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Geschichten aus der Elbaue


Ein Kommentar

Heimatabend mit Uwe

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Quelle: Beaverpress

Wenn ein bis auf den letzten Platz ausverkaufter Saal aus dem Stand das Kinderlied „Unsere Heimat“ singt, gefolgt von einer Strophe aus „Gute Freunde“ dann ist nicht etwa ein Vertriebenentreffen der alten Genossen angesagt, sondern ein ganz normaler Auftritt von Uwe Steimle. Derzeit tourt er mit seinem Programm „Feinkost“ zwischen Elbe und Pleiße. Der Dresdner Kabarettist, einem überregionalen Publikum auch noch bekannt als der Polizeiruf-Kommissar Hinrichs, braucht eigentlich für seine Auftritte, insbesondere in seiner Heimat Sachsen, keine Werbung mehr. Es würde auch reichen, wenn die Veranstalter schrieben: Steimle kommt. Egal, ob im Leipziger Academixerkeller oder der Coswiger Börse – Steimle sorgt für volle Häuser. Die Karten oft schon Wochen im Voraus weg. Feinkost eben. Bückware wie zu DDR-Zeiten. Und das hat auch etwas mit den dezidiert politischen Inhalten zu tun, die der gelernte Industrieschmied (was er immer mal gekonnt einfügt) bietet. Und weil er ausspricht, was Sache ist. Damit hat er schon im vergangenen Jahr die sonst recht harmlose Talksendung „Riverboat“ des MDR mächtig ins Schwanken gebracht. Denn Steimle lebt noch den alten Ehrenkodex der Kabarettisten: Man macht sich über die Obrigkeit lustig, nicht über die kleinen Leute. Denen schaut man auf´s  Maul wie der Lutherfreund Steimle es bei seinem Vorbild gelernt hat. Man persifliert das Volk ab und an mal liebevoll, zieht es auch mal genüßlich durch den Kakao, aber man agitiert es nicht, was es zu denken und wie es zu reden habe. Dass er damit im Deutschland des Jahres 2017 ziemlich allein auf weiter Bühne steht, kann man sehen, wenn man sich als Kabarett etikettierte Sendungen im Fernsehen anschaut. Steimles Running Gag angesichts der aktuellen Nachrichtenlage ist der Satz: Wer macht hier Kabarett?  Die herrschenden Verhältnisse kommentiert er mit seinem inzwischen schon ähnlich berühmten Satz: Dafür haben wir 89 nicht hinter der Gardine gestanden. Womit Steimle dem weit verbreiteten Narrativ widerspricht, dass es damals so etwas wie einen Massenaufstand gegeben habe. Viele schauten tatsächlich und sprichwörtlich hinter der Gardine wie der Hase wohl läuft. Das waren dann oft die, die später besonders laut beklagten wie schlimm alles gewesen sei. Sein Lieblingsfallbeispiel in dieser Rubrik ist der jüngste unserer vielen Altbundespräsidenten, gemessen am Datum seines Ausscheidens aus dem Amt. Gerade Joachim Gauck wäre einer der Allerletzten gewesen, die 89 auf den fahrenden Zug aufgesprungen seien, so Steimle. „Und heute tut er so, als sei er der Lokführer gewesen“. Das Publikum dankt ihm solche Sätze mit donnerndem Applaus, Pfeifen und Johlen. So muss das sein. Die da oben brauchen auch mal einen zwischen die Hörner. Genüßlich bringt Steimle Gaucks Satz vom letzten Sommer, wonach nicht die Eliten, sondern das Volk das Problem sei. Eine „Lieblingsfreundin“ von ihm ist deshalb auch Marion Ackermann, die neue Leiterin der Dresdner Kunstsammlungen, die davon gesprochen habe, den Leuten hier fehle eben eine gewisse Weltoffenheit. „Wie die über uns reden“, sagt Steimle dazu nur. Das Problemfeld Wessis und Heimat ist eines, das er mit Lust beackert. „Sächsisch wünschen wir nicht“, habe ihm ein leitender Redakteur beim Mitteldeutschen Rundfunk beschieden als er eine Mundartsendung anregte. Den Satz „… bis der letzte Ostdeutsche aus dem Grundbuch verschwunden ist“ habe er schon in den Neunzigern auf Geheiß eines aus Westdeutschland stammenden Redakteurs aus dem Skript eines Sketches streichen müssen. Mit der „Kolonialnummer“ kann Steimle selbst nach 27 Jahren in Sachsen noch punkten. Denn noch immer sind hier fast alle hohen Verwaltungs-, Polizei- und Kulturposten mit westdeutsch sozialisierten Mitbürgern besetzt. Ein Umstand, den ausgerechnet der MDR selbst 2016 in einer zweiteiligen Dokumentation unter dem Titel „Wem gehört der Osten?“ thematisierte. Mit dem Bohren in dieser Wunde des sächsischen Nationalstolzes bietet Steimle zugleich all denen eine gewisse Labsal an, die sich in der eigenen Heimat teilweise heimatvertrieben fühlen. Aber es gäbe eben auch noch die echten Heimatvertriebenen. Das merke er an dem Zuspruch wenn er beispielsweise in Aachen oder Düsseldorf mit seinem ursächsischen Programm auftrete. Dort säßen in der Mehrheit keine Rheinländer auf den Sitzen vor ihm, sondern Sachsen, bei denen die eine oder andere Träne kullert, wenn sie in der fernen Diaspora das heimatliche Idiom hören. Genüsslich macht er nach, wie zwei Westdeutsche rätselten, was der Ausdruck „dämms´sch“ in Ableitung von „Dämmse“ wohl bedeute. Er meine wohl die Elbe, habe der eine Auswärtige dem anderen zugeraunt. Der Saal tobt. Sächsisch mal nicht als unbeliebtester Dialekt Deutschlands, wie es in Umfragen immer wieder ermittelt wird, sondern als verbale Heimat und eine Art Geheimsprache nur für Eingeweihte. In der Pause würden Zuschauer gerade im Westen dann zu ihm kommen und klagen: Mit den Wessis hier had das geen Zwegg.

Mit solchen Passagen treibt  Steimle den Saal wahlweise zum Lachen und Applaudieren, dass man aufpassen muss, den nächsten Spruch nicht zu verpassen. Obwohl er sich eine Art Gerüst, bestehend aus alten Sketchen seit dem Beginn seiner Karriere, für die zwei Stunden zurechtgelegt hat, braucht er das gar nicht. Man will Aktuelles von ihm hören. Und er liefert. Aber den „Honecker“ mit seinem abkippenden Saarland-Singsang hat er immer noch perfekt drauf und man lacht darüber. Doch vielen Älteren kommt das inzwischen eher wie der Sound der „guten, alten Zeit“ vor. Auch wenn viele dabei sein mögen, die damals nicht nur hinter der Gardine standen. Sie wollen von Steimle Meinung zur Gegenwart hören. Und „der Uwe“ bleibt sie nicht schuldig. Häufige Floskel: Sind wir schon wieder so weit? Wie zu DDR-Zeiten sollen sich Künstler immer zu irgendwas bekennen, hebt er vorsichtig an. So sei er gefragt worden, was er denn zu der Installation auf dem Dresdner Neumarkt sage. Die Frage zielte auf das umstrittene Busmonument. „Ich habe gesagt, ich sehe nur die Frauenkirche“, so Steimle spitzbübisch. Was er denn zu den Bussen sage? „Nüscht“, so Steimle. „Ich guck drumrum“. Und doch bleibt er ein ernsthaftes Statement nicht schuldig. So ein als Friedensdenkmal deklariertes Kunstwerk sei ja gut und schön. Wer sei schon gegen ein Friedensdenkmal? „Aber bitte nicht um den 13. Februar herum, denn der gehört allein den Dresdnern und dem Gedenken an den Untergang ihrer Stadt“. Punkt. Steimle unmissverständlich. Der Dresdner Fernsehturm – seit Jahren aus irgendwelchen baurechtlichen Gründen geschlossen – soll wiedereröffnet werden, wofür Steimle sich einsetzt. Sein Kommentar: Wäre es ein Minarett, wäre er längst saniert. Der Saal hält die Luft an, dann befreiendes Lachen. Auch zu Pegida hat der Dresdner natürlich eine Meinung. Wie der Politikwissenschaftler Werner Patzelt hat sich der Künstler Steimle den Dresdner Protesten vorurteilsfrei genähert. Im Fernsehen sprach er noch vage von „einem Besuch“ und einem Freund, der dahin geht. Auf der Bühne wird er deutlicher. Er habe sich das vier oder fünfmal angesehen. Das sei ja wohl normal, wenn man sich ein Bild über eine Sache machen will. Er habe an den Reden nichts Anstößiges finden können. Was ihn besonders beeindruckt habe, seien Banner gewesen mit Aufschriften wie „Frieden mit Rußland“. Ein Lieblingsthema Steimles, das er an einer Anekdote mit seinem Hund deutlich macht. Das Tier habe auf der Grunaer Straße in Dresden auf ein kleines Stück sorgsam gehegten Rasen gepullert. Daraufhin sei wie eine Furie eine Anwohnerin aus dem Haus geschossen und hätte eine Schimpfkanonade in russischem Akzent auf ihn und das Tier abgefeuert.

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Frieden mit Russland – neben der Heimatliebe eines der großen Themen Steimles auch privat. Foto: Guido Werner

Erst als er sagte: „Komm, Mascha, hier will man uns nicht haben“, habe die Schimpfende plötzlich gestutzt und ihn ausgefragt, warum er den Hund ausgerechnet Mascha genannt habe. Mascha und der Bär ist eine in Russland populäre Trickfilmserie. Steimle habe ihr erklärt, dass das die Reminiszenz seiner Familie an das russische Volk sei, das im Krieg einen Blutzoll von 27 Millionen Menschen bringen musste, um auch die Deutschen vom Faschismus zu befreien. Deshalb heißen seine Töchter auch Nina und Katja. Nun, die Szene ging aus wie in einem Vorabendfilm. Die russischstämmige Matrone sei derart gerührt gewesen, dass sie abschließend sagte: „Hund darf immer hier pullern“. „Sowas passiert mir wirklich, das ist nicht erfunden“, sagt Steimle fast entschuldigend und liefert die Adresse dazu. Man möge das selbst nachprüfen. So könnte das einen ganzen Abend lang gehen, aber: „Sie wollen ja och irgendwann heem.“ Er erzählt noch ein bißchen von seiner Sendung „Steimles Welt“, in der er mit einem liebevoll sanierten Wartburg durch Mitteldeutschland fährt, um Köhler, Bäcker oder auch mal Künstler zu besuchen. Dann packt Steimle seine russische Lavalampe ein, die die ganze Zeit gemütvoll auf einem Tischchen blubbert, und greift seine Requisiten wie den Hut der Kunstfigur Günther Zieschong. „Dor Uwe geht nu“.  Das alles musste ja mal gesagt werden. Auch wenn es „furschbar“ ist.


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Coswigs neue Amüsiermeile

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1300 Meter neue Straße nach vier Jahren Bauzeit und für 21,5 Millionen Euro sind jetzt zu befahren. Schnell sollte man es nicht tun, sonst ist es nur ein kurzes Vergnügen. Foto: leo

Seit knapp drei Wochen ist das Teilstück der S 84 von der Niederwarthaer Brücke in Richtung Coswig nun befahrbar. Zeit für ein erstes Fazit. Als Autofahrer hat man in Deutschland eher wenig zu lachen, aber hier kann man es. Das Kilometerchen, das nun nach vier Jahren schwerster Bauzeit eröffnet wurde, hat das Zeug dazu, Coswigs neue Amüsiermeile zu werden. Radebeul kann auch mitlachen. Meißen ist wohl eher nicht danach.
Bei der Eröffnung haben sich Politik und alle angeschlossenen Organe fast verletzt beim auf die Schulter schlagen, ob dieses gelungenen Bauwerkes. Hätten sie es als Kabarettstück verkauft, wäre es gleich ein Bühnenerfolg geworden. Was man bei all den salbungsvollen Reden tunlichst vermied, war ein Blick zurück. Denn wenn man jetzt, im Jahre 2015, den Durchstich von der Brücke bis zum Tännichtweg feiert, sollte man nicht vergessen, dass Politik und Straßenbauamt viele Jahre mit dem Gesamtfertigstellungstermin 2008 hausieren gingen. Nicht für das Teilstück, für die Gesamtstrecke bis Meißen-Zaschendorf wohlgemerkt. Darüber wird heute taktvoll hinweggesehen. Es stimmt hoffnungsvoll, wenn man im Zuge der Lobpreisungen auf das Teilstück hört, das mit dem Planfestellungsverfahren für den nächsten Abschnitt schon bald begonnen werden soll.

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Nach knapp einem Kilometer ist schon wieder Schluss mit dem Fahrvergügen. Hier wird zunächst nicht weiter gebaut, sondern geplant. Da frischer Rasen gesät wurde, wird es sicher etwas dauern. Foto: leo

Immerhin. Man will planen. Es gibt also noch Hoffnung. Und wenn es in Deutschland heißt, wir planen, weiß jeder, was passiert. Und das ist beruhigend. Hat doch so auch die kommende Generation von jungen Ingenieuren etwas von dem Vorhaben. Sage noch einer, in den Behörden denke man nicht an die Zukunft der Kinder. Es wird schon seinen Sinn haben, weshalb man an dem vorläufigen Endstück für die nächsten Jahr(zehnt?)e Rasen angesät hat. Auf jeden Fall sollten Autofahrer die 1300 Meter neue Straße mit Bedacht und Genuß fahren.

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Ein Gefängnis? Die Außengrenze der „Festung Europa“? Die neue Begrenzung des Schrottplatzes. Deutschland 2015. Foto: leo

Nicht nur, weil sie so die architektonisch einzigartige Mauer des Schrottplatzes besser genießen und über den Passus „Festung Europa“ nachsinnen können, sondern weil bei Baukosten von insgesamt 21,5 Millionen Euro für dieses Teilstück der S 84, jeder einzelne Meter rund 16 538 Euro gekostet hat. Hätte man bei dieser Summe eigentlich auch Blattgold statt Asphalt nehmen können? Nur kurzsichtige Nörgler denken so. Immerhin 75 Prozent der Bausumme stammen aus einem Förderprogramm der EU. Und damit hat alles wieder seinen Sinn. Ehe das Geld sinnlos in griechischen Hedgefonds verschwindet, ist es besser in heimischer Erde versenkt. Was ja auch nicht ganz stimmt, weil man damit aus der Erde herausgeholt hat, was findige Müll-Unternehmer in den Jahren nach der Wende hier vergraben und planiert haben. Dabei brauchten sie über Jahre keine kritischen Blicke der vielen zuständigen Umweltämter zu befürchten. Die waren viel zu sehr mit der Stammdicke von Bäumen in Vorgärten oder der Wasserqualität im Kötitzer Kiessee beschäftigt. Und so weist die Straße noch einige andere geheimnisvolle Besonderheiten auf, die bei näherem Hinschauen so geheimnisvoll nicht sind. Ursprünglich ging es bei diesem Bauwerk vor über 15 Jahren um den Streit zwischen einer „bahnnahen“ und einer „elbnahen“ Variante. Die elbnahe hatte sich nach dem Hochwasser 2002 stillschweigend erledigt, weil selbst der sachkundigste Planer sehen konnte, wo das Wasser steht, wenn es kommt. Naive Menschen hatten daraufhin gedacht, dass eine „bahnnahe Trasse“ irgendwie auch „nah an der Bahn“ verlaufen müsste und dann ziemlich weit „oben“, von wegen der Elbe, dem Grundwasser und so.

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Obwohl bei der Planung viel vom Hochwasserschutz die Rede war, wurde die Straße am Knoten Kötitz stark abgesenkt. Hier steht eine Wasserhebeanlage. Foto: leo

 

Dann mussten sich vieler dieser Naivlinge belehren lassen, dass der weite Bogen, den die Straße ab der Brücke von der Bahn wegmacht, trotzdem nötig sei und bahnnah ist. Nun muss man nicht Einstein bemühen, um zu verdeutlichen, dass alles relativ ist. Im Vergleich ihres Abstands zu den Alpen ist die Straße sehr bahnnah. Aber schließlich wollte man mit der Trassen ja die Dreckecken an der Elbe mit erwischen. Und auch das Hochwasser scheint keine große Rolle mehr zu spielen. Denn an ihrem vorläufigen Ende taucht die Trasse jetzt fast das Niveau der Elbe bei Normalwasser ab. Dass man dort jetzt eine Wasserhebestation mit einem höhergelegenen Dieselmotorenhäuschen installiert hat, ist sicher nur der Tatsache geschuldet, dass man einfach mal zeigen wollte, was alles so an technischen Spielereien da ist, wenn der Tiefbau in die Tasten haut. Aber Schluss mit dem Defätismus. Solche Straßen, die im Nichts oder in Kötitz enden, können auch ein vielbeschworenes Alleinstellungsmerkmal sein, um das jede Kommune heute so verzweifelt ringt. Coswig hat seins offenbar gefunden. Denn mit der Brockwitzer Straße hat man nun schon Straße Nummer zwei, die auf das Zeitalter nach dem Erdöl vorbereitet. Damals ging es um den Durchstich am neuen Bad vorbei in Richtung Brockwitz. Das war in Zeiten, als das Geld noch was wert war. Damals bekam man für die veranschlagte Summe 100 Meter mehr Straße und ließ die auch bauen. Seit vielen Jahren endet nun die Brockwitzer Straße in einem Stumpf in Richtung Brockwitz.

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Auch die Brockwitzer Straße endet schon seit vielen Jahren im Grünen. Ein Coswiger Alleinstellungsmerkmal? Foto: leo

Wer wissen will, wie die Vegetation an der neuen S 84 Endhaltestelle in ein paar Jahren aussieht, dem sei ein Spaziergang vom Kötitzer Bad in Richtung Sconto-Markt empfohlen. Hier sieht man, dass der Slogan grüne Stadt auch beim Straßenbau kein Widerspruch sein muss.


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Kommunikation heute

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Fleischkäse, ohne Zwiebel. Foto: leo

Erlebnis in einem großen Discountwarenhaus, das im September schließt. Ort: Schlange am Wurststand.

Vor mir ein altes Ehepaar. Als sie dran sind, sagt er ohne weitere Förmlichkeiten: „Drei Scheiben Fleischkäse“.

Die Verkäuferin: „Wie dick?“.

Kunde: „Mit Zwiebel.“

Die Verkäuferin: „Ja, aber wie dick?“

Kunde: „Zum Braten.“

Ohne Worte. Und diese Menschen dürfen alle wählen. Wundert sich noch jemand, warum sich Angela Merkel so lange hält? Sie schneidet einfach ab und serviert. Die Masse schluckts ja. Offensichtlich.


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AC/DC – nothing else

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Da waren sie: Die Idole meiner Jugend. AC/DC live und ganz nah. Foto: Thomas Kube

Ein chinesisches Sprichwort sagt: Alles kommt zu dem, der warten kann. Bei mir waren es 30 Jahre. Und Sonntag war es soweit. Das Warten hatte ein Ende. AC/DC live und leibhaftig. Da standen die vier Buchstaben, die wir als Schüler in die Tischplatten des Chemieraumes eingeritzt hatten. Oder mit Kuli auf einen Hefter in der Lehrausbildung, um die Ausbilder zu ärgern. Wobei die ganz alten gar nichts dabei fanden. Sie wunderten sich nur, warum wir ausgerechnet auf dem Hefter für Hydraulik dieses Zeichen aus der Elektrotechnik so kunstvoll malten und nicht auf den für Fahrzeugelektrik. Aber was wussten die schon von Malcom und Angus Young? Was haben wir den Rias laut gedreht, wenn „Highway to Hell“ ertönte. Oder „TNT“, oder „Nightprowler“ oder „A Touch to much“. Oder, oder, oder. Die vier Buchstaben mit dem Blitz in der Mitte stehen bis heute für ungezügelte Kraft und hemmungslose E-Gitarrenklänge. Zu DDR-Zeiten kam der Reiz des Verbotenen dazu, weil Westen. „No Stop-Signs, speed limits“, heißt es in „Highway to Hell“. Ein Slogan, der jeden Biker anmacht, der aber auch gut zur politischen Entwicklung passen könnte. Aber wenn am Ende dieses Highways Angus Young steht und mit den Zeigefingern „Hörner macht“, dann geht die Party so richtig los. Der Irre sieht mit seinem 60-Jahren aus wie ein Buchhalter auf Droge, wenn er mit geöffnetem Mund, völlig gedankenverloren seinen Riffs nachlauschend wie ein Derwisch über die Bühne hüpft. Sein Publikum ist mit ihm gealtert. Es heißt, er trinke nur Milch und Tee, rühre keinen Tropfen Alkohol an. Sein Bruder Malcom tat es und sitzt heute mit Demenz im Altersheim. Wisse nicht mal mehr, was das heißt, AC/DC.

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Angus Young – ein Buchhalter auf Droge. Genial. Foto: Thomas Kube

Hier gilt 40 als die absolute Untergrenze. Was jünger ist, verschwindet im Promillebereich. Viel Schwarz, viel Leder und viele stattliche Bäuche, die plötzlich zu „Thunder“ in Ekstase geraten. Etliche sind mit ihren Biker-Kutten dabei, darunter auch ein paar Onepercenter. Versteht sich. Das hier ist ihr Kirchenchor. 90 000 wurden in Dresden erwartet, und sie setzten die Stadt unter Starkstrom. Viel Polnisch und Tschechisch war auch zu hören. Von 17 bis ein Uhr nachts ging gar nichts mehr in der Gegend um die Flutrinne. Selbst die Autobahn war zweitweise zu im Bereich Dresden. Das Ganze war neben dem Konzert ein gigantisches Merchandising-Event. Eine Unzahl von Fressbuden von Donats bis thailändischen Nudeln sorgte für die Speisung der Massen. Das Bier lief in Strömen. Einige haben sich regelrecht zugelötet, dass sie den Auftritt ihrer Stars gar nicht mehr mitbekamen.

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Flaschensammler machten ein Vermögen am Sonntag. Foto: leo

Flaschensammler machten ein Vermögen. „50 Euro in der Stunde“, raunte ein Nebenmann und deutete auf eine Frau mit einem Beutel voller Flaschen. Was reingeht, will auch wieder raus. Bei Männern ist das unkompliziert. Und mit steigendem Pegel sinkt die Bereitschaft, dafür weite Wege in Kauf zu nehmen. Die Veranstalter hatten das einkalkuliert und Freiluft-Pinkelwürfel aufgestellt. Die sind ebenfalls dixiblau und an jeder Seite kann einer stehen und den Dingen ihren Lauf lassen. Die ganze Szene war taghell ausgeleuchtet, so dass keiner sagen konnte, er habe das Ziel nicht erkennen können.

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Pinkeln leicht gemacht. Männer mögen das unkompliziert. Und Zuschauer stören dabei gar nicht. Foto: leo

Ringsherum waren Bauzäune mit Planen aufgestellt. Nun hat die Flutrinne aber die Besonderheit, dass sie an den Rändern ansteigt. Hier hatten sich viele hingestellt, um besser sehen zu können. Die schauten nun auch ständig in das lustige Pinkel-Amphitheater, wo ständig ein Kommen und Gehen war. Kommen: eilig. Gehen: entspannt. Beim Gehen am Ende wurde es dann kompliziert. Kaum waren die Schlussakkorde durch, setzten sich die Massen in Bewegung. Doch dann stand man erstmal. Hauptsächlich Mann an Mann und es ging nur trippelweise vorwärts. Beklemmend, wenn man mittig im Strom der Leiber stand. Jetzt bekam man eine Ahnung wie das in Duisburg gewesen sein musste. Und noch dazu in einem Tunnel und bei Hitze. Hier hatte der Abend schon für Abkühlrung gesorgt. Auf den Wiesen lag bereits Tau. Deshalb konnte man sich die Zeit damit vertreiben, indem man beim lustigen Rockerkugeln zusah. Einig stark betankte, versuchten die Käfernummer, indem sie immer wieder schwankend versuchten, die Böschung zu erklimmen. Kurz vor dem Ziel bekamen sie einen Tremens und abwärts gings rollenderweise unter dem Johlen der Massen. „Komm, Junge,  gib nicht auf “, wurde einer immer wieder angefeuert, dem der Alkohol die nötige Ausdauer bei der Erstürmung des Hanges verlieh. Schließlich kam langsam Bewegung in den Lavastrom aus Menschen. Wer es bis zur Flutrinnenbrücke und damit zum kurzen Weg Richtung Mühle und Güterbahnhof schaffte, konnte sich Zeit lassen. Das Verkehrschaos des Rückweges nahm gerade erst Fahrt auf. Auf dem Festgelände ratschten schon Elektroschrauber. LKW stießen mit geöffneten Ladetüren rückwärts an die Bühne heran, Roadies steckten Absperrgitter zusammen.

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Zeitvertreib am Flutrinnenhang. Rocker mit starker Schlagzeite versuchten hier die Käfernummer und kullerten immer wieder hinab. Stimmung bis zum Schluss. Foto: leo

AC/DC ist ein Wirtschaftsunternehmen, das wie ein Uhrwerk funktioniert. Diese Woche geht es nach Warschau. Bei diesem Tourplan muss jeder Handgriff sitzen, zählt jede Minute. Feiern und Tourromantik wird es da weniger geben. Wenn es sie je gab. Einige Bierverkäufer versuchten noch ihre letzten Büchsen loszuwerden. Mit geringem Erfolg. Zwei Kameraden vor mir hatten einen Kumpel rechts und links untergehakt, weil er leicht die Orientierung verloren hatte. Nicht aber den Appetit auf noch ein Bierchen. „Du kriegst nichts mehr“, sagte einer der Abschlepper, „sonst läufste alleine“. „Kein Problem“, sagte der Mittige und riss sich los. Weit kam er nicht. Nach einer gefährlichen Abwärtskurve griffen die Kumpels wieder zu und brachten ihn auf die richtige Bahn. So wie sie da liefen, das lebendige Bandlogo: AC und DC und in der Mitte der abgeknickte Blitz. Zeitweilig etwas kraftlos. Ein richtig schöner Abend.


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Integrationsministerin erklärt: Deutschland war schon immer ein Einwanderungsland

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Deutsche Auswanderer um 1900  in der Ballinstadt Hamburg. Quelle: ballinstadt.de

Dass in Dresden so langsam wieder Normalität einzieht, merkt man an kleinen Dingen. Beispielsweise daran, dass in der Landeszentrale für politische Bildung die Obrigkeit wieder von der Bühne zum Volk spricht und zugleich kaum widersprochen Unsinn erzählt werden kann. So wie vergangenen Donnerstag, als das Haus die neue sächsische Integrationsministerin Petra Köpping von der SPD zu Gast hatte. Thema, na, was könnte es anderes sein? Natürlich: Asyl. Petra Köpping ist, wie nebenbei bemerkt viele Politiker aus dem linken Lager, ein Mensch, der durchaus Sympathien weckt. Sie hat selbst drei Kinder und man kann sie sich gut als liebevolle Mutter oder vielleicht sogar schon Oma vorstellen. Nur mit dem Faktenwissen und den Zusammenhängen hapert es eben, wobei es noch für sie sprechen würde, wenn das Ventilieren von Unsinn bewußt geschähe. Denn das würde man Gerissenheit nennen. Bei Petra Köpping aber muss man annehmen, dass sie tatsächlich glaubt, was sie da so leichthin sagt. Nämlich den Satz, so kurz vor Schluss und en passant mit einer lockeren Drehung der linken Handfläche nach oben: Deutschland ist schon immer ein Einwanderungsland gewesen. Nur einem älteren Herrn in der letzten Reihe entfuhr ein schwer zu bestimmender Laut des Widerspruchs. Sonst Stille. Nun ist dieser Satz aus dem Mund einer „Integrationsministerin“ natürlich verständlich. Würde sie auf das Gegenteil abstellen, ergäbe sich sofort die nächste Frage. Nämlich die, nach dem Sinn und der Berechtigung einer Integrationsministerin. Und der Satz ist ungeheuer praktisch. Denn er nimmt gleich noch die ganze deutsche Geschichte der letzten Jahrhunderte in Schutzhaft. Damit nur ja keiner auf die Idee komme zu glauben, eine solche Ministerstelle sei nur ein weiterer Beleg für die ungebrochene Lust der Linken an gesellschaftlichen Experimenten.
Aber gehen wir einmal anders vor. Unterstellen wir mal, das wäre tatsächlich so gewesen. Geben wir bei Google die Begriffe Deutschland und Einwanderungsland ein, liefert die Suchmaschine an zweiter Stelle einen Wikipedia-Eintrag zum Thema. Dort heißt es: „Der Begriff Einwanderungsland beschreibt einen Staat, dessen Bevölkerung durch Einwanderung von Personen aus anderen Ländern stark anwächst oder in dem Einwanderer einen wesentlichen Teil der Bevölkerung stellen. Der Begriff wird zum Teil als politisches Schlagwort gebraucht.“ Und ein Stückchen darunter: „Als klassische Einwanderungsländer gelten vor allem Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, aber auch Neuseeland, Südafrika, USA und weitere Staaten vor allem in Südamerika.“ Komisch. Von Deutschland ist da nicht die Rede. Zwar finden sich in früheren Jahrhunderten die Hugenotten, die Salzburger Protestanten und die Böhmischen Exulanten (sic), aber diese Bewegungen waren zahlenmäßig vergleichsweise kleine. Bei den Salzburgern sprach man von rund 30 000 Menschen, die es unter ihrem katholischen Bischof nicht mehr aushielten mit ihrem reformierten Glauben und dankbar den Weg ins karge Preußen antraten. Hier waren sie hochwillkommen und wurden von Friedrich Wilhem I., das war der rustikale Vater des späteren Großen Fritzen, im durch die Pest entvölkerten Ostpreußen angesiedelt. Richtig ist auch, dass im 19. und 20. Jahrhundert die „polnischen Schnitter“ dringend auf den ostelbischen Gütern als Erntehelfer gebraucht wurden. Auch die Ruhrpolen, die sich an Rhein und Ruhr ansiedelten, seien erwähnt. Aber letztere Umsiedlung hatte eher etwas mit den politischen Verhältnissen in Oberschlesien zu tun, als mit einem Bedarf am Aufnahmeort. Doch fasst man diese Bewegungen zusammen, so sieht man, dass es mit Ausnahmen der Hugenotten allenfalls Binnenwanderungen waren. Man kann natürlich den 30-jährigen Krieg mit dem Einfall der Schweden als Einwanderung bezeichnen, aber gemessen am Nutzen der Aktion fällt die Bilanz dabei wohl eher negativ aus. Die Wirklichkeit sah (und sieht) doch in Deutschland ganz anders aus. Der sächsischen Ministerin sei ein Besuch in der Partnerstadt Dresdens, in Hamburg angeraten. Dort gibt es die so genannte Ballinstadt. Benannt nach dem Reeder Albert Ballin, der für die damalige Zeit ein vorbildliches Regime der geordneten Auswanderung aus Deutschland organisierte.

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Von Hamburg aus verließen Millionen von Deutschen und Europäern das Land. Quelle: ballinstadt.de

In seiner Durchgangsstation bekamen die Passagiere in die neue Welt eine Rundumversorgung einschließlich Krankenpflege, ehe sie an Bord der eigens konstruierten Schiffe nach Amerika gingen. In dem heutigen Museum wird anhand von Schautafeln und Filmen auch erklärt, was die Menschen bewog, ihr Glück lieber in der Ferne als im übervölkerten Deutschland zu suchen. Da waren neben religiösen Motiven, die es immer wieder gab, vor allem die geringen Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ein Bauer vererbte seinen Hof immer an den Erstgeborenen. Alle weiteren Söhne konnten nur bei ihrem Bruder als Knecht bleiben oder mussten sich selbst etwas suchen. Die Städte waren geprägt von Übervölkerung und schlecht bezahlten Arbeitsplätzen in der Industrie. Wer nicht die entsprechende Herkunft hatte, der blieb in diesem weithin noch ständisch geprägten Land, was er war. Der Kampfbegriff vom „Volk ohne Raum“, war keine Erfindung der Nationalsozialisten. Sie brachten ihn nur auf die Tagesordung bei der Umsetzung ihrer Pläne im Osten. Schaute man dagegen auf die andere Seite des Ozeans, so fällt auf, dass der zahlenmässig stärkste Einwanderer auf dem nordamerikanischen Kontinent deutsch sprach. Die Abstimmung, ob die offizielle Landessprache der USA Deutsch oder Englisch sein soll, ging denkbar knapp aus. Noch heute trifft man „drüben“ allerorten auf deutsche Artefakte. Seien es deutsch klingende Nachnamen oder die Namen vieler Orte, die man der Einfachheit halber nach dem Ursprungsort der Einwanderer nannte – wie Hamburg, Potsdam, selbst Dresden. Stimmte also die Aussage der Ministerin, wonach Deutschland „schon immer“ ein Einwanderungsland war, dann wäre das Museum in Hamburg eine einzige große Jahrhundertlüge, die man bis heute kultiviert. Oder ist es nicht vielmehr so, dass durch solche Aussagen eine neue überhaupt erst implementiert werden soll? Denn wie sieht es denn heute aus?
Macht man wieder zunächst den simplen Googletest, so bringt die Suchmaschine unter dem Stichwort „Deutschland Auswanderung“ unter den ersten zehn Treffern folgende Auswahl an Fundüberschriften:
spiegel.de Deutschland ist ein Auswanderungsland
migazin.de Deutschland, das Land der Auswanderer
welt.de Deutschland Talente verlassen in Scharen das Land
Das ließe sich fortsetzen. Und damit wären wir wieder bei unserer sächsischen Integrationsministerin, die man sich auch gut mit Pippi-Langstrumpf-Zöpfen vorstellen kann. Denn auch sie malt sich ihre Welt wie sie ihr gefällt. Man muss doch die Frage stellen, wo die vielen Leute einmal arbeiten sollen, die derzeit völlig ungesteuert ins Land strömen? Denn, dass sie arbeiten sollen und unseren, der dann auch ihrer ist, Wohlstand mehren, steht doch bei allem außer Frage. Oder etwa nicht? Klammern wir bei dieser Frage mal die sonst heiß diskutierten Aspekte der kulturellen Kompatibilität und die formale Bildung der „Zuwanderer“ aus. Nehmen wir mal an, das alles ist mit „mehr Geld vom Bund“, „mehr Betreuung“ und ganz viel „Willkommenskultur“ zu bewerkstelligen. Aber wo sind dann die Schwerindustrien, die Stahlwerke, die Gießereien, die Walzwerke, die diese tausenden von Menschen aufnehmen sollen? In der Autoindustrie ist absehbar, wann der letzte menschliche Schrauber das Band verlässt. Schauen wir auf die Landwirtschaft. Derzeit könnte man dem Land wohl keinen größeren Stoß versetzen, als wenn Deutschland seine ehemaligen Ostgebiete auf einen Schlag zurückbekäme. Kein Mensch bräuchte die ostelbischen Großgüter wirklich. Der gesamte Agrar-Binnenmarkt käme ins Wanken, wenn dort plötzlich deutsche Standards von Mechanisierungsgrad, Umweltschutz bis Mindestlohn gelten würden. Inzwischen fahren selbst in unseren Agrargenossenschaften Großmaschinen mit GPS-Steuerung ohne menschliches Zutun hin und her. Die Ernte, früher der Höhepunkt des dörflichen Lebens, bei dem Mann und Maus raus aufs Feld musste, wo jede Hand gebraucht wurde, ist heute eine Angelegenheit von, lassen wir es hochkommen, einem Dutzend Leuten. Alles hochspezialisierte Fachleute auf Großmaschinen, die man nicht eben mal so fährt, ohne lange Ausbildung. Zur selben Zeit, wo Petra Köpping ihre merkwürdige (krude?) These vom ewigen Einwanderungsland Deutschland propagiert, sprach eine Hamburgerin ebenfalls in Dresden etwas anderes aus. Tatjana Festerling, die Pegida-Kandidatin für den Oberbürgermeistersitz in Dresden, sagte, dass es inzwischen 1,4 Millionen Menschen gäbe, die in Deutschland allein in der sogenannten Migrationsindustrie arbeiten – also Betreuer der verschiedenen Wohlfahrtsverbände wie der Caritas, der Diakonie, Sozialpädagogen, Psychologen und viele mehr. Das ist derzeit die einzige Branche, die wirklich boomt in Deutschland, abgesehen vom Geschäft mit Flüchtlingsunterkünften und dem Wohncontainerbau. Aber ist das wirklich eine tragfähige Basis für die Weiterentwicklung dieses Landes? Und wenn es selbst nur die Bewahrung seines Wohlstandsniveaus wäre? Eine Integrationsministerin darf man das nicht fragen. Das ist schon klar. Aber empfehlen darf man ihr etwas. Und zwar den Blick auf die Liste der deutschen Nobelpreisträger, auch wenn da so schlimme Vergangenheitsvergesser wie Günter Grass dabei sind. Die meisten Preise gab es für herausragende Leistungen in Physik, Chemie und Medizin. „Migration“ ist nicht dabei. Und „Integration“ fände ganz von alleine statt, wenn diese Bereiche wieder boomen würden.


Ein Kommentar

Die Geschichte vom Martin und der bösen Pegida-Schlange

Diese Woche wollte der Martin, was der sächsische SPD-Landeschef und zugleich Sachsens Vizeministerpräsident ist, bei seinen Wählern im Wahlkreis Meißen zusammen mit der Daniela von der CDU aus dem gleichen Landtags-Wahlkreis und dem braven Ritter Patzelt vom Unistein ein Gespräch mit seinen Wählern über die böse Pegidaschlange führen. Die treibt schon länger ihr Unwesen in Sachsen. Verdirbt das Volk, führt böse Reden, sorgt für Unruhe weit über die Landesgrenzen h15399155-lustige-karikatur-schlange-vektor-illustrationinaus. Zur Sicherheit sollte die Audienz auf geweihter Erde in der Evangelischen Akademie zu Meißen stattfinden. Alles war arrangiert: Das Volk geladen, die Stühle gerückt, die Herolde stießen ins Horn. Da vermeldeten Späher aus dem Meißner Land, dass sie die blonde Pegidaschlange gesehen hätten. Sie wäre mit Gefolge auf dem Weg in die Stadt. Wolle sich unters Volk mischen, vielleicht sogar mitreden. Jetzt war guter Rat teuer. Knappe Martin hatte nämlich ein Gelübde abgelegt. Er wolle mit den Menschen reden, denen die böse Pegidaschlange ihre Lügen ins Ohr geträufelt hatte. Um sie zu heilen und Pegidas Zauber zu brechen. Aber gleichzeitig hatte er gelobt, nicht mit Pegida selbst zu sprechen. Ob aus Angst vor ihrem Zauber oder weil Königin Mutti aus Berlin in ihrer Silvesterbulle schon den Bann über das Schlangentier gesprochen hatte. Und dann waren erst letzte Woche die Prinzessinnen Manuela und Yasmin zu einer Regionalkonferenz da. Mit denen hatte sich der Martin stolz zusammen auf einer Bühne gezeigt und dabei eine fabelhafte Figur gemacht. Doch danach haben ihm die Beiden bestimmt gesagt: Dass Du ja nicht mit der blonden Pegidaschlange spielst. Oder gar sprichst. So anmutig sie auch ist. Dann haben wir dich nicht mehr lieb und mit Berlin in vielleicht ein paar Jahren ist es Essig. Ja, aber der Siggi?, wandte der Martin ein und meinte damit den so rundlichen wie impulsiven Adoptivsohn von Königin Angela. Der war aus Berlin ausgebüxt und hatte sich unter die Jungs in Pegidas Heerzug gemischt. Mit ihnen gescherzt, gelacht und um Bier gewettet. Kurz, sich prächtig amüsiert. So hatte es dann im Sachsenspiegel gestanden, was im ganzen Königreich für Aufruhr sorgte. „Um den kümmert sich die Mutti“, hatten die beiden Prinzessinnen gesagt und die Lippen ihrer hübschen Münder tadelnd zusammengepresst. Und sie gaben ihm einen lateinischen Satz mit, den er sich vom Ritter Patzelt übersetzen ließ: Quod licet Siggi, non licet Marti.
Als nun das blonde Haar der Pegidaschlange am Horizont aufleuchtete, ließ Martin das schnellste Pferd satteln und gab Fersengeld in Richtung Dresden. Hinter den meterdicken Mauern des Wirtschaftsministeriums ist er vorerst sicher.

232921Hier hatte sich schon sein Vorgänger von der FDP verbarrikadiert, als ihn das Volk nicht mehr mochte. Bei seiner Flucht warfen im Landeskinder am Wegesrand verbale Falläpfel hinterher. In seinem Wahlkampf hätte er jeden an seinem Tisch sitzen lassen und versprochen, sich tapfer für sie einzusetzen. Jetzt kneife er vor dem ersten Untier, das vor der Stadtmauer erscheint. Als die böse Pegidaschlange hörte, dass der Martin Reißaus genommen hat, ringelte sie sich auf dem Grund der Elbe vor der Meißner Burg ein. Ab und an streckt sie mal den Kopf heraus und erzählt den Passanten auf der Burgbrücke etwas von direkter Demokratie, für die sie jetzt durchs Land ziehen werde. Aber so viele wollen das gar nicht hören.