleinen nicht wieder erkennen. Die Lehrer haben kaum Möglichkeiten hier gegen zu steuern. Wie auch, es müsste dann ja irgendwann eine Konsequenz geben. Zu Schluss noch das Phänomen der Verweiblichung der Gesellschaft. Die Kinder kommen kaum noch mit Männern in Kontakt. 60 zig Prozent der Kinder wachsen bei allein erziehenden Müttern auf, im Kindergarten und der Grundschule arbeiten überwiegend Frauen. Erst ab der der Oberstufe finden sich wieder vereinzelt Männer. Nur als Beispiel: Frau, „Ich hätte das bitte nicht so gern.“ Mann, „Lass das sein.“ Kinder brauchen klare Ansagen. Das hat nichts mit Liebe oder Zuneigung zu tun. Übrigens, Ausnahmen bestätigen die Regel. Zum Schluss noch, die Lehrer müssen Ihre Schüler mögen und die Schüler Ihre Lehrer auch.

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