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Geschichten aus der Elbaue

Zum Ausklang

Ein Kommentar

Früher war mehr Lametta. Ganz klar. Dafür ist heute wieder mehr Beton. Nachdem der Baustoff nach der Wende im Osten etwas in Verruf geraten war, erlebt er jetzt ein Comeback.

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Betonpoller um den Dresdner Striezelmarkt nach dem Berliner Attentat. Foto: beaverpress

Kein deutscher Weihnachtsmarkt mehr ohne stilvolle Betonsperren drumherum. Die Aktie von Heidelberger Zement soll nach der Trump-Wahl angezogen haben. Von wegen Mauerbau zu Mexico und so. Vielleicht erfährt das Unternehmen jetzt unerwartete Impulse aus dem Inland. Die Binnenkonjunktur war seit Jahren das Sorgenkind der Ökonomen. Das wird sich ändern. Wie auch sonst einiges sich schon geändert hat. Zum Beispiel in Dunkeldeutschlands heimlicher Hauptstadt Dresden. Standen sonst immer mal Kurrendesänger in der Gegend, die unverständliche Lieder sangen, sind es jetzt Syrer, die zunächst noch stockend auf Deutsch Slogans skandieren, danach umso leidenschaftlicher ebenso Unverständliches in fremder Sprache. Tags darauf demonstrieren Afghanen für ein unbeschränktes Bleiberecht. Verständlich, wo sie schon völlig ungehindert einwandern konnten. Dann will man auch bleiben. Alles andere wäre unfair und muss auch lautstark so benannt werden. Verdutzt kramt mancher gestrige Deutsche sein Grundgesetz aus dem Nachttischkasten und schlägt bedächtig nach unter Artikel 8: „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln“.
Alle Deutschen. Nun ja. Ein Land mal so ganz ohne Grenzen konnte man sich 1949 noch nicht vorstellen. Deshalb hat man wohl Syrer und Afghanen nur vergessen. Überhaupt. Solch´ scharfe Graduierungen werden hier schon lange nicht mehr vorgenommen. „Deutsch“  ist doch auch nur so ein überholtes Gedankenkonstrukt wie die unsägliche Unterscheidung in Männlein und Weiblein. Die Bevölkerung wird in diesem modernen und der Zukunft zugewandten Staat nur noch in die, „die schon länger hier leben“ und die, „die neu dazugekommen sind“ unterteilt. Wobei der Bogen dabei nicht bis zu den Salzburger Exilanten gezogen wird, die einst Ostpreußen besiedelten. Gemeint sind eher die Passagiere des letzten Zuges aus Passau. Wer zwei Jahre hier ist, kann sich schon zu erster Gruppe zählen und muss sich nicht länger mit nervenden Details des Einbürgerungsrechts den Tag verderben.

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Protestierende Syrer auf dem Wiener Platz in Dresden nach der Einstellung der Kamphandlungen im syrischen Aleppo. Foto: beaverpress

Und sonst so? Im Rundfunk verkündet der Sprecher am Tag vor dem Jahreswechsel die „abstrakt höchste Gefährdungsstufe“ für das Land. Konkret wurde er nicht. Es muss also was mit Polen-Böllern oder gepanschtem Sekt zu tun haben. Oder doch nicht? Hat da gerade jemand LKW gerufen? Was waren das für langweilige Zeiten als man sich zu Silvester nur spießige Gedanken um Karpfen oder Kater zu machen hatte. Vielleicht noch der Heidi von hinten an die Schultern… Vorbei, die albernen Spielchen. Jetzt ist Tatort-Time. Reality, nur leider kein TV. In Sachsen-Anhalt stehe die gesamte Polizei und die Bereitschaftspolizei Gewehr bei Fuß für den Silvesterabend, erfährt der geneigte Hörer und wundert sich. Aber was soll die Polente auch Zuhause rumhängen, wenn das Weihnachtsgeld sowieso gestrichen wurde. Man käme nur in Versuchung, Geld auszugeben. Und Motivation kann auch befohlen werden. Allerdings irritiert der Aufwand den gläubigen Staatsbürger doch ein wenig. Bis gestern waren die Zeitungen noch voll mit erklärenden Stücken zur Kriminalitätsentwicklung. Bewiesen ist, dass zum Beispiel Ausländer nichts mit einer Kriminalitätssteigerung zu tun haben. Wirklich nicht. Großes Pionierehrenwort.  Zumindest sind sie nicht krimineller als Du und ich und Karl-Heinz. Nur die AfD muss wieder stänkern und postet schlimme Sachen von wegen, dass in sächsischen Knästen ein Viertel Ausländer einsitzen, wo doch ihr prozentualer Anteil an der Bevölkerung im unteren einstelligen Bereich angesiedelt ist. Überhaupt die AfD. Frauke Petry hat geheiratet. Und ist wieder schwanger. Zum fünften Mal. Was wieder mal zeigt, dass diesen Rechtspopulisten doch jedes Mittel recht ist, ihre Anhängerschaft zu vergrößern. Lutz Bachmann grüßt fröhlich und mit vollem Glas via Boulevardpresse seine verbliebene Anhängerschaft in Dresden per Videobotschaft von den Kanaren. Gut gelaunt hat er auf den letzten Metern ein Urteil des Amtsgerichtes Dresden akzeptiert, das ihn als schlimmen Volksverhetzer brandmarkt. Die Justiz hat ja sonst nichts zu tun.

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Pegida geht ins dritte Jahr und ist längst eine Dresdner Spezialität. Foto: beaverpress

Pegida geht inzwischen ins dritte Jahr. Das Dresdner Revolutionsbiedermeier ist längst eine  Spezialität der Stadt wie Stollen oder Worcester-Soße geworden. Man muss es nicht mögen, aber ohne würde was fehlen. Montags wird ein bißchen geschimpft und geschaut, welche Partei in dieser Woche die Pegidathesen von vor zwei Jahren abgeschrieben hat. Dann geht’s für die Rentner zurück in Gärtchen, Kneipe oder Wohnstube und „der Lutz“ macht wieder runter auf die Insel. Sachsen wäre nicht Sachsen, wenn bei allem Streit die Behaglichkeit auf der Strecke bliebe. Schon August Bebel wusste die sächsische Gemütlichkeit zu schätzen als er seine Festungs-Strafen unter anderem wegen Majestätsbeleidigung und Zensurdelikten auf dem Königstein absaß. Von Stanislaw Tillich hört man gar nichts mehr seit dem Auftritt der bösen Pegidisten am 3. Oktober auf dem Neumarkt. Vielleicht freut er sich nur im Stillen über die vielen „Phantomflüchtlinge“. Das, so lernen wir im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sind Migranten, die zwar dem Freistaat zugewiesen werden, aber gar nicht daran denken, hier zu siedeln. Und wer will sie hindern, wenn schon an der Grenze die große Freiheit beginnt? Für die Zugewiesenen gibt es aber pauschal und pro Kopf Geld vom Bund, das in den sächsischen Haushalt fließt. Bürgermeister aus dem Ruhrgebiet beklagten das unsolidarische Verhalten Sachsens, das einfach das Geld einstecke für Migranten, die gar nicht in Sachsen sind und dazu schweige, während die Ruhrmetropolen wie Essen überlaufen.

Dresdens OB hat gut zu tun. Ein neuer Verein für Weltoffenheit und Toleranz wurde wieder mal gegründet und dann müssen auch schon die Poller vom Weihnachtsmarkt zum Theaterplatz, denn dort steht die Silvesterfeier an. Kinder wie die Zeit vergeht. Ach so. Dresdens neuer Finanzbürgermeister, Peter Lames (SPD), kann es erstmal ruhig angehen lassen. Wegen fehlender Qualifikation kann der Favorit des rot-rot-grünen Stadtrates sein Amt als Finanzbürgermeister nicht vollständig ausüben, sondern muss erstmal Abschlüsse nachholen und Erfahrung sammeln. Das hat die Landesdirektion als Aufsichtsbehörde mitgeteilt. Ist aber alles kein Problem, wenn die Haltung stimmt und man eine fähige Stellvertreterin hat. Na und. Finanzen sind ja nun kein Schlüsselressort. Was anderes wäre das beim Posten der Gleichstellungsbeauftragt */in.

Was wird uns 2017 beschäftigen? Soviel sei verraten: Daniela Katzenberger wird es nicht sein. Obwohl es schön wäre. Den Ausblick aufs neue Jahr überlassen wir an dieser Stelle Frank Kupfer, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU im sächsischen Landtag. Und sage keiner, die CDU hätte den LKW nicht gehört. In einem Zeitungsinterview sagte Kupfer: „Wir haben ein Problem mit der weiter steigenden Zahl an Asylbewerbern, weil wir kein Ende sehen. Es ist ja nicht so, dass am 31. Dezember Schluss ist, das geht nahtlos weiter. Auch nächstes Jahr kommen Hunderttausende oder sogar mehr als eine Million.“

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Autor: Der Elbebiber

Journalist und Autor

Ein Kommentar zu “Zum Ausklang

  1. Hallo Nagetier, wenn unsere Nieten, Tsculdigung „Eliten“ Deinen Block lesen, werden sie hoffentlich nicht zu besorgten Bürgern. Was Du nicht geschrieben hast, ist jedoch das ganz ganz ganz viele Positive. Die Agentur hat einen positiven Jahres Abschluss, die Flüchtlingsbewegung ist keine Krise und es ist kein Rettungsschirm wird notwendig.
    Sogar unsere Kanzlerin hat einen Plan, was heißt Plan, das ist ja richtig gewaltig (Egon). Wir müssen nur alles positiv gestalten, die künftigen Herausforderungen komplex annehmen, Trump zu einem Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit bewegen und ganz wichtig, die Gestaltung der Politik nachhaltig zu betreiben. Ebenfalls will unsere Kanzlerin eine verlässliche Kraft sein, Russland (Putin) friedlich eindämmen und die AfD inhaltlich in die Schranken weisen. Auch Straftaten von Flüchtlingen und Migranten sind deutlich zurückgegangen, jedenfalls sind weniger verurteilt worden. Übrigens, ein Politiker, Beamter oder Volksvertreter muss ahnungslos sein, um vorbehaltlos entscheiden zu können. Ironie aus.

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